Rückblick Teil Eins: „Eine Stadt lernt Deutsch“

"Das ist ein echter Beitrag zur Integration"

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Gemeinschaftsprojekt "Eine Stadt lernt Deutsch"
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Bad Reichenhall - Vor rund einem Jahr, genauer gesagt im November 2016 startete in Bad Reichenhall das Gemeinschaftsprojekt der Max Aicher Stiftung und der Erzdiözese München und Freising/Caritas München: „Eine Stadt lernt Deutsch“. Ein Rückblick mit Hochs und Tiefs.

Gemeinschaftsprojekt "Eine Stadt lernt Deutsch"

Das Gemeinschaftsprojekt „Eine Stadt lernt Deutsch“ ist ein in Bayern einzigartiges Förderprogramm, dass die Asylbewerber in Bad Reichenhall dabei unterstützt, Deutsch zu lernen. Rund 85 Asylbewerber nutzten bisher das Angebot und lernten in sechs Kursgruppen Deutsch. Insgesamt nutzte dadurch jeder zweite Asylbewerber die Chance, seine Deutschkenntnisse zu verbessern.

„Bildung ist das höchste Gut unserer Gesellschaft“

Begonnen hat alles im Herbst 2015. Rund 1.200 wurden damals im Landkreis aufgenommen. Rasch stellte sich neben der Unterbringung und Finanzierung auch die Frage, welche Maßnahmen notwendig sind, die Asylbewerber so schnell wie möglich auch bei der sprachlichen Integration zu unterstützen.

Im September 2015 wurden in den Asyl-Unterkünften von Max Aicher die ersten Deutschkurse angeboten. Unter dem Motto: „Deutsch vom ersten Tag an“ sollte für alle Asylbewerber, unabhängig von Status und Herkunftsland, auch das Lernen der deutschen Sprache ermöglicht werden. 

Die Max Aicher Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Bildung in der Region und über Grenzen hinaus zu fördern, richtete ihren Fokus dabei nicht nur auf die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, sondern auch auf Bildungsmaßnahmen für Menschen, die auf zusätzliche Unterstützung angewiesen sind.“

Ein einheitliches Lernkonzept

„Im Winter 2016 sahen dann der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising und die Max Aicher Stiftung die immer stärker werdende Notwendigkeit, in einem Modellprojekt professionellen Sprachunterricht für alle Asylbewerber in Bad Reichenhall anzubieten. Viele Asylbewerber haben und hatten aufgrund von Status oder Nation nicht die Möglichkeit, einen Deutschkurs zu besuchen“, so Gabriele Bauer-Stadler von der Max Aicher Stiftung gegenüber BGLand24.de. Und ergänzt: „Viele der zu staatlichen Kursen zugelassenen Flüchtlinge sahen sich monatelangen Wartezeiten auf freie Plätze gegenüber. Obwohl eine steigende Anzahl vor allem ehrenamtliche Helfer an den Hilfsprojekten mitwirkten, wurde immer deutlicher sichtbar, dass langsam aber sicher die Grenzen des ehrenamtlichen Engagements in punkto Zeiteinsatz, Intensität, etc. erreicht waren."

Basierend auf der Devise: „Bildung ist das höchste Gut unserer Gesellschaft“, wurde ein einheitliches Lernkonzept entwickelt, das als Gemeinschaftsprojekt von der Max Aicher Stiftung und der Caritas auch die bessere Integration der Flüchtlinge im Landkreis unterstützen sollte.

Ein Gemeinschaftswerk

Die ersten Kurse im Projekt starteten in der Max Aicher Asylunterkunft im Werkmeisterweg, in den Räumlichkeiten der Caritas und des Pfarrzentrums. Männer wie Frauen aus mehr als zehn Nationen paukten gemeinsam Deutsch. Unter der operativen Leitung und Koordination der Max Aicher Stiftung sahen die Stundenpläne pro Teilnehmer mindestens 16 Unterrichtseinheiten pro Woche vor. Pädagogischer Partner im Projekt war von Anfang an die Lernhilfe Oberndorf. Die regelmäßige Anwesenheit, Hausaufgaben und fixe monatliche Tests sorgen für die nötige Qualitätsprüfung und -entwicklung sowie die laufende Optimierung des Unterrichts.

In enger Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Institutionen und Partnern, von Behörden bis zu ehrenamtlich engagierten Sprachhelfern, lernen die Sprachschüler seitdem jeweils an vier Tagen pro Woche Deutsch. Seit Projektbeginn wurden rund 520 Unterrichtseinheiten angeboten: durchschnittlich konsumierte jeder Asylbewerber etwa 520 Unterrichtseinheiten".

Praxisnah

Das Max Aicher Lernkonzept basiert auf mehreren Säulen. Eine sieht auch Alltagsthemen und soziales Leben in Deutschland ebenso vor, wie intensivierenden Unterricht und Praxisstunden. „Den Neubürgern unser Leben hautnah zu vermitteln, das verbinden wir neben dem theoretischen Deutschlernen mit unserem Lehrauftrag.

Lernen in der Praxis, weg vom Schulalltag, hin zum Begreifen des Lebens, um die neue Heimat hautnah zu spüren - das ist ein echter Beitrag zur Integration“, so Bauer-Stadler.

Und ergänzt: „Vorträge über Gewässer und Schwimmen, oder „wie fahre ich richtig Bus mit der RVO“ gehören genauso dazu wie der Besuch von heimischen Betrieben. So bekamen die Asylbewerber auf dem Bauernhof der Familie Huber in Saaldorf-Surheim einen Einblick in das Leben als Landwirt und im Stahlwerk Annahütte in Hammerau lernten die Asylbewerber das Thema Stahl, seine Verarbeitung und seine Bedeutung sowie den Arbeitsalltag dort kennen“.

Positives Feedback

Der Kreisgeschäftsführer der Caritas BGL, Rainer Hoffmann ist sich sicher: „Nicht zuletzt wird mit einer gesicherten Basisfinanzierung und professionellen Organisation der Sprachausbildung auch das ehrenamtliche Engagement dauerhaft abgesichert. Ehrenamtliches Engagement kann dann die Stärke besonders zeigen, wenn es um individuelle Begleitung, Lernhilfe und Nachhilfe geht und ganz besonders um die Hinführung zu unserer Lebensweise und Kultur.“

Lesen Sie morgen auf BGLand24.de wie viele Asylbewerber ihre Chance auf den neuen Spracherwerb genutzt haben.

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