10. Sinfoniekonzert der Bad Reichenhaller Philharmoniker 

Dr. Johannes Lang aus Werken mit Bezug zu Bad Reichenhall

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Bad Reichenhall - Im 10. Sinfoniekonzert der Bad Reichenhaller Philharmoniker sind „Bedeutende Persönlichkeiten der Literatur und Musik“ zu Gast in Bad Reichenhall. Diesem Thema widmet sich das 9. Jubiläumskonzert in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv.

Zwischen den einzelnen Musiknummern liest Heimatpfleger Dr. Johannes Lang aus ausgewählten Dokumenten bedeutender Literaten, die in ihren Gedichten oder autobiografischen Notizen Bad Reichenhall einen gewissen Raum gewährten. In namentlicher Erwähnung oder in umfänglicherem Kontext wird damit ihr Bezug zum damaligen mondänen Badeort in Erinnerung gebracht. Lang wählt Auszüge aus Theodor Storms Novelle von 1887 „Ein Bekenntnis“, ebenso aus Elias Canettis Autobiografie(1979) „Die gerettete Zunge“ und aus Thomas Bernhards Erzählung von 1978 „Der Atem“ sowie das Gedicht „Die Erdbeerfrau“ (1906) von Marie von Ebner-Eschenbach. Natürlich darf die bekannteste Geschichte nicht fehlen: Erich Kästners Roman „Der kleine Grenzverkehr“ aus dem Jahr 1938, der das tägliche devisenlose Pendeln des Berliner Schriftstellers Georg Rentmeister zwischen dem Hotel Axelmannstein und Salzburg mit einer komödiantischen Liebesgeschichte verbindet. Zwei Verfilmungen von Kästners Roman wurden große Publikumserfolge: „Der kleine Grenzverkehr“ 1943 mit Willy Fritsch und Hertha Feiler in den Hauptrollen und in den 1956 von Kurt Hoffmann verfilmten „Salzburger Geschichten“ gaben Marianne Koch und Paul Hubschmid das Liebespaar. Im Film von 1943 dokumentieren einige Szenen das damalige Interieur des Axelmannstein. Die Bad Reichenhaller Philharmoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Christian Simonis spielen Musik von Leo Fall, Richard Wagner, Richard Strauss, Gustav Mahler, Charles Kálmán und Franz Lehár. Beim einstigen Kurzbesuch Richard Wagners 1861 soll dessen spätere Liebesbeziehung zu der hier zur Kur weilenden Cosima ihren Anfang genommen haben. Ein geschätztes klingendes Denkmal für Badekur und -kultur setzte Charles Kálmán mit seiner flotten Melodienfolge „Ein Tag im Kurort“. Das musikalische Bouquet wird anspruchsvoll aufgemischt durch dieLiteraturauszüge, die Dr. Lang gezielt auf den Schwerpunkt Bad Reichenhall konzentriert und damit unterschiedliche Eindrücke aus verschiedenen Zeiten und Situationen der Kurstadt lebendig werden lässt. 

Namhafte Autoren wie Theodor Storm oder Erich Kästner

Dr. Lang Stadtarchivar der Stadt Bad Reichenhall erläutert: „Kurorte waren und sind gesellschaftliche Kristallisationspunkte, die daher nicht selten zu Stätten literarischen Schaffens avancierten. Angezogen vom besonderen Flair des Weltkurortes Bad Reichenhall, weilten auch hier wiederholt namhafte Autoren, um die Stadt und ihre Umgebung in Gedichten, Novellen und Romanen zu verewigen.Theodor Storm(1817-1888) beispielsweise siedelte seine Novelle „Ein Bekenntnis“ in den 1850er Jahren in dem damals noch jungen Kurort Reichenhall an und thematisierte dabei die bis heute aktuelle gesellschaftliche Debatte um Sterbehilfe. Mit der„Erdbeerfrau“ wiederum gelangMarie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) ein ebenso originelles wie berührendes Gedicht. Es berichtet von der Begegnung zwischen der Dichterin und einer alten Einheimischen, die ihr kärgliches Auslangen mit dem Verkauf von Walderdbeeren findet und im beiläufig stattfindenden Gespräch ein an dramatischen Wendungen reiches Leben offenbart. Für den Literatur-Nobelpreisträger Elias Canetti (1905- 1994) wird Bad Reichenhall zum Synonym für einen folgenreichen Einschnitt in seinem Leben, nachdem seine Mutter hier zur Kur gewesen war und Bekanntschaft mit einem geheimnisvollen Kurarzt gemacht hatte. In seiner dreibändigen autobiographischen Erzählung verarbeitete Canetti diese Erlebnisse. Die Einreisebeschränkungen nach Österreich in den 1930er Jahren machte Erich Kästner (1899-1974) zur Grundlage für seinenRoman „Der kleine Grenzverkehr“, der von einer in Salzburg und Bad Reichenhall spielenden Verwechslungsgeschichte handelt. Als Ausgangspunkt für seine täglichen Exkursionen über die Grenze wählt sich der Hauptdarsteller das Bad Reichenhaller Grandhotel Axelmannstein. Autobiographisch beeinflusst ist Thomas Bernhards (1931-1989) Werk„Der Atem“, worin er in drastischen Bildern seinen Aufenthalt als Tuberkuloseerkrankter 1949 im nahen Großgmain beschreibt. Immer wieder verließ Bernhard heimlich das Sanatorium, um sich zu Fuß und ohne Ausweispapiere nach Bad Reichenhall zu begeben und – wie könnte es anders sein – den dortigen Kurkonzerten zu lauschen. In einer inspirierenden Melange wechseln sich Lesung und Musik ab – passend zu Ort und Zeit.“ Gleichzeitig verweist die Dokumentation auf das gesellschaftliche Niveau des früheren prominenten Mode- und Erholungsortes.

Pressemeldung Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall Kur-GmbH Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain

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