Diese Gesetze gelten im Berchtesgadener Land

Wasserschutz: Diese Regeln müssen Gastronomen beachten

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Fettabscheider - Darum ist Sorgfalt hier so wichtig
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Bad Reichenhall - (Trink-)wasser ist ein kostbares Gut. Trotzdem versickert jede Menge davon im Grundwasser oder wird gedankenlos verunreinigt. Diese Gesetze gelten für Privatleute und Firmen im Berchtesgadener Land.

Pro Tag versickert in Deutschland so viel Trinkwasser durch defekte Rohre, wie über elf Millionen Bundesbürger täglich verbrauchen. In Zahlen sind das rund 1,138 Milliarden Liter pro Tag, was rund acht Prozent des gesamten Wasseraufkommens ausmacht. 

Versickert das Wasser in Trinkwasserqualität in den Boden, also bevor es im Privathaushalt oder Industrieunternehmen ankommt und Verwendung findet, dann ist das ärgerlich, weil es für den Verbraucher einen Verlust darstellt. 

Versickert es aber nach der Einleitung durch den privaten oder gewerblichen Verbrauchen auf dem Weg in die Kläranlage, dann können noch gravierende Umweltschäden dazu kommen.

Rund 40 Prozent der Grundleitungen sind reparaturbedürftig

Experten schätzen, dass in Deutschland die Anschlusskanäle und Grundleitungen eine Länge von rund 1,5 Millionen Kilometern betragen und davon circa 40 Prozent reparaturbedürftig sind

Während in gastronomischen Betrieben oder Unternehmen wie Tankstellen, etc. Fettabscheider nicht nur Pflicht sind und die Behörden hier strenge Auflagen haben, wie oft diese kontrolliert und ausgetauscht werden müssen, tappen private Hausbesitzer oft im Dunkeln und sind sich gar nicht bewusst welche Pflichten sie einzuhalten haben

Wohnen dann noch Mieter im Haus oder in der Wohnung, die lieber ihre Essensreste oder ähnliches lieber in die Toilette kippen, anstatt in den Müll zu bringen, dann kann man auch als privater Hausbesitzer schnell Probleme bekommen.

Besondere Regeln gelten für die Gastronomie

Gastronomische Betriebe unterliegen besonderen Vorschriften, was die Einleitung ihrer Abwässer angeht. Auch die zahlreichen gastronomischen Betriebe im Berchtesgadener Land. So werden in Bad Reichenhall derzeit bei zahlreichen gastronomischen Betrieben die Fettabscheider ausgetauscht. So auch bei der Traditionsgaststätte Bürgerbräu, bei denen der Fettabscheider modernisiert / erweitert wurde. 

Der Entwässerungssatzung (EWS) liegen unter anderem die allgemeinen Regeln der Technik (wie z. B. DIN-Vorschriften, Kreislauf- und Wirtschaftsgesetz) zugrunde

Bei einer Überprüfung wurde festgestellt, dass Abwasservorbehandlungsanlagen, also die Abscheider zu klein ausgelegt sind, nicht vorhanden sind bzw. nicht regelmäßig fachgerecht entleert und betrieben werden.“, so Robert Kern. 

Aber wer ist eigentlich dafür zuständig, dass alles mit rechten Dingen zu geht?

Nachgefragt bei der Stadt Bad Reichenhall 

So wie das Bürgerbräu in Bad Reichenhall, stehen auch zahlreiche andere gastronomische Betriebe derzeit vor der Herausforderung, die Vorgaben zu erfüllen, die die Kläranlagen und Wasserwirtschaftsämter vorgeben. „Der Betreiber einer Kläranlage muss nach den Vorschriften des Bayerischen Wassergesetzes (BayWG) ein Einleiterkataster führen und es auf dem aktuellen Stand halten.

Dies bedeutet, dass die Stadt festzustellen hat, wo gewerbliches Abwasser anfällt, ob es vorbehandelt wird bzw. werden muss, in welchem Zustand die Anlage ist und wie sie betrieben wird, so dass die Einleitungsbedingungen des Indirekteinleiters, d. h. derer, die in den öffentlichen Kanal einleiten, die Anforderungen der kommunalen Entwässerungssatzung erfüllen

Das Führen und Betreiben eines Einleiterkatasters ist erforderlich, um Schäden im Kanal zu minimieren bzw. zu vermeiden, um eine stabile Reinigungsleistung der biologischen Kläranlage zur Vermeidung von Störfällen sicherzustellen und, um die im Wasserrechtsbescheid festgelegten Grenzwerte der gesetzl. Mindestanforderungen einhalten zu können, um die Abwasserabgabe zu minimieren, was unter anderem im Zusammenhang mit den Abwassergebühren steht“, so Robert Kern, der Pressesprecher der Bad Reichenhall.

Diese gesetzlichen Richtlinien gibt es 

Welche gesetzlichen Richtlinien einzuhalten sind, finden sich in der Regel auf den Webseiten der Landratsämter, wie zum Beispiel beim Landratsamt Berchtesgadener Land. 

Ganz wichtig: Zunächst haben Gastronomen, Tankstellen, etc. eine fünfjährige Prüfpflicht nach DIN 1999-100 (Ölabscheider) und DIN 1999-4040-100 (Fettabscheider)

Zusätzlich zu diesen Überprüfungen nach den DIN-Vorgaben muss bei der Generalinspektion auch noch eine Dichtheitsprüfung DIN EN 1610 der Tohrleitungen bis zur Grundstücksgrenze durchgeführt werden. 

Außerdem muss bei der Überprüfung der Abscheider berücksichtigt werden, dass jeder Abscheider individuell zu betrachten ist. Und zwar nach Abscheidewirkung, Einbauort, Wartung und Prüfung, damit er seine jeweilige Funktion erfüllen kann.

Aufgabe für Fachfirmen

Abscheider im Erdeinbau können nur von zertifizierten Fachfirmen eingebaut werden oder von Tiefbaufirmen unter Aufsicht eines zertifizierten Fachbetriebes. Für den Inneneinbau wie z.B. im Kellergeschoss durch Sanitär oder Installationfirmen gilt dasselbe.

Nachgefragt beim Landratsamt Berchtesgadener Land

 „Nach den Entwässerungssatzungen der Gemeinden ist grundsätzlich der Grundstückseigentümer für die ordnungsgemäße Einleitung von Abwässern in die gemeindliche Abwasseranlage verantwortlich.

Der Grundstückseigentümer hat seine Grundstücksentwässerungsanlage (Kanalanschluss oder Kleinkläranlage) satzungsgemäß zu errichten und zu betreiben und dies der Gemeinde vor Inbetriebnahme durch einen Sachverständigen zu bestätigen, sofern nicht die Gemeinde selbst die Abnahme vornimmt. 

Der ordnungsgemäße Betrieb einer Kleinkläranlage ist regelmäßig durch einen Privaten Sachverständigen der Wasserwirtschaft (PSW) überprüfen zu lassen

In Schmutzwasserkanäle der Gemeindlichen Kanalisation darf nur Schmutzwasser, in Regenwasserkanäle nur Niederschlagswasser eingeleitet werden. In Mischwasserkanäle darf sowohl Schmutz- als auch Niederschlagswasser eingeleitet werden“, so Andreas Bratzdrum, Pressesprecher Landratsamt Berchtesgadener Land

Und welche Stoffe dürfen nicht eingeleitet werden? 

In die gemeindliche Abwasseranlage (Kanalisation, Kläranlage) dürfen unter anderem nicht eingeleitet werden:

  • feuergefährliche oder zerknallfähige Stoffe wie Benzin oder Öl
  • infektiöse Stoffe, Medikamente, radioaktive Stoffe, Farbstoffe, soweit sie zu einer deutlichen Verfärbung des Abwassers in der Sammelkläranlage oder des Gewässers führen
  • Lösemittel, Abwasser oder andere Stoffe, die schädliche Ausdünstungen, Gase oder Dämpfe verbreiten können
  • Grund- und Quellwasser
  • feste Stoffe, auch in zerkleinerter Form, wie Schutt, Asche, Sand, Kies, Faserstoffe, Zement, Kunstharze, Teer, Pappe, Dung, Küchenabfälle, Schlachtabfälle, Treber, Hefe
  • flüssige Stoffe, die erhärten
  • Räumgut aus Leichtstoff- und Fettabscheidern, Jauche, Gülle, Abwasser aus Dunggruben und Tierhaltungen
  • Silagegärsaft, Blut aus Schlächtereien, Molke, Absetzgut, Räumgut, Schlämme oder Suspensionen aus Abwasserbehandlungsanlagen und Abortgruben 
  • Fäkalschlämme, Stoffe oder Stoffgruppen, die wegen der Besorgnis einer Giftigkeit, Langlebigkeit, Anreicherungsfähigkeit oder einer krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Wirkung als gefährlich zu bewerten sind wie Schwermetalle, Cyanide, halogenierte Kohlenwasserstoffe, Polycyclische Aromaten, Phenole.

Aufgepasst – auch das Abwasser ist nicht ohne

Aber das ist noch lange nicht alles, auch das Abwasser darf nicht einfach so eingeleitet werden. Dazu gehört folgendes Abwasser: 

Abwasser aus Industrie- und Gewerbebetrieben, von dem zu erwarten ist, dass es auch nach der Behandlung in der Sammelkläranlage nicht den Mindestanforderungen nach § 57 des Wasserhaushaltsgesetzes entsprechen wird,

  • das wärmer als +35 °C ist
  • das einen pH-Wert von unter 6,5 oder über 9,5 aufweist
  • das aufschwimmende Öle und Fette enthält
  • das als Kühlwasser benutzt worden ist
  • nicht neutralisiertes Kondensat aus ölbefeuerten Brennwert-Heizkesseln
  • nicht neutralisiertes Kondensat aus gasbefeuerten Brennwert-Heizkesseln mit einer Nennwertleistung über 200 kW. 

„Die Einleitungswerte aus der gemeindlichen Kläranlage werden regelmäßig im Rahmen der Eigenüberwachung und der unregelmäßigen Prüfung durch das Wasserwirtschaftsamt oder durch dessen Beauftragten geprüft. Nach den Ergebnissen dieser Abwasserwerte bemisst sich die Abwasserabgabe der Gemeinde an den Freistaat Bayern. Die Abwasserabgabe wird als Aufwand in die Gebührenkalkulation der Abwassergebühren einer Gemeinde eingerechnet“, so Andreas Bratzdrum.

Weitere Informationen über Richtlinien und Vorschriften rund um das Abwasser finden Sie beim Landesamt für Umweltschutz.

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