Jetzt werden Unterschriften gesammelt

Bürgerbegehren für "Sanierung statt teurem Neubau" des Landratsamtes gestartet

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Wolfgang Wagner (l.) und Stefan Glas wollen eine Sanierung es Landratsamtes erreichen.
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Bad Reichenhall - Zwei Bürger wollen erreichen, dass das Landratsamt nicht abgerissen, sondern im Bestand saniert und erweitert wird. Am Mittwochabend (10. April) haben sie dazu in Bad Reichenhall den Startschuss gesetzt.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass nun bereits mit dem Abriss und Neubau von staatlichen Gebäuden begonnen wird, die knapp 40 Jahre alt sind!" begann Stefan Glas seine Ausführungen. Zusammen mit Wolfgang Wagner aus Freilassing hat er das Bürgerbegehren für eine "Sanierung statt teurem Neubau" initiiert. Ab sofort liegen die entsprechenden Listen bei ihm in der Spieß-Hütt'n in der Schachtstrasse 2 und in einem Lohnsteuerbüro in der Liebigstrasse aus. "Die Plätze, an denen unterschrieben werden kann, werden sukzessive ausgebaut und bekannt gegeben", so Glas.

Rund 5800 Unterstützer brauchen Glas und Wagner, um das Bürgerbegehren einreichen zu können. Argumente für eine Sanierung haben sie: "Ein vor einigen Jahren erstelltes Gutachten über den Zustand des Landratsamtes betätigte dem Gebäude beste Werte – weit besser als viele Gebäude in privaten und öffentlichen Händen."

Dem widerspricht das Landratsamt in einer Pressemitteilung: "Das aktuelle Gebäude wurde durch renommierte Fachexperten ausführlich untersucht und bewertet. Alle Einschätzungen kommen zu dem Schluss, dass dringender Erneuerungsbedarf an Brandschutz, Fassadendämmung, Heizung, Lüftung, Sanitär, Wasser/Abwasser und Stromversorgung besteht. Zudem können die geltenden Vorgaben der Arbeitsstättenrichtlinien nicht eingehalten werden – dies betrifft unter anderem die vorgeschriebene Raumhöhe. Das hat nichts mit fehlendem Gebäudeunterhalt zu tun."

37,5 Millionen Euro für Neubau, 35,2 Millionen Euro für Sanierung

Für die Initiatoren ist es undenkbar, dass der Brandschutz in einem Gebäude, in dem der oberste Brandschützer angesiedelt ist, nicht auf dem aktuellsten Stand sein soll. Die vorhandene Bausubstanz ermögliche außerdem eine sinnvolle und kostengünstigere Sanierung, ist Glas überzeugt.

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Das Landratsamt selbst hat bereits im Vorfeld mitgeteilt: "Die Gesamtkosten für einen Neubau belaufen sich nach aktuellen und fundierten Berechnungen durch Fachexperten auf 37,5 Millionen Euro. Eine Generalsanierung und bauliche Erweiterung des Bestandsgebäudes würde 35,2 Millionen Euro kosten." Außerdem würden zusätzliche Kosten in Millionenhöhe anfallen, um Räumlichkeiten für die Mitarbeiter anzumieten, da bei der Sanierung für den größten Teil der Bauzeit lediglich noch der Rohbau dastehen würde (ohne Fenster, teilweise ohne Fußböden). Damit sei ein Arbeiten im bestehenden Gebäude unmöglich.

Stefan Glas sieht anhand des Grundrisses des bestehenden Landratsamtes durchaus "eine gute Möglichkeit zum Erweitern und zum Anbauen in fast allen Richtungen. Allein der Vorplatz des Eingangsbereiches lässt einen großzügigen Anbau und Überbau der vorhandenen Ressourcen zu. Die Bodenressourcen in Reichenhall sind knapp, deshalb muss sorgsam damit umgegangen werden. Damit aber nicht genug, es muss auch mit den Geldressourcen sparsam umgegangen werden", fordert er.

Von Laufen bis Königssee knapp 6000 Unterstützer gesucht

Zusammen mit Wagner ist er sich sicher, dass die Baukosten 40 bis 60 Prozent steigen werden. "Es ist in ganz Deutschland noch keiner Behörde gelungen bei Großbauprojekten den Steuerzahler mit haltbaren Zahlen zu versorgen, die dann auch nur annähernd eingetroffen sind."

Deshalb suchen die beiden jetzt knapp 6000 Unterstützer, um das Bürgerbegehren einreichen zu können. Sie sind überzeugt, dass sie diese leicht finden werden: "Von Laufen bis zum Königsee haben wir über 200 Personen befragt, ob Neubau oder Sanierung sinnvoller wäre. Die Bürger stimmten zu über 97 Prozent für eine kostengünstigere und sinnvolle Sanierung."

Der Bund Naturschutz hatte bereits im März angekündigt, Unterschriften gegen den Neubau zu sammeln und will auch das Bürgerbegehren unterstützen. Wer sich allerdings auf der Internetseite des Bund Naturschutzes einträgt, unterstützt nicht das Bürgerbegehren. Das geht einzig in den Listen von Stefan Glas und Wolfgang Wagner.

Rita Poser, die Vorsitzende des Bund Naturschutzes im Berchtesgadener Land erklärte gegenüber BGLand24:"Den Abriss als solchen lehnen wir unverändert ab. Wir arbeiten gerade die vom Landratsamt ausgelegten Unterlagen durch und auch da gibt es einige Feststellungen."

cz

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