Schwerer Schlag für Innenstadt-Geschäfte

Bad Reichenhall - Der Stadtrat bewilligte jetzt dem geplanten Einkaufszentrum ein umfangreiches Sortiment und schürt damit die Existenzangst der Einzelhändler.

Der Gewerbe- und Handelsverein hat eine Niederlage einstecken müssen: Mit dem Stadtratsbeschluss vom 6. November wurde dem geplanten Einkaufszentrum am ehemaligen Gaswerk ein umfangreiches, innenstadtrelevantes Sortiment bewilligt. Damit wird ein Frequenzverlust von bis zu 10 Prozent und ein dem entsprechender Kaufkraftabfluss aus der Innenstadt heraus zu erwarten sein, wie in dem Verträglichkeitsgutachten untersucht wurde.

Geschäftsaufgaben, weitere Leerstände und deutliche Auswirkung auf andere Branchen werden die Struktur des Stadtzentrums dauerhaft und nachhaltig verschlechtern. In wie weit das Gesamtangebot, das für eine Kleinstadt wie Bad Reichenhall noch relativ gut ist, tatsächlich zusammen schrumpfen wird, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Zentrale Forderung der Wirtschaftsvertretung war, dass kein innenstadt-relevantes Sortiment am ehemaligen Gaswerk angesiedelt wird.

Die Sicherung der Nahversorgung für die Obere Stadt, wie mit der Wiedereröffnung des dort vorhandenen Supermarktes, traf hingegen auf offene Ohren. Ebenso die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel, der das Gesamtangebot ergänzt und die Einkaufsstadt somit attraktiver macht. Vehement bekämpft hingegen wurden die Pläne der Stadt, dort auch Innenstadt-relevantes Sortiment anzubieten. Also ob es nicht genug Beispiele europaweit von Städten geben würde, die sich so Ihre eigenen Handelsstrukturen zerstört haben, wo als direkte Folge die Innenstädte verödeten.

Es gibt hier nämlich eine einfache Regel: Je mehr Angebot man auf einem Punkt zusammen führt, umso attraktiver wird dieser Wirtschaftsstandort. Sowohl für die Kunden, als auch für weitere Betriebe, die sich dann dort ansiedeln können. Verteilt man das Angebot aber auf verschiedene Standorte, führt das nur dazu, dass alle Standorte schwächer werden und das Gesamt-Sortiment zusammen schrumpft. Gerade überörtliche Handels-Ketten, wie sie die Bevölkerung zum gewissen Teil will und fordert, siedeln sich nur an Standorten mit sehr hoher Frequenz an. Für diese wird die Stadt noch unattraktiver werden.

Aber auch die Struktur mit einzigartigen, inhabergeführten Fachgeschäften wird vor enorme Probleme gestellt: Nicht nur die immer stärker werdende Konkurrenz aus Salzburg und das veränderte Einkaufsverhalten in Richtung Internet setzen den Betrieben zu. Auch ein durch den Stadtrat billigend in Kauf genommener Frequenzverlust von bis zu 10 Prozent wird massive Folgen für den Einzelhandel in der Innenstadt haben und das Stadtbild nachhaltig verändern.

Sobald die Stadtverwaltung dem Gewerbeverein Akteneinsicht gewährt, wird sich dieser mit dem Verträglichkeitsgutachten intensiv befassen und weitere Schritte prüfen lassen.

Pressemitteilung des Gewerbe- und Handelsvereins Bad Reichenhall und Umgebung e.V.

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser