Pressemitteilung Stadtwerke Bad Reichenhall

Startschuss für umweltfreundliche Fernwärme

Bad Reichenhall - Laut Klimaschutzbericht verfehlt Deutschland seine Klimaziele für 2020 und die angestrebten 40 Prozent weniger Treibhausgase, die Reduzierung von CO²-Ausstoß ist aktueller denn je.

Mit der Realisierung einer innovativen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (iKWK-Anlage) werden die Stadtwerke Bad Reichenhall künftig nicht nur das Stadtgebiet autark mit Strom versorgen, sie werden den Bürgern auch umweltfreundliche, emissionsarme Wärme bereitstellen. Das rund 20 Millionenprojekt wird staatlich gefördert, als eines von derzeit nur fünf in ganz Deutschland.

Am heutigen Freitag fiel auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke Bad Reichenhall der Startschuss für den Bau eines innovativen, CO²-sparendenden Heizkraftwerks. Es basiert auf der Technologie der Kraft-WärmeKopplung und kombiniert die Produktion von Strom und Wärme: Die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme geht nicht wie in herkömmlichen Kraftwerken verloren, sondern wird in ein Fernwärmenetz eingespeist. Haushalte können auf diese Weise mit Strom und Wärme versorgt werden. Der eingesetzte Brennstoff wird quasi doppelt genutzt - der Wirkungsgrad liegt bei 90 Prozent - und das Klima geschont. Innovative KWK-Systeme wie das der Stadtwerke sind sogar noch energieeffizienter und treibhausgasärmer, weil sie nicht auf fossile Brennstoffe, sondern auf erneuerbare Energiequellen zurückgreifen.

Der Staat fördert seit letztem Jahr erstmals solche innovativen KWK-Systeme. Die erste Ausschreibungsrunde lief im Juni 2018 und die Stadtwerke Bad Reichenhall sind eines von deutschlandweit nur fünf Unternehmen, die den Förderzuschlag für den Bau des neuen Heizkraftwerkes erhalten haben.

33.000 Tonnen CO² Einsparung im Jahr

Das neue Heizkraftwerk, das auf dem Areal der Stadtwerke entstehen wird, setzt sich aus drei Energieerzeugern zusammen: Zwei erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke (BHKW), die eine elektrische Leistung von 6,7 Megawatt und eine thermische Leistung von 6,3 Megawatt erzeugen. Mit einer Power-to-Heat-Anlage (P2H) können bei Stromüberschuss im öffentlichen Netz Stromspitzen abgefahren und kostenlos in Wärme umgewandelt werden. Die thermische Leistung liegt hier bei zwei Megawatt. Die mit Saalachstrom betriebene Grundwasser-Wärmepumpe nutzt die oberflächennahe Geothermie und liefert eine thermische Leistung von rund 2 Megawatt.

Um Energieerzeugung und Bedarfsschwankung auszugleichen, ist außerdem ein saisonaler Großwärmespeicher mit einem Durchmesser von elf Metern, einer Höhe von 25 Metern und einem Wasservolumen von 1.500 Kubikmetern vorgesehen. Das Zusammenspiel aller Anlagenteile und Energieerzeugungseinheiten wird über eine intelligente, glasfaserbasierte Leittechnik gesteuert. "Rund 80 Prozent der CO²-Emissionen in Deutschland werden direkt oder indirekt durch Strom- und Wärmeerzeugung verursacht. Hier werden die Stadtwerke Bad Reichenhall zur Reduzierung beitragen", sagte Vorstand Jörg Schmitt. "Unser iKWK-Projekt wird rund 33.000 Tonnen CO² jährlich vermeiden. Diese Summe entspricht in etwa dem CO²-Ausstoß von 23.000 PKW’s.

Straffer Zeitplan

Die Ausschreibung für die Generalplanleistung der Energiezentrale konnte das Unternehmen "Gammel Engineering GmbH" aus Abensberg für sich entscheiden. Die Brunnenbohrungen für die GrundwasserWärmepumpe wurde mit dem heutigen Spatenstich begonnen. Um an das Grundwasser zu gelangen, wird ein Entnahme- und ein Schluckbrunnen eingerichtet. Über den Grundwasserleiter wird künftig zehn bis zwölf Grad Celsius warmes Grundwasser an die Oberfläche befördert und in die GrundwasserWärmepumpe eingespeist. Die Pumpe erzeugt Wärme auf einem höheren Niveau und wird mit Saalachstrom betrieben. Dann wird das auf rund vier bis fünf Grad Celsius abgekühlte aber sonst völlig unveränderte Grundwasser über den Schluckbrunnen wieder zurückgeführt.

Die Aufnahme des Probebetriebs der iKWK-Anlage ist für Ende des vierten Quartals 2020 vorgesehen. Der Ausbau des Fernwärmenetzes startet im kommenden Herbst. In den nächsten fünf Jahren planen die Stadtwerke Bad Reichenhall ein rund 15 Kilometer langes Fernwärmenetz, das dann kontinuierlich weiter ausgebaut werden soll.

"Klimaschutz geht jeden von uns an. Unsere Kinder gehen wöchentlich auf die Straßen und demonstrieren für Ihre Zukunft. Die Stadtwerke als Energieversorger sind sich nicht nur ihrer Verantwortung bewusst, sondern können durch Mut und Investitionsbereitschaft auch etwas bewegen, daher sind wir überzeugt, dass sich die hohen Investitionen von rund 20 Millionen Euro auszahlen werden", so Vorstand Jörg Schmitt.

Pressemitteilung Stadtwerke Bad Reichenhall

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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