Park-Kino Bad Reichenhall zeigt Preview: "Auf der Jagd" zum 100. Geburtstag

Wem gehört die Natur? - "Die Jäger stehen unter einem erheblichen Druck“

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Preview im Park-Kino Bad Reichenhall zu "Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?"
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Bad Reichenhall – Der Dokumentarfilm „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?“ ist seit rund einer Woche bundesweit in unzähligen Kinos angelaufen. Auch im Parkkino in Bad Reichenhall war eine der Protagonistinnen zum Filmstart persönlich vor Ort.

In dem neuen Kinofilm von Alice Agneskirchner „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?“ kommen die unterschiedlichsten Interessensgruppen zusammen um alle die gleiche Frage zu klären. Jäger, Förster, Waldbesitzer, Wildbiologen, Tierschützer, Bauern und Forstbeamte – und obwohl es bei allen eigentlich um unser aller Natur und die darin lebenden Wildtiere geht, kommen sie doch zu ganz unterschiedlichen Ansichten.

Die Jäger stehen unter einem erheblichen Druck“, so Regisseurin Alice Agneskircher. „Sie müssen die Abschussquoten und Drei-Jahres-Pläne einhalten, genau regulieren, wie viel männliches und weibliches Wild, wie viel altes und junges es gibt.“ Viele Jäger klagen denn auch, so Agneskircher, „dass diese Quote irrsinnig hoch ist“. Deutschland sei ungeheuer reich an Rot- und Damwild, Füchsen und Vögeln, führt die Filmemacherin aus. 

„Wenn es die Jäger nicht gäbe, die diesen Bestand im Zaum halten, dann würde der vorhandene Artenreichtum rapide sinken.“ Rund um die zahlreichen Previews waren neben der Regisseurin Alice Agneskirchner und Maria Furtwängler auch zahlreiche Protagonisten in den zahlreichen Kinos vor Ort.

Preview im Park-Kino in Bad Reichenhall

Auch das Park-Kino Bad Reichenhall beteiligte sich an den Previews. Josef Loibl begrüßte die Anwesenden persönlich und wies in einer kleinen Einführung auch noch auf den außergewöhnlichen 100. Geburtstag des Kinos hin. Trotz Muttertag und sonnigem stießen der Event und der Film auf ein breites und vor allem begeistertes Publikum. 

Begeistertes Feedback vom Publikum

"Der Film zeigt, wie sich in unserer Landschaft, die ja zum überwiegenden Teil vom Menschen geformt ist, frei lebende Tiere immer schwerer tun, Lebensraum und auch Akzeptanz zu erhalten. Wo es früher selbstverständlich war, dass Gamswild seine Fährte zog, ist es heute, nachdem wir Menschen Straßen und Gebäude in lawinengefährdete Bereiche gebaut haben nicht mehr so, wir sehen dies nun als „Schutzwald“. 

Riesige „Lawinenverbauungen“ ziehen sich durch steile Berghänge. Wir haben uns den Bergwald zum Untertan gemacht. Reh, Hirsch und Gams und auch Schneehase und Beutegreifer bleiben auf der Strecke. Der Film zeigt spektakuläre Aufnahmen vom Verhalten der Wölfe und auch, dass die von vielen gewollten Beutegreifer neben Lebensraum auch Nahrung brauchen. Hier liegt vielfach die Diskrepanz. Es fehlt vielfach das Wild. Die Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Fischotter werden auf unsere „Nutztiere“ ausweichen müssen! 

Ein faszinierender Film den Jeder, besonders Nutzer der Natur, und das sind wir doch eigentlich alle, gesehen haben sollen. Der Film will Wege zeigen, um ein künftiges Miteinander von Mensch und Tierwelt zu erreichen. Bin begeistert!", so ein heimischer Jäger.

Und eine Besucherin ergänzt: "Nichts für Action-Fans! Gleich vorausgeschickt: Ich bin keine Jägerin. Ich habe allerdings großes Interesse an meiner Umwelt und so auch an den Tieren und Pflanzen abseits der Siedlungen. ich bin der Meinung, dass dieser Film jeden von uns angeht – egal, wie man zur Jägerei steht. Es ist ein nachdenkliches Werk mit wunderschönen Aufnahmen und leisen Tönen. Am Ende kann sich jeder selbst eine Meinung bilden, da in dieser Dokumentation mehrere Blickwinkel und Interessenkonflikte beleuchtet werden. Der Zuschauer erfährt einiges über Abschusslisten und Praxis, aber auch Meinungen verschiedener Beteiligter. Absolut sehenswert!"

Und ein Jägerin ergänzt: "Ich wäre froh, wenn die Gastronomen bei uns auch heimisches Wild verwenden und anbieten würden".

Interview mit Frau Dr. Miller 

BGLand24.de hat die Wildtierbiologin Dr. Christine Miller bei der Preview im Parkkino in Bad Reichenhall getroffen. Frau Dr. Miller ist die 1. Vorsitzende des Vereins Wildes Bayern e.V., der als „Anwalt der Wildtiere“ über ihre Situation und den Umgang der Menschen mit der Natur und den Tieren berichtet und die Öffentlichkeit über die Lebensumstände in Zusammenarbeit mit Behörden und Verbänden informiert.

Frau Dr. Miller, was macht der Verein Wildes Bayern e.V.? 

Wir versuchen das Wissen und das Bewusstsein über Wildtiere in Bayern fördern. Dazu engagieren wir uns zum Beispiel in unabhängiger Forschung, indem wir Masterarbeiten finanzieren und mit-betreuen. Zur Zeit unterstützen wir:

  • zwei Arbeiten über Gamswild (GIS -Lebensraummodellierung und Monitoring-Methoden)
  • eine über Murmeltiere in Bayern (von denen gibt es keine Verbreitungskarte, obwohl sie wichtige Schlüsselarten im alpinen Ökosystem sind) 
  • eine Arbeit über Steinadler (wie hängen Gamswildvorkommen und Bruterfolg zusammen).

Außerdem arbeiten wir als "Watchdog“ für Wildtiere: Wir sind – ganz automatisch – Anlaufstelle für Leute geworden, die sich über akute Vorfälle im Umgang mit Wildtieren sorgen. In der Folge stellen wir dann nach entsprechender Recherche Anzeigen wegen Tierschutzvergehen (wenn Muttertiere von ihren abhängigen Jungtieren weggeschossen werden, oder wenn bei Jagden Hunde Wildtiere hetzen und zerfleischen „dürfen, was tatsächlich bereits im Münchner Kommunaltforst geschehen ist)), bringen Naturschutzvergehen ans Licht und in die Presse (wenn im Brutgebiet von Auerhühner Holz geschlagen wird, während die Hennen auf den Eiern sitzen) und vieles mehr.

Wie erreichen Sie die Öffentlichkeit? 

Wir versuchen vor allem mit klassischer Bildungsarbeit zu punkten. So stellen wir vermehrt Vorträge auf Youtube ins Netz und mit unserem Newsletter möchten wir auch Nicht-Mitglieder erreichen. Aktuell arbeiten wir an einen Projekt: „Wild ohne Grenzen“, bei dem wir neben einer klassischen Broschüre auch eine App entwickeln wollen und ein online Spiel, in denen über die Barrieren, auf die Wildtiere in unserer Landschaft immer wieder stoßen, aufmerksam gemacht wird . Im Sommer veranstalten wir zusammen mit „Frl. Brehm“, Deutschlands erstes Naturtheater von Barbara Geiger, ein „Fräulein-Festival“ im Chiemgau. Dabei gibt es neben drei Kurzprogrammen über Biene, Regenwurm und Kuh auch Inputs von uns und Aktivitäten mit örtlichen Akteuren von Almbäuerinnen bis Imkern.

Sind Ihre Partner dann eher die Tierschutzvereine oder die Naturschutzverbände? 

Wir sind natürlich Partner von Tierschutzvereinen, mit denen wir auch bereits recht konstruktiv zusammenarbeiten. Die großen Naturschutzverbände dagegen haben noch ein recht ambivalentes Verhältnis zu uns. Wir gelten als 'jagdlastig' und 'forstkritisch'. Selbst, wenn wir in internen fachlichen Gesprächen auf gelegentliche Zustimmung stoßen, werden wir öffentlich gemieden. 

So hat ein großer Naturschutzverband die Zusammenarbeit in einem Projekt das wir entworfen haben, einfach kurzfristig abgesagt und unser Projekt ohne uns durchgeführt. Die Begründung war, dass die Bayerischen Staatsforste und der Bayerische Jagdverband nicht mit uns kooperieren wollten.

Was versprechen Sie sich von dem Film „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?“

Ich bin so dankbar, dass durch den Film das Dilemma „Wild ohne Lebensraum" verständlich gezeigt wird. Und ich glaube, jedem wird deutlich, dass bei denen, die zur Zeit unsere Wald- und Bergflächen verwalten dürfen, Wild und Natur überhaupt keine Rolle spielen. Das muss sich ändern! Und unsere Politiker müssen wissen, dass das Bürgerwille ist!

Was sind Ihre nächsten Aktionen?

Im Sommer werden wir die Wochen der „offenen Reviere“ ausrufen und gezielt in den Staatsforstrevieren Zählaktionen organisieren. Vielleicht entdecken wir so ja mit dieser „Guerilla-Forschung“ die Massen an Gams, von denen uns die Förster immer erzählen.

Weitere Vorführungen im Park-Kino Bad Reichenhall

Der Film ist im Park-Kino Bad Reichenhall nochmals an folgenden Tagen zu sehen: 

  • Mittwoch, 16.5. um 20 Uhr
  • Mittwoch, 23.5. um 17.15 Uhr und 20 Uhr

Auch im Kino Berchtesgaden wird der Film gezeigt:

  • Donnerstag, 17.05. um 18:15 Uhr
  • Freitag 18.05. um 20:30 Uhr
  • Samstag 19.05. um 18:15 Uhr
  • Sonntag 20.05. um 20:30 Uhr

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