23. Juni - Philharmonisches Konzert in Bad Reichenhall

Sprache der Bäume in Musik gesetzt

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David Panzl (links) und Enjott Schneider studieren die Partitur mit bei der philharmonischen Probe.

Bad Reichenhall - Beim vierten philharmonischen Konzert am 23. Juni im Theater Bad Reichenhall steht die Uraufführung von Enjott Schneiders Konzert für Percussion und Orchester „Das Geheimnis der Bäume“ im Zentrum.

Viermal hat Schneider bereits für Reichenhall geschrieben, darunter „Augen der Erde“ und „Dunkelwelt Untersberg“. Diesmal war der Ausgangspunkt für das Konzertprogramm das Schlagzeugkonzert über Bäume.

Für den Konzerttitel „Natur“ wurde dazu die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ und Ludwig van Beethovens „Pastorale“ als passend empfunden, weil in diesen Stücken die Natur zu Klang wird.

Was hat Enjott Schneider bewogen, dem Geheimnis der Bäume nachzuspüren? „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben, Spiegel-Bestseller seit zwei Jahren, sei ein faszinierendes Buch, sagt er.

„Wir wissen so wenig über die Bäume. Welche Sprache sie haben, wie sie mit ihren Wurzeln verbunden sind, was in der Krone passiert“, ist für Schneider von großem Interesse und diese ganzen Geheimnisse möchte er mit Holzklang aufzeigen.

Deshalb haben zum Beispiel die Bläser ihre Instrumente mit chinesischen Essstäbchen vertauscht, erklärt er und bekräftigt, dass es ihm ein Anliegen sei, die Magie der Bäume als Lebewesen in Musik umzusetzen: die ganzen Geräusche im Wald, die man hört, wenn man nachts da mal hineingeht und lauscht.

Der Wald ist voller Geheimnisse, auch mit den Tieren, und wie sie untereinander kommunizieren, das sind keine toten Dinge, sondern Organismen. Da ist viel los“, gibt Schneider zu verstehen und führt weiter aus: Man müsse erst mal wissen, dass es die Sprache der Pflanzen gibt und dass eine Pflanze, die verdurstet, Schreie ausstoße im hochfrequenten Bereich, den wir mit unseren Ohren nicht wahrzunehmen vermögen.

Unsere Kultur und Zivilisation wird zunehmend von Maschinen, Computern und toten Dingen beherrscht. Das Einzige, was dem Menschen noch helfen kann, ist die Rückbindung an die Natur. Das ist das Wichtigste und insofern ist mein „Geheimnis der Bäume“ eine Baustein dazu“, ist Schneiders Plädoyer für die Natur und ihre Umsetzung in Töne.

Der Komponist ist die ganze Woche bei den Proben anwesend und erarbeitet zusammen mit dem Dirigenten Wolfgang Lischke und dem Solisten David Panzl sein Schlagzeug-Opus über das Lauschen auf die Bäume.

Enjott Schneider (links) und Wolfgang Lischke bei der Probe zum „Geheimnis der Bäume“

Wegen einer Verletzung kann er nicht selbst dirigieren. Die engere Verbindung mit Lischke entstand bei einer gemeinsamen CD-Aufnahme seiner Werke zusammen mit dem Geiger Ingolf Turban, dem Cellisten Jens Peter Maintz und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin.

Lischke erinnert sich gerne an die zahlreichen Kurkonzerte, die er hier vor 20 Jahren als junger Student der Münchner Musikhochschule dirigiert hat, damals stets ohne Probe, wie er schmunzelnd sagt.

Diesmal aber gibt es sogar mehr Proben als üblich, weil schließlich Leseproben für Uraufführungen wichtig seien, weil es keine Vergleichsmuster gebe und das Klangpotenzial erst herausgeschält werden müsse.

Lischke erwähnte, dass er sich aktiv für neue Musik einsetze und bereits viele Uraufführungen dirigiert habe, so zum Beispiel mit den Orchestern des SWR und des WDR, außerdem habe er in seiner Kapellmeisterzeit in Bonn die neue Musikreihe betreut. Es sei immer wieder aufregend und interessant, wie das, was man liest, dann letzlich klingt.

Das Konzert der Uraufführung wird Schneider später auch auf CD mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin einspielen. Da Panzl in der ganzen Welt reist, auch oft nach Japan kommt, werde er sich gewiss auch anderswo für das ihm gewidmete Konzert einsetzen, ist Schneider überzeugt.

Pressemitteilung Bad Reichenhaller Philharmonie e.V.

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