Variante Kirchholztunnel überzeugt nicht alle

So hat der Bad Reichenhaller Stadtrat zur Ortsumfahrung entschieden

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Der Bad Reichenhaller Stadtrat beschloss mehrheitlich, das Staatliche Bauamt Traunstein zu bitten, die Planungen für den Kirchholztunnel wieder aufzunehmen.
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Bad Reichenhall - Vor genau zwei Wochen hat das Staatliche Bauamt Traunstein dem Bad Reichenhaller Stadtrat in einer öffentlichen Sondersitzung den Variantenvergleich für eine Ortsumfahrung vorgestellt. Am Dienstagabend, 9. April, haben die Stadträte über das weitere Vorgehen entschieden.

"Ich war nie ein tausendprozentiger Verfechter des Kirchholztunnels", eröffnete Oberbürgermeister Herbert Lackner die Stadtratssitzung. "Der Vortrag war aber sehr erhellend." Ihm habe es vor allem gefallen, dass der Leiter des Staatlichen Bauamtes, Christian Rehm, noch Möglichkeiten sehe, den Flächenverbrauch am Golling zu reduzieren. "Deshalb bitte ich um große Zustimmung."

Zustimmung dafür, dass die Stadt Bad Reichenhall das Staatliche Bauamt bitten wird, die Planungen für den Kirchholz- und Stadtbergtunnel wieder aufzunehmen. Diese Variante dränge sich aus Sicht der Behörde auf, resümierte Rehm nach seinem Vortrag. Sie sei die einzige, die Aussicht auf Erfolg und somit Umsetzung habe.

"Wir brauchen keinen Tunnel"

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Alle Stadträte sind davon noch nicht überzeugt. Ulrich Derwart von der SPD, Michael Nürbauer und André Schreiber von den Grünen gehen davon aus, dass sich die Mobilität in den nächsten 25 Jahren komplett verändern wird, sei es durch autonomes Fahren, dem Wegfall des Autos als Statussymbol oder den demografischen Wandel. "In 20 bis 30 Jahren werden weniger Autos auf der Straße sein als jetzt", ist sich Derwart sicher.

Schreiber führt als Beispiel den Kramer-Tunnel in Garmisch-Partenkirchen an, der derzeit gebaut wird. "Mit Planung und Umsetzung sprechen wir von 25 Jahren. Dann wird der Verkehr nicht mehr sein, wie er jetzt ist. Ich bin überzeugt, wir brauchen keinen Tunnel." Nürbauer geht sogar einen Schritt weiter: "Der Kirchholztunnel ist schon einmal wegen Unwirtschaftlichkeit aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden. Ich bin überzeugt, der Tunnel wird nie gebaut."

Anwohner brauchen jetzt Lärmschutz

Sebastian Renoth von der CSU und Fritz Grübl von der FWG gaben Schreiber und Nürbauer insofern recht, dass der Stadtrat das Thema seit Jahrzehnten diskutiere und "immer wieder gejammert und geprüft werde". "Entscheidend ist, dass wir jetzt anfangen müssen", forderte Renoth. "Wir müssen der Verkehrssituation in Bad Reichenhall schnellst möglich Herr werden", betonte Grübl.

Hier geht es zur Präsentation des Variantenvergleichs des Staatlichen Bauamtes Traunstein.

Damit spielte er den Gegnern in die Karten, die sofort Lärmschutz für die Anwohner an der B20/21 fordern. "Der Lärmschutz ist eine andere Baustelle", konterte der FWG-Stadtrat. "Darüber müssen wir gesondert abstimmen." Neben den hohen Kosten von 250 Millionen Euro bereitet vor allem der Flächenverbrauch den Gegnern des Kirchholztunnels Bauchschmerzen. Bei seinem Vortrag versprach der Leiter des Staatlichen Bauamtes Nachbesserungen am Golling, die weniger Fläche benötigen würden. "Wir wissen aber alle nicht, wie diese aussehen. Deshalb kann ich dem Beschluss so nicht zustimmen", erklärte Stefan Kantsperger von der CSU.

Werner Huber von der FWG bat darum, den Beschluss dahingehend zu ändern, das Staatliche Bauamt nicht zu bitten, sondern aufzufordern, "alle möglichen Optimierungsmaßnahmen, insbesondere hinsichtlich des Landschafts- und Naturverbrauches umsetzen zu müssen." Diesem Vorschlag konnten 16 von 25 Stadträten zustimmen. Somit kann das Staatliche Bauamt wieder in das Planfeststellungsverfahren für den Kirchholztunnel einsteigen.

cz

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