Olympiabewerbung ist Ressourcenverschwendung

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Jährliche Wachstumsraten in Neusüdwales im Zusammenhang mit der Olympiade 2000 (GDP = BIP)

Bad Reichenhall - Auf seiner letzten Sitzung befasste sich der Kreisvorstand des BUND Naturschutz mit der inzwischen 6. Olympiabewerbung.

Themen waren das erfolgreiche Bürgerbegehren Immobilienprojekt Königssee und wie es weitergehen sollte sowie die Einzäunung, das Entwässerungskonzept und die Abfallsortierung bei der Firma msp.

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Unkalkulierbares Risiko oder einmalige Chance?

Es ist erstaunlich welch vielfältige Argumente die Befürworter der erneuten Bewerbung aufzählen, von einem einzigartigen Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept ist die Rede, das für diese Sportgroßveranstaltung zusammen mit den Bürgern und Sportverbänden erarbeitet werden soll. „Diese Aussage ist im höchsten Maße zweifelhaft“, so Kreisvorsitzende Rita Poser, „wenn der Bürger schon im Vorfeld nur mit einseitigen Informationen berieselt wird, für die Steuergelder zur Verfügung gestellt werden.“ In der Kreistagssitzung wurde mehrheitlich beschlossen, dass nur Argumente pro olympische Bewerbung mit den Stimmrechtskarten auf Steuerzahlerkosten verschickt werden. Das ist zwar legitim, zeigt aber, wie einseitig das Demokratieverständnis der meisten unserer Ratsdamen und -herren im Kreistag ausgeprägt ist. Bei einem Bürgerbegehren werden die Argumente beider Seiten an die Bürger verschickt, damit sie sich vor der Abstimmung eine Meinung bilden können. Jetzt sind die Räte davon überzeugt, dass allein ihre Argumente die richtigen sind. Eine Studie von PwC (PricewaterhouseCoopers), einer der weltweit vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, zu den Effekten Olympischer Spiele kommt zu Ergebnissen, welche die Befürworter- egal ob aus dem Tourismusbereich, der Wirtschaft oder der Politik – lieber nicht veröffentlichen. Es gibt in der 66-seitigen Konzeptstudie nicht mal einen Hinweis auf diese Untersuchung, die im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Athen erstellt wurde. Da muss man sich schon fragen, warum wohl?

msp-Entwicklung wird kritisch gesehen

Kritisch wird auch die Entwicklung bei msp gesehen. Während andere Firmen, die mit gefährlichen Stoffen arbeiten, vor Inbetriebnahme ein Entwässerungskonzept vorlegen müssen, das es auch im Brandfall gestattet, kontaminiertes Löschwasser zurückzuhalten, setzt man in der Stadt Bad Reichenhall nun auf einen Zaun. Schon im Februar 2013 war ein umfangreicher Fragenkatalog an die Stadt gerichtet worden, der dann vom Landratsamt völlig ungenügend beantwortet wurde. – Angesichts der geltenden städtischen Entwässerungssatzung als Kontrollinstrument der Stadt zur Einhaltung der auch für die Firma msp darin vorgegebenen Einleitungs-anforderungen an die öffentliche Entwässerungsanlage ist laut stellvertretendem Kreisvorsitzenden Dr. Ernst Billmeier daher die hier praktizierte Verfahrensweise von Stadt und Kreisverwaltungsbehörde in keiner Weise nachvollziehbar. Auch dass immer wieder gegen Auflagen des Genehmigungsbescheids verstoßen wird und Arbeiten mit den Abfällen im Freien stattfinden und nicht wie im Genehmigungsbescheid von 2012 gefordert in den Hallen, kritisieren die Vorstandsmitglieder.

Immobilienprojekt Königssee

Sehr erfreut waren die Teilnehmer über war das Aus für das Immobilienprojekt Königssee nach der deutlichen Unterstützung der Schönauer Bevölkerung beim Bürgerbegehren. Die Planer zogen ihre Anträge zurück, so dass der Bürgerentscheid gar nicht mehr erforderlich war. Der BUND Naturschutz hatte schon im Raumord-nungsverfahren das Projekt als für den kleinen Ort viel zu groß dimensioniert kritisiert, auch weil zum Teil landschaftliche Besonderheiten wie Eiszeitrelikte gesprengt werden sollten um dem Hotel, einer neuen Straße sowie Wohntürmen Platz zu machen. Ebenso wenig Verständnis gab es für zwei weitere Geschäftshäuser die rund um den denkmalgeschützten alten Bahnhof gebaut werden sollten. Unter städtebaulichen Gesichtspunkten war auch der geplante Querriegel des Hotels Königssee ein Desaster. Die Naturschützer hoffen, dass seitens des Gemeinderats möglichst schnell eine Ortsplanung in Auftrag gegeben wird, damit am Zugang zum Königssee ein für Touristen und Einheimische respektables Ortsbild entsteht.

Pressemeldung Bund Naturschutz in Bayern e.V.

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