In Bad Reichenhall

Park-Kino benötigt die Förderung des Staates: „Wir müssen immer nachziehen“

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Josef Loibl vor dem Eingang des Park-Kinos.

Bad Reichenhall - Im Gespräch mit bgland24.de erzählte Park-Kino-Betreiber Josef Loibl über das Soforthilfeprogramm für Kinos im ländlichen Raum. Zudem erklärt er auch, ob diese Förderung dem Kino nützt:

„Ohne entsprechende Förderungen wäre Kino in Bayern heutzutage kaum noch möglich“, sagt Park-Kino-Betreiber Josef Loibl. Ihn machen gewisse Anmerkungen wie „jetzt habt‘s ja scho wieda an Hauf‘n Geld ab‘gstaubt“ traurig. Denn auch wenn es natürlich stimmt, dass immer mal wieder ein paar tausend Euro an Unterstützung reinkommen, so „machen diese doch immer nur einen sehr geringen Anteil dessen aus, was wir hier in unser Haus investieren“. 

Erst 2012 wurde das Reichenhaller Lichtspielhaus umfangreich umgebaut, saniert, digitalisiert und der Brandschutz auf Vordermann gebracht. Nur acht Jahre später, im Frühsommer 2020, stehen bereits die nächsten intensiven Maßnahmen auf dem Programm. „Die Planungen und Vorbereitungen laufen bereits“, verrät Loibl, der das Park- Kino seit 1998 zusammen mit Max Berger betreibt. 

Nun steht den beiden Herzblut-Cineasten wie berichtet ein projektbezogenes Soforthilfe- Programm ins Haus. Insgesamt stehen für alle Filmtheater im ländlichen Raum – in Städten und Gemeinden bis zu 25.000 Einwohner – fünf Millionen Euro zur Ausschüttung bereit. „Es wird sich in unserem Fall vielleicht um 25.000 Euro handeln“, so Loibl. „20 Prozent davon müssen wir als Eigenanteil aufbringen“. Der komplette Umbau 2020 wird jedoch ein Vielfaches verschlingen, darüber machen sich all jene, die uns um jeden Förder-Euro neidisch sind, gar keinen Begriff. „Über die Tatsache, dass bei diesem Traumwetter in den Pfingstferien kaum jemand ins Kino geht, wir aber dennoch immer da sind und bereitstehen, macht sich auf der anderen Seite kaum jemand Gedanken“.

Netflix für Kinos nicht förderlich

Mit der einmaligen Förderung der Bundesregierung, so die heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler, sollen Maßnahmen wie Modernisierungsarbeiten, Investitionen oder Programmbegleitung durchgeführt werden können – gerade in strukturell benachteiligten Standorten. Das Kino-Geschäft wird nicht leichter, sagt Loibl. Er spricht vor allem die Streaming-Dienste und Mediathek-Angebote der TV-Sender an, die mittlerweile wie Pilze aus dem Boden schießen. 

„Amazon und Netflix sind momentan führend, künftig werden hier sogar die großen Film-Studios selbst mit einsteigen. Das wird einen erbitterten Preiskampf nach sich ziehen – für uns Kino-Betreiber ist das alles nicht gerade förderlich.“ Mittlerweile würden sich viele Kino-Besucher früherer Tage eine hochmoderne Entertainment-Anlage ins Wohnzimmer stellen – „darunter leiden dann sämtliche Sozialisierungsangebote“, so Loibl. Das eigene Zuhause könne aber vieles wie die Stimmung, den Geruch eines Theaters, die Begeisterung und den Applaus und vieles mehr freilich nicht bieten.

Bilder aus dem Park-Kino in Bad Reichenhall

Josef Loibl möchte nicht nur reden, er handelt. „Wir müssen und wollen den Wohlfühl-Charakter unseres Hauses immer wieder ein Stückweit verbessern." Künftig wird die erste Reihe mit Liegestühlen ausgestattet, um auch jenen, die ganz vorn sitzen, ein angenehmes Seherlebnis zu ermöglichen – also ohne steifen Hals nach der Vorführung. „Diese Liegen können individuell für den besten Blick zur Leinwand eingestellt werden“, so Loibls Komfortgedanken. Dazu kommt in den beiden großen Sälen grundsätzlich jeweils eine neue Bestuhlung, Tonanlage und Akustikdämmung – so wie es im kleinen „Studio Maaz“ bereits mit sehr guten Erfahrungswerten umgesetzt wurde. „Wir müssen in diesen Punkten immer wieder nachziehen, das erwartet das Publikum heutzutage“. 

Die Betreiber wollen die Besucher wieder für den sozialen Treffpunkt „Kino“ sensibilisieren: „Wir haben jetzt 120 Jahre Kino-Geschichte. Die Filme wurden lange Zeit nur für das Format Kino gemacht – das sollte die Gesellschaft wieder mehr anerkennen“, wünscht sich Loibl.

1920er-Jahre-Flair schätzen die Gäste

Gleichwohl möchten Loibl und Berger das 1920er-Jahre-Flair des Hauses mit den geschichtsträchtigen Kolonnaden davor auf gar keinen Fall aufgeben. „Das ist doch genau das, was unseren Gästen so gefällt und warum sie zu uns kommen“. Ohne treues Stammpublikum hätte das Park-Kino längst schließen müssen – das Alter des Hauses sorgt immer wieder auch für neue Probleme.

Das „Grüne Kino“ ist für die heimischen Lichtspiel-Betreiber ebenfalls ein Thema, gerade im ewigen Konkurrenzkampf mit den großen Cineplex-Palästen und deren „Wegwerf-Strategie“. Im Reichenhaller Park-Kino gab es in der Loibl/Berger-Zeit noch nie Plastikbecher, Getränke werden in Flaschen ausgegeben, Sekt und Wein in Gläsern. Plastik-Strohhalme kaufen die beiden künftig im Zuge der neuen EU-Verordnung (Verbot ab 2021) ebenfalls nicht mehr.

bit

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