Variantenprüfung für Ortsumfahrung Bad Reichenhall vorgestellt

Kirchholz- oder Auentunnel? Diese Variante empfiehlt das Staatliche Bauamt

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Engagiert erklärte Christian Rehm (r.) Herbert Lackner und dem Bad Reichenhaller Stadtrat das Ergebnis der Variantenprüfung.
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Bad Reichenhall - In einer außerordentlichen Stadtratssitzung haben Vertreter des Staatlichen Bauamt Traunstein am Mittwochabend (27. März 2019) die Variantenprüfung für die Ortsumfahrung vorgestellt. Für sie gibt es einen klaren Favoriten.

Pünktlich um 18 Uhr begrüßte Oberbürgermeister Herbert Lackner, die Vertreter des Staatlichen Bauamtes, die Stadträte und die Zuhörer im Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall. "Wenn ich so in den Saal schaue, war es die richtige Entscheidung, ins Kurhaus zu gehen. Im Sitzungssaal hätten sie sicher nicht alle Platz gehabt." Das Thema Ortsumfahrung beschäftigt die Reichenhaller nach wie vor. Dementsprechend wurde es begrüßt, dass der Leiter des Staatlichen Bauamtes, Christian Rehm, sofort ins Detail ging.

In einer kurzen Einführung wies er darauf hin, dass das Staatliche Bauamt die Trassen fachlich beurteilten, aber nicht darüber entscheiden würde. "Die entscheide Frage ist, bekomme ich Baurecht." Vor allem unter diesem Gesichtspunkt, aber auch in Hinblick auf die Tunnelfrage, die verkehrlichen Planungsziele, die Bauweise und den Bauablauf, die Naturschutzrechtlichen Aspekte, die Verhältnisse des Baugrunds, das Aushubmaterial, die Auftriebssicherheit, den Hochwasserschutz und die Kosten wurden die insgesamt vier Varianten mit der bestehenden Planung für einen Kirchholz- und Stadtbergtunnel (250 Millionen Euro) verglichen.

Eine Trasse "nicht baubar"

Bernadette Wallner stellte diese Varianten zuerst kurz vor. "Alle Varianten reichen vom Gablerknoten bist zum Festplatz", erläuterte sie.

  • Der Auentunnel (Variante X, 235 Millionen Euro) würde die derzeitig Bundesstraße B20/21 in Richtung Saalach abrücken und vierstreifig in einen Trogtunnel von der Johann-Häusl-Straße bis zur Kretabrücke führen.
  • Der Ausbau in der Bestandstraße (Variante 1a, 225 Millionen Euro) würde ebenfalls in einen vierstreifigen Tunnel zwischen Johann-Häusl-Straße und Kretabrücke führen. Die Erschließungsstraße für die Stadt würde dann auf dem Tunnel verlaufen.
  • Die Variante 1b (160 Millionen Euro) sieht im Vergleich zu 1a nur einen zweispurigen Tunnel vor.
  • Die B20 oben und die B21 unten (Variante 2, 285 Millionen Euro) in einem zweistreifigen 5 km langen Tunnel verlaufen zu lassen, würde die beiden Bundesstraßen räumlich trennen, aber den Weg nach Bayerisch Gmain, vor allem am Stachus nicht entlasten.
Das Ergebnis der Variantenprüfung für die Ortsumfahrung Bad Reichenhall lockte viele Zuhörer ins Königliche Kurhaus.

Mit dieser Aussage erteilte Wallner der ersten Trasse bereits im Vorfeld eine Absage. Diese verfestigte sich noch, als die einzelnen Punkte in der Variantenprüfung durchgegangen wurden. Das Fazit am Ende: "nicht baubar". Doch auch die anderen von der Stadt vorgeschlagenen Varianten fielen in drei wesentlichen Bereichen durch. Sie alle müssten neu bewertet werden und "es ist nicht gewiss, ob tatsächlich dann auch für die städtische Varianten eine vordringliche Einstufung im Bedarfsplan erfolgt", fasste Rehm am Ende zusammen.

"Die zweite wesentliche Hürde ist der technische Entwurf." Dieser muss vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur genehmigt werden. Hinsichtlich Tunnels gebe es aber klare Spielregeln. "Tunnels sind die teueresten Bauwerke und sie werden nur dort genehmigt, wo sie aus topografischen Gründen oder aus emmissionsschutzrechtlichen Gründen zwingend erforderlich sind", so der Bauamtsleiter. "Das ist bei den städtischen Varianten nicht der Fall." Insofern sei es äußerst ungewiss, ob das BMVI den städtischen Planungen zustimmen würde.

Neue Trassenführung und Optimierung am Golling?

Der dritte entscheidende Punkt sei das Planfeststellungsverfahren, in dem ein Variantenvergleich erfolgen muss, so wie ihn das Bauamt am Mittwochabend vorgestellte. "Da drängt sich der Kirchholztunnel und der Stadtbergtunnel auf", so das Fazit von Christian Rehm.

Er erklärte im Vorfeld bereits, dass das seit 2011 ruhende Planfeststellungsverfahren in Sachen Kirchholztunnel nicht einfach wieder aufgenommen werden könne. Sollte sich der Stadtrat in zwei Wochen für diese Variante entscheiden, müsse das Verfahren aufgrund von einer Reihe rechtlicher Änderungen im Bereich des Naturschutzrechtes, der Tunnelsicherheit und des Wasserrechtes neu aufgerollt werden. "Man kann natürlich auch diese Gelegenheit nutzen, um die bisherigen Planungen noch einmal zu optimieren. Ich sehe insbesondere Optimierungspotential, was die Trassenführung anbelangt, aber auch was die Knotenpunkte anbelangt. Insbesondere was den Knoten Golling anbelangt." Man könne dort mit einem Halbanschluss arbeiten und somit den Flächenverbrauch minimieren.

Wie diese Neuigkeiten aufgenommen wurden, welche Reaktionen von den Stadträten kamen, erfahren Sie noch am Donnerstag auf BGLand24.

cz

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