Christoph Lung: „Jung sein ist kein Hinderungsgrund“

Oberbürgermeister-Kandidat Christoph Lung im Interview

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Der 30-jährige Christoph Lung ist der CSU-Kandidat für den Oberbürgermeister von Bad Reichenhall, Lung warf den Amtsinhaber Herbert Lackner Parteiintern aus dem Rennen.

Bad Reichenhall - Noch sieben Monate bis zu Kommunalwahl in Bayern und für den 30-jährigen Christoph Lung noch wichtiger, die Oberbürgermeister-Wahlen in seiner Heimatstadt. Er möchte es wissen, und sein wahrscheinlich gefährlichster Herausforderer kommt aus der eigenen Partei, denn Amtsinhaber Herbert Lackner ist nach wie vor CSU-Mitglied, und wird es vielleicht auch bleiben.

Lung lässt sich nicht beirren, auch wenn es noch kein fertiges Wahlprogramm gibt, präsentiert er bei einem Sommergespräch, flankiert von den CSU-Stadträten Hans Hartmann und Martin Schobert, seine Vorstellungen vom Amt des Oberbürgermeisters, und lässt dabei keinen Zweifel aufkommen, dass er es besser könne, „ich will meinen Fleiß und meine Ideen einbringen“. Die Frage, ob er denn nicht zu jung sei, beantwortet er, noch bevor sie gestellt wird. „Jung sein ist keine Qualität, aber auch kein Hinderungsgrund, in Österreich ist Sebastian Kurz auch mit 30 Jahren Bundeskanzler geworden“, und er sei im März dann schon immerhin 31, so Lung etwas verschmitzt. Der Wahlkampf soll ein sauberer sein, ob das zu schaffen ist, während man sich gleichzeitig am Amtsinhaber abarbeitet und damit die eigene Kandidatur rechtfertigt wird sich zeigen.

Die BGLand24-Fragen kreisen dann naturgemäß erst einmal um Noch-Partei-„Freund“ Herbert Lackner, oder, ist er gar schon ausgetreten? „Nein, formell ist er noch Mitglied“, so Lung, mit „formell“ will er sagen, „es wird Lackner obliegen, ob er mit seinen Mitgliedsbeiträgen den CSU-Wahlkampf unterstützen will“. Witzige Antwort, aber doch noch einmal nachgefragt, wird Lackner aus der Partei ausgeschlossen, wenn er mit einem eigenen Wahlverein gegen CSU-Kandidaten Lung antritt? „Ich bin für eine besonnene, kluge Lösung“, so Lung ohne viel zu grübeln, dass Lackner noch immer Mitglied ist hält Lung aber für „nicht konsequent, denn er ist ja nicht unser Oberbürgermeister-Kandidat und will ja einen eigenen Wahlverein gründen“. Klingt nach abwarten, was der Gegner macht, also Lackner. Die rechtliche Lage sei aber eindeutig, bei schwerwiegenden Verstößen wäre ein Antrag auf Ausschluss möglich, diesen Antrag könne aber nicht nur der Ortsverein, sondern auch der Kreis oder der Bezirk stellen. „Entscheiden würde am Ende ein Bezirksschiedsgericht“. Doch, man spricht noch miteinander, Lackner sei auch nach Wahl Lungs zum Oberbürgermeister-Kandidaten zur CSU-Fraktionssitzung erschienen.

Wahlkrimi der OB-Kandidaten

Zur Erinnerung: Ende Juli hatten an einer Abstimmung von 170 CSU-Ortsvereinsmitgliedern genau 94 teilgenommen, davon wählten 53 Lung zum OB-Kandidaten, auf Lackner entfielen 39, zwei Stimmen waren ungültig. Schon vorher hatte es im CSU-Vorstand ein deutliches Zeichen gegen den Amtsinhaber gegeben und auch in der Fraktion sind, bis auf einen, alle für einen neuen Kandidaten gewesen.

Familie gegen Nicht-Familie?

Lung will jetzt nach vorne blicken, eine klare Mehrheit sei für ihn gewesen, und auch die Rückmeldungen nach der Wahl hätten ihm eine „faire“ Wahl attestiert. Gab es nach der Kandidaten-Wahl Austritte? „Nein, aber zwei Neueintritte“. Bei der Frage, warum er Oberbürgermeister von Bad Reichenhall werden will nutzt Lung den Hauch von Unverbraucht, Neu, Frisch, „wir brauchen frischen Wind, die Stadt ist so schön und liebenswert und verdient eine bessere Führung“. Oh, ein Seitenhieb auf den Amtsinhaber? Wird der Wahlkampf eine Schlammschlacht? „Von meiner Seite aus wird es keinen schmutzigen Wahlkampf geben, ich setze auf Ideen, die uns vorwärts bringen“. Und, dass Herbert Lackner vielleicht einen Familien-Wahlkampf führen wird, also auf der einen Seite der Kandidat mit Frau und Kindern, auf der anderen Seite eben nicht. Davon lässt sich der 30-Jährige nicht beirren, „ich habe ja auch eine Familie sogar einen Familienverband“.

„Nicht alles anders, aber vieles besser machen“

Aber genug vom Amtsinhaber, Lung präsentiert seine Ideen, seine Vorstellungen von Führungsstärke, „ich möchte ein Oberbürgermeister sein, auf den sich die Mitarbeiter in der Verwaltung, aber auch die Bürger verlassen können“. Er wolle zugehen auf engagierte Bürger, auf die Wirtschaftskräfte, „denn es kann nicht sein, dass man nach einem Gespräch drei Monate keine Reaktion bekommt“. Und schon ist die Kritik an Lackner wieder da, ganz ohne sich an ihm zu reiben wird’s wohl auch im Wahlkampf nicht gehen.

v.l.: CSU-Stadtrat Hans Hartmann, Christoph Lung, CSU-Stadtrat Martin Schobert

Im Sommergespräch im Salin greift Lung dann die Themen auf, die derzeit nicht nur in Bad Reichenhall, sondern Deutschlandweit, ja weltweit die Mega-Themen sind: leistbares Wohnen, Kinder-Jugend-Familie und Klimaschutz. Hier will Lung „nicht schrill und laut sein“, sondern einen Umweltschutz fördern der Ökologie und Ökonomie vereint. Beim Thema Wohnen habe es eine Kommune sehr wohl in der Hand, für bezahlbares Wohnen zu sorgen, zum Beispiel mit der Bauleitplanung oder über die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft. Generell will er „Probleme angehen, nicht aussitzen“, spricht’s und verweist auf die Beispiele Bauhof („Sanierung oder Neubau“) und auf die Fußgängerzone, die vielerorts ein Stolperfeld statt einer Visitenkarte sei. Lung will „mutig vorangehen“, als Oberbürgermeister sei er dann ja Chef der Verwaltung, der Beschlüsse vorbereite und Entscheidungen dann auch vollziehe.

Noch im August wird die CSU Bad Reichenhall ihre Kandidatenliste für den Stadtrat aufstellen, auf der Lung natürlich vertreten sein wird, vermutlich an erster Stelle, „das besprechen wir noch“. Im Wahlkampf wird es neben den klassischen Info-Ständen in der Fußgängerzone auch eine „Zuhör-Tour“ geben gemäß dem CSU-Motto „Näher am Menschen“. Hat Lung einen Plan B für den Fall, dass er es am 15. März doch nicht auf den Oberbürgermeister-Sessel im Rathaus schafft? „Dann werde ich meinen beruflichen Weg weitergehen“.

Lung Vita

Geboren am 21.03.1989 in Bad Reichenhall, aufgewachsen in Marzoll, „ich bin eine Reichenhaller durch und durch, da bin ich daheim“. Nach dem Abitur 2008 am Karlsgymnasium folgt 2009 der Wehrdienst bei den Gebirgsjägern, danach bis 2014 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Passau. Danach arbeitet Lung an der Uni Passau am Lehrstuhl für Strafrecht, parallel promoviert er und arbeitet als Rechtsreferendar, derzeit ist er bei einer Passauer Kanzlei als Rechtsreferendar angestellt. „Im Herbst steht aber eine berufliche Veränderung an“, mehr verrät er aber noch nicht.

Politik ist im Elternhaus schon immer ein Thema gewesen, die Mutter ist Sozialpädagogin, der Vater Steuerberater, „ich habe schon früh in der Zeitung den Politikteil verschlungen“.

2006 startet der begeisterte Fußballer und Geigenspieler seine politische Karriere, er tritt bei der JU und der CSU ein, seit 2014 ist er im Stadtrat, ein Jahr später übernimmt er den Ortsvorstand der CSU in Bad Reichenhall.

hud

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