Zu geplantem Wasserkraftwerk Schneizlreuth

Stadtrat Bad Reichenhall lehnt "nichtssagende" Stellungnahme ab

Auch der Bad Reichenhaller Stadtrat will kein Wasserkraftwerk an der Saalach in Schneizlreuth.
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Auch der Bad Reichenhaller Stadtrat fordert eine ablehnende Stellungnahme gegen das geplante Wasserkraftwerk Unken/Schneizlreuth.

Bad Reichenhall - Das geplante Wasserkraftwerk zwischen Unken und Schneizlreuth ist in aller Munde. Auch die Stadt Bad Reichenhall darf sich im Zuge des Genehmigungsverfahrens äußern. Mit der Diskussion in der Stadtratssitzung am Mittwochabend war so dennoch nicht zu rechnen.

Kurz und bündig stellte Stadtbauamtsleiter Thomas Knaus die geplante Stellungnahme der Stadt Bad Reichenhall zum geplanten Wasserkraftwerk Schneizlreuth vor. "Für die Stadt Bad Reichenhall ist kaum von auffälligen Auswirkungen des 6,2 km flussaufwärts vorgesehenen Projekts auszugehen", so das Fazit. Nur im Falle der Realisierung des Kraftwerks möchte die Stadt zur geplanten Stromleitungstrasse noch einmal gehört werden.


Die "letzte freie Stelle" an der Saalach muss aus Sicht der Bad Reichenhaller Stadträte erhalten bleiben.

Bei Grünen-Stadtrat Michael Nürbauer schrillten bereits vorab alle Alarmglocken und er kritisierte schriftlich: "Der Bau dieses Kraftwerkes ist ein brutaler Eingriff in ein wunderschönes, natürliches Fließgewässer in dem idyllischen Naherholungsgebiet zwischen Unken und Schneizlreuth. Für Touristen und uns Bürger, für Wanderer, Radfahrer, Fischer, Kanuten, Badende an den Kiesbänken ist diese Gebiet ein Kleinod, ein Aushängeschild der Alpenstadt Bad Reichenhall. Die Genehmigung wäre ein eindeutiger Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot, das in den europäischen Wasserrahmenrichtlinien klar definiert ist."

Austausch mit Schneizlreuth über geplantes Wasserkraftwerk?

In der Sitzung forderte Nürbauer als erster Redner den Beschlussvorschlag und vor allem die Stellungnahme zu ändern. Dem stimmte Wolf Guglhör von der SPD zu und forderte seinerseits als Mindestformulierung, dass "die Auswirkungen für die Stadt erheblich" seien. Fritz Grübl von der FWG hätte erwartet, dass sich die Stadt vorab mit der Gemeinde Schneizlreuth austausche, die das Wasserkraftwerk klar ablehnt. "Diese Stellungnahme ist nichtssagend!"


Dem stimmte Martin Schoberth von der CSU zu und ärgerte sich gleichzeitig darüber, dass der Stadtrat zwei Tage vor Abgabe der Stellungnahme erst darüber spreche. "Warum nimmt man sich die Chance, eine Sitzung Luft zu lassen, um diskutieren zu können?" Ohne einer Fristverlängerung könne er der Stellungnahme nicht zustimmen.

Oberbürgermeister Herbert Lackner zeigte sich über diese Ablehnung sehr überrascht. "Es ist ein bisschen verwunderlich, dass wir für das Wasserkraftwerk an der Nonner Rampe eine positive Stellungnahme verfasst haben und das Vorhaben in Schneizlreuth so deutlich ablehnen. Aber gegen eine Fristverlängerung sollte niemand etwas haben."

Letzte freie Stelle an der Saalach

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Dazu äußerte Manfred Hofmeister von der Bürgerliste ganz klar: "Jedes einzelne Wasserkraftwerk ist für sich zu beurteilen und muss gesondert betrachtet werden." Im Falle der Pläne für Unken und Schneizlreuth handle es sich um die letzte freie Stelle der Saalach. "Die sollte uns was wert sein", so seine Forderung. Lackner versprach, die Fristverlängerung zu beantragen und bat die Fraktionen darum, ihre Argumente dem Stadtbauamt schriftlich zukommen zu lassen, um eine entsprechende Stellungnahme erarbeiten zu können.

Die Wasserkraft Schneizlreuth GmbH & Co. KG plant zwischen Unken und Schneizlreuth ein so genanntes Ausleitungs-Wasserkraftwerk. In Unken soll an einer Wehranlage eine gewisse Menge Wasser aus der Saalach entnommen, über einen Triebwasserstollen tief in der Erde nach Schneizlreuth transportiert und im Kraftwerk zur Stromerzeugung genutzt werden, bevor es wieder in die Saalach eingeleitet wird.

Dieses Vorhaben lehnt sowohl die Gemeinde Schneizlreuth als auch der Bund Naturschutz ab. Entsprechende Einwendungen wurden beim Landratsamt Berchtesgadener Land, der zuständigen Genehmigungsbehörde eingereicht. Auch Privatpersonen haben noch bis 4. Dezember die Möglichkeit, ihre Bedenken schriftlich beim Landratsamt abzugeben. Über die Genehmigung wird nach einem offiziellen Anhörungstermin entschieden.

cz

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