"Round Table" zur Sanierung der Kehlsteinwege

Giftiges Erbe aus der Nazi-Zeit: So geht es weiter

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Pressegespräch Sanierung Kehlsteinwege
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Bad Reichenhall - Zum Thema 'Sanierung der Kehlsteinwege' hat nun ein vierter runder Tisch im Landratsamt stattgefunden. Das Ziel war die Erarbeitung eines Sanierungsplanes der allen Parteien gerecht wird:

Die Kehlsteinwege sollen saniert werden. Der Grund: Krebserregende Giftstoffe die bei Regen durch den aufgebrochenen Teer an die Oberfläche gelangen können. Die Folge wäre eine Versickerung in den Straßenunterbau und letztendlich auch in das Grund- und Oberflächenwasser. Experten sprechen von sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Diese gelten als krebserregend, reproduktionsschädlich sowie boden- und wasserschädlich. Der verbaute Teer soll bis zu 10.000 Milligramm PAK enthalten.

Bei der Diskussion um die Sanierungsvarianten wurden bereits drei runde Tische abgehalten, es gab Bürgerdemos und viele Gespräche. Bei dem letzten runden Tisch wurde ein Gutachten mit Sanierungsvorschlägen erarbeitet. Aufgrund massiver inhaltlicher Kritik wurde ein zweites Gutachten beauftragt. Dessen Ergebnis war Thema der letzten Sitzung.

"Wir sind auf einem guten Weg"

"Wir haben 2014 einen Beschluss verfasst zur Sanierung der Kehlsteinwege. Es gab eine kontroverse Diskussion die in einer Bürgerinitiative mündete. Da an dem in Auftrag gestellten Gutachten, Zweifel aufkamen, habe ich ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben um herauszufinden, ob die getroffenen Annahmen richtig sind oder es Alternativen gibt", so leitete Landrat Grabner das Pressegepräch über die Sanierung der Kehlsteinwege ein. Und fuhr fort: "Der Bayerische Forstmininster hat einem weiteren Gutachten zugestimmt und Herr Bücherl wurde als Sachverständiger beauftragt, dass nun vorliegende Gutachten zu erstellen". 

Im weiteren Verlauf betont Landrat Grabner, dass es für das "Landratsamt in erster Linie um die Abwendung von Gefahren an sich geht, nicht um die Art und Weise wie das geschieht". Und ergänzt: Wir sind heute zu einem Zwischenergebnis gekommen, d.h. wir können derzeit noch nicht detailliert sagen, was jetzt geschieht. Wir haben beschlossen, dass die Bayrischen Staatsforsten eine Ausführungsplanung in Auftrag geben und einen Planungsvorschlag bekommen. Wenn dieser vorliegt, dann treffen wir uns zu einem fünften runden Tisch und hoffen, dass wir dann zu einem  Kompromiss finden. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass Kompromiss bedeutet, dass eine Entscheidung getroffen wird, die jeder tragen kann.Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir auf einem guten Weg sind".

Das sagt der Sachverständige

"Ich bin zu dem Schluss gekommen", so der Sachverständige Klaus Bücherl der sich als nächstes zu Wort meldete, "a us wasserwirtschaftlicher Sicht ist es notwendig zu handeln und dauerhaft zu verhindern, dass Schadstoffe ausgewaschen werden. Und zwar überall dort, wo Teer vorhanden ist". Und ergänzt: "Bei langfristiger Betrachtung, also einem Zeitraum von um die 100 Jahre, ist es günstiger jetzt die Schadstoffquelle zu beseitigen, statt sie dort zu belassen

Wir haben uns auch sehr intensiv mit der Aufgabe beschäftigt, die Ingenieursbauwerke im Bereich der Straße zu erhalten. Hier geht es um die Strasse zur Scharitzkehlalm, wo die Strasse sehr  schmal ist. Da ist unser Vorschlag erneut zu asphaltieren, um die Stützmaßnahmen zu erhalten".

Die Frage, ob bereits eine Gesundsheitsgefährdung für Wanderer oder spielende Kinder vorliegt, verneint der Gutachter. "Bei den Wasserwerten finden sich bisher gerade einmal zwei Werte, die aber im unbedenklichen Rahmen sind. Und auch bei den Bodenwerten besteht derzeit für Wanderer oder herumtobende Kinder kein akutes gesundheitliches Risiko".

Die nächsten Schritte

Als nächstes meldete sich Martin Neumeyer von den Bayerischen Staatsforsten zu Wort. "Wir haben jetzt vier gemeinsame Runden hinter uns und bereits gute, sachgerechte Ergebnisse erarbeitet. Schon bei der letzten Runde haben wir gute Zwischenergebnisse erarbeitet und auch das geforderte Zweitgutachten liegt jetzt vor uns. Als nächstes werden wir einen Detailplan für die Sanierung in Auftrag geben und in der nächsten Sitzung vorlegen. Alle beteiligten Ämter, wie Wasserwirtschaftsamt, Gesundheitsamt, etc. raten dazu, den gesundheitsbelastenden Teer als Vorsorgemaßnahmen für die Bevölkerung auszutauschen. Soweit das technisch und wirtschaftlich vertretbar ist, wollen wir die Ingenieursbauwerke erhalten. Ob und wie das geht, muss in einem neuen Gutachten geklärt werden". 

Und ergänzt: "Bezüglich der Sanierung werden wir vorschlagen, dass ein wassergebundener Kiesweg erstellt wird, was wir immer aus ökologischen Gründen machen. Der Gutachter schlägt vor, den Streckenabschnitt Scharitzkehlalm zu asphaltieren. Diesem Vorschlag schließen wir uns an". Und ergänzt: "Ich möchte darauf hinweisen, dass der heutige runde Tisch nicht nur das Verständnis gebracht hat die Ingenieursbauwerke zu erhalten, sondern auch welche Abschnitte nötig sind herzurichten

Von insgesamt 13km Strecke, müssen 5km ausgebaut werden. Und zwar auf eine Breite von 3 Metern, zuzüglich der Spitzkehre. Die restlichen 8km bedürfen keiner Veränderung. Im Gegenteil hier kann sogar in Betracht gezogen werden zurückzubauen, um nur noch einen Wander- bzw. Fahrradweg zu haben".

"Ich glaube, wir haben einen vernünftigen Kompromiss gefunden"

Als letztes meldete sich der Sprecher der Bürgerinitiative Dr. Bartl Wimmer zu Wort. "Es ist tatsächlich nicht selbstverständlich, dass für so eine Entscheidung fünf runde Tische abgehalten werden". "Aber", fährt Wimmer fort, "bei dem ersten Gutachten wurde zum Beispiel eine Versiegelung nicht berücksichtigt. Ich glaube, dass wir jetzt einen vernünftigen Kompromiss gefunden haben. Auch denke ich, ist es ein guter Entschluss und ein Fortschritt, dass die Stützbauwerke erhalten werden. Mit dieser Aussage können wir leben und finden es sehr begrüßenswert dass nun eine Detailplanung erstellt wird. Für uns ist die Erhaltung dieser Bauwerke sehr wichtig. Und zwar wegen der geschichtlichen Bedeutung. Im Rahmen der Detailplanung geht es nun darum dieses alles zu diskutieren. Ob es dann ein gemeinsames Ergebnis geben wird, stellen wir dann fest und ich hoffe, wir kommen in der nächsten Runde auf ein gemeinsames Ergebnis.

Abschließend möchte ich noch erläutern, warum uns die Bauwerke so wichtig und wertvoll erscheinen. Wenn man sich anschaut, wie diese errichtet wurden, dann erschließt sich das eigentlich schon von selbst. Das wurde alles händisch errichtet. Diese Bauwerke sind einmalige Bauwerke die unter schwierigsten Umständen errichtet wurden.  Die sollte man nicht einfach so opfern, sondern auch nachfolgenden Generationen ermöglichen zu sehen, was da oben passiert ist. Außerdem geht es hier um die Stabilität und die Wasserabführung. Ich möchte übrigens betonen, dass wir hier keine falsch verstandene Nazinostalgie propagieren wollen, sondern es um das Geschichtsbewusstsein geht

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