Die Entscheidung ist gefallen

Marzoller Kuhglockenstreit beigelegt: "Der Gescheitere gibt nach"

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Kuhglockenstreit in Marzoll
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Bad Reichenhall - Über sieben Jahre schon schwelt der Streit um die Kuhglocken von Marzoll. Ein Ortstermin, bei dem unter anderem eine Lärmmessung vorgenommen wurde, sollte endlich Klarheit bringen. Und richtig, der Streit ist endlich beigelegt:

Kuhglockenstreit in Marzoll

Rita ist eine Kuh. Eine Kuh aus Marzoll, einem Ortsteil von Bad Reichenhall. Rita trägt wie viele Kühe eine Kuhglocke. Der Grund: Kommt sie dem Bauern aus, dann findet man sie durch das Läuten einfacher wieder. Vor allem in der Nacht. Neben dem Sicherheitsaspekt für den Bauern, denn so eine Kuh kostet ja schließlich auch Geld, bzw. sie könnte vor ein Auto laufen, gehören die Kuhglocken und das Geläute aber auch zur Tradition. Eine Tradition, die viele Touristen schätzen und weshalb sie gerne nach Bayern kommen zum Urlaub machen.

"Ich ertrage das Ganze nicht mehr"

Aber immer wieder kommt es wegen genau dieser Kuhglocken zum Streit zwischen Einheimischen und Zugezogenen, denn nicht alle Bewohner einer Stadt oder eines Dorfes finden Gefallen an dem Glockengeläut, vor allem wenn es nicht nur im Urlaub auftritt, sondern tagtäglich. "Meine Schmerzgrenze ist erreicht, ich ertrage das einfach nicht mehr", so eine der Klägerinnen während der Gerichtsverhandlung um die Marzoller Kuhglocken. Und ergänzt: "Ich habe hier genaue Aufzeichnungen, vor allem vom nächtlichem Geläute, das ist nicht zum Aushalten."

Der Ortstermin fand im beschaulichen Marzoll vor den Toren Bad Reichenhalls statt. Anwesend waren die beiden Klägerinnen, die sich von dem Geläute gestört fühlten und ihr Anwalt. Sowie die Bauern, deren Kuh die Glocke trug, samt Anwalt und ein weiterer Bauer.

Die Verhandlung begann mit einer kurzen Zusammenfassung über das bisherige Verfahren und das Güteangebot vor ein paar Monaten. In diesem wurde sich darauf geeinigt, dass sich die Kuh samt Glocke auf einem Weidestück rund 60m weiter entfernt aufhalten solle, um abzuklären ob diese Entfernung die Lärmbelästigung schon ausreichend vermindere. Und dann durfte endlich geläutet werden.

"Von Kuhglocken hört man jetzt nicht gerade viel"

Kuhglockenstreit in Marzoll

"Dann hängen wir der Kuh jetzt doch mal die Glocke um und hören uns das Geläute an", so der der zuständige Richter. Gesagt getan, die Kuh bekam ihre Kuhglocke umgehängt und alle spitzten gespannt die Ohren. "Von Kuhglocken hört man jetzt nicht grade viel", so der Richter nach wenigen Minuten. "Das entspricht jetzt ja auch nicht der Wirklichkeit", so eine der Klägerinnen. Und ergänzt: "Die Kühe stehen hinter einer Buchenhecke und bewegen sich nicht. Normalerweise laufen die über die Wiese." Und der Anwalt der Klägerinnen wirft kopfschüttelnd ein: "Was ist denn das jetzt, haben die da Papier hereingestopft? Man hört ja gar nichts, deswegen brauchen wir nicht klagen."

Ein Blick auf die Messgeräte zeigt Werte an, die deutlich unter 60 Dezibel liegen. "Wieso sind die denn so leise", erklingt es flüsternd aus Richtung der Klägerinnen. Nach dem ein Auto die Gruppe passiert hat und dessen Geräusch eine Dezibelmessung von 75-80 Dezibel hinterlassen hat, bemerkt der Richter: "Also das ist nicht wirklich nennenswert.  Da stellt sich mir die Frage, ob wir diesen Prozess nicht abkürzen können?".

"Wieso sind die denn so leise?"

Eine der Klägerinnen wirft ein: "Aber das ist hier und heute nicht so wie sonst. Ich habe hier Protokolle die zeigen, dass die Situation wirklich unerträglich ist. Über Monate und vor allem Nachts". Und ergänzt: "Meine Leidensgrenze ist erreicht".

Schließlich durfte die Kuh noch hinter der Hecke hervorkommen zum Läuten, dann bekam der Bauer die Glocke in die Hand gedrückt und läutete in einem Abstand von 60 Metern, was zu einer Messung von unter 60 Dezibel führte und letztendlich wurde noch eine Lärmmessung mit rund sechs Metern Abstand durchgeführt, die zu einer Lärmbelastung von knapp 83 Dezibel führte. 

Gibt es ein Gutachten über den Lärmpegel von Kuhglocken?

Im weiteren Verlauf schlug der Richter den Parteien noch vor, dass es auch die Möglichkeit gäbe eine Langzeitmessung durchzuführen, die "den ganzen Sommer andauern würde und von der durch ein offizielles Gutachten alle Geräusche und ihre Lautstärke ausgewertet werden können". 

Friedensangebot seitens der Bauersfrau

Die beklagte Bauersfrau machte schließlich einen Schritt auf die Klägerinnen zu und erklärte, dass sie die Glocken brauchen, wenn die Gefahr besteht, dass zum Beispiel Kälber ausbüchsen. Sie sei aber gerne bereit, solange die Kälber noch nicht geboren sind, die Glocken daheim zu lassen und diese erst dann zu verwenden, wenn zum Beispiel bei übermütigen Kälber die Gefahr besteht, dass sie auskommen.

 Und noch ein Angebot machte die Bauersfrau der Gegenseite: "Sie können sich gerne die Glocke aussuchen, die ich der Kuh oder dem Kalb um den Hals binde. Wir können ja auch kleinere Glocken nehmen, wie bei den Schafen."

Der Ortstermin endete mit einer gütlichen Einigung auf Basis des Vorschlags der Bauersfrau.

Warum es nach der Verhandlung Kommentare wie "Der Gescheitere gibt nach" kam und was die einzelnen Parteien zu dem Urteil sagen, lesen Sie morgen auf BGLand24.de

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