Literarischer Abend zum Thema „Sprache wirkt“

Einander verstehen ist eigentlich unmöglich 

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Regina Erber, Kommunikationstrainerin aus Bischofshofen erläuterte in der evangelischen öffentlichen Bücherei in Reichenhall sehr anschaulich, wie schwierig es ist, miteinander zur reden.

Bad Reichenhall - Sabine Erber gab als Kommunikationstrainerin spannende Einblicke in die Sprache und wie sie alltäglich auf uns wirkt. Bei dem literarischen Abend ging es um Kommunikation und wie man diese am Besten optimieren kann. 

Wer kennt das nicht? Man redet, sagt es klar und unmissverständlich und der Andere versteht es nicht. Vielleicht anders, ganz falsch oder gar nicht. 

Sabine Erber, Kommunikationstrainerin, gab beim literarischen Abend in der evangelischen öffentlichen Bücherei in Bad Reichenhall überraschende Einblicke über Sprache und ihr Wirken auf uns alle. Dass man mit Sprache eine Gesellschaft manipulieren kann und wir manipuliert werden, ist bekannt. 

Wie sie aber auch im privaten Gespräch schwierig ist, wie sie zu gegenseitiger Manipulation und Missverständnissen führt, stellte Sabine Erber anschaulich und eindringlich bei ihrem Vortrag „Sprache wirkt“ in der Bücherei vor. Nicht ohne zuletzt den zahlreichen Zuhörern mitzugeben, auch selbst etwas zu tun, damit Gespräche nicht in Streit und Unverständnis enden: „Es gibt Möglichkeiten, Brücken zu bauen“. 

Auf andere nicht einzuwirken ist unmöglich. Die einzig ehrliche Art ist allerdings die des Körpers. Durch Mimik und Gestik spricht er unbewusst ständig, weil der Kopf jede Situation auswertet und durch den Körper ausdrückt. Und der Körper lügt nicht. Niemals. 

Anschaulich wurde das klar, indem Frau Erber statt zu begrüßen und anzufangen nur dastand, wartete und die vor sich Sitzenden betrachtete. Bis dann (erlösend) doch was gesagt wurde.

Jeder auf seiner Insel

Einer sagt etwas und der andere versteht das. So dachte man früher. Später wusste man es besser. Das Gesagte kommt beim Empfänger anders an, als gesagt. Und jeder meint, das liegt beim Zuhörer, der ist schuld. 

Um der Sache auf den Grund zu gehen, bemühte Sabine Erber das in der Fachwelt genannte Inselmodell:

Dieses geht davon aus, dass jeder Mensch durch seine Erziehung und seine Erfahrungen eine eigene Insel entwickelt, die er sein ganzes Leben lang nicht mehr verlässt. Gar nicht verlassen kann, weil sie unbewusst funktioniert. Somit bleibt jeder auf seiner eigenen Gedankeninsel. 

Nur wenn sich Bereiche der Gedankeninsel mit der Insel des Gesprächspartners überschneiden, fällt Kommunikation leicht und und verläuft erfolgreich. Je größer die eigene Gedankeninsel ist, desto mehr Überschneidungen ergeben sich mit unseren Gesprächspartnern. Meistens liegen jedoch zwischen uns und unseren Gesprächspartnern unterschiedliche Erfahrungen, Ziele und Einstellungen vor. 

Die einzige Möglichkeit für ein erfolgreiches Gespräch ist zuerst die Erkenntnis, dass jeder in seiner eigenen Insel gefangen ist und dann der Wille, eine Brücke zur Gedankeninsel unseres Gesprächspartners bauen zu wollen. Schwer genug schon das. Dazu muss man den Anderen auch verstehen wollen und sich klar machen, welche Beziehung man zueinander hat. 

Nur wenn man diese Schritte macht, kann die Brücke gelingen: „Wer besser kommunizieren will, darf nicht auf seiner eigenen Insel sitzenbleiben. Er muss versuchen, mit den Inseln der anderen Überschneidungen zu finden.” 

Eine Frage der Beziehung 

Wenn die Liebe groß, ist es auch das Ohr. Und man versteht sich. Wenn die Beziehung alltäglich wird, bekommt man auch mal gesagt, „Hörst du mir überhaupt zu?“

Alltags wird anders zugehört, mit vier Ohren, so erläutert die Kommunikationstrainerin Sabine Erber, wie unterschiedlich etwas Gehörtes aufgefasst werden kann. Etwa, wenn man bloß den Sachinhalt hören will. 

Welche Informationen werden durch eine Nachricht übermittelt? Auf der Sachebene werden reine Fakten und Daten kommuniziert. Für den Empfänger stellt sich nur die Frage, ob die übermittelten Informationen wahr oder unwahr, relevant oder irrelevant sind. 

Zweitens, das Gehörte wird als Selbstoffenbarung bewertet. Diese Seite ist dem Sprecher oftmals nicht klar. Egal, welche Nachricht er übermittelt, er gibt immer auch etwas von seiner Persönlichkeit preis, etwa eigene Emotionen, Werte, Ansichten und Bedürfnisse. Mal gewollt, mal ungewollt ist diese Selbstoffenbarung des Sprechenden. 

Das Gehörte kann aber auch ausgelegt werden, wie es um den Stand der Beziehung steht. Auf der Beziehungsebene erfährt der Empfänger, wie der Sender zu ihm steht. Mimik und Gestik unterstützen das Gesagte. Ein Stirnrunzeln oder ein koketter Augenaufschlag vermitteln, ob jemand irritiert ist oder beispielsweise mit uns flirtet. Je nachdem, wie der Empfänger einer Nachricht auf der Beziehungsebene hört, kann er sich wertgeschätzt oder auch kritisiert fühlen. 

Und zuletzt der Appell. Diese Seite verdeutlicht, was der Sender vom Empfänger möchte. Das können an den Empfänger gerichtete Bitten, Befehle, Wünsche oder Ratschläge sein – in irgendeiner Form wird mit einer Nachricht versucht, Einfluss auf den Empfänger auszuüben. 

Regina Gündisch, die Leiterin der Evangelischen öffentlichen Bücherei, freute sich stellvertretend für das Publikum, einmal in so anschaulicher und lebhafter Form zu erfahren, wie es doch möglich ist, einander zu verstehen und zu erfahren, was der Einzelne tun kann, damit Gespräche harmonisch und informativ verlaufen. 

Und im Anschluss gab es dann gleich die Gelegenheit, das Gehörte mit Himbeerbowle im Smalltalk auszuprobieren.

Ulrich Scheuerl

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