Kommunalwahl 2020 – Lackner nach CSU-Machtkampf jetzt mit eigener Liste

Lackner: „Ohne Lung-Verwandte und Bekannte anderes Wahlergebnis“

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Der Zuspruch der Bürger sei sehr groß, sagt Lackner, der Beweis ist beim BGLand24-Fotoshooting am Rathausplatz zu beobachten.
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Bad Reichenhall - Nach dem Showdown innerhalb der CSU steht seit Ende Juli fest, dass CSU-Herausforderer Christoph Lung den amtierenden Oberbürgermeister Herbert Lackner aus dem Kandidaten-Rennen geworfen hat. Doch Lackner kämpft, „schließlich bestimmt nicht die CSU, sondern die Bürger, wer Oberbürgermeister ist“, oder eben bleibt.

Zuspruch der Bürger sei sehr groß, sagt Lackner, der Beweis ist beim BGLand24-Fotoshooting am Rathausplatz zu beobachten.

Das Treffen mit Lackner verläuft in entspannter Atmosphäre, im Salin, wie bei seinem parteiinternen Herausforderer drehen sich die BGLand24-Fragen naturgemäß erst einmal um den Machtkampf innerhalb der CSU, den er bei einer Abstimmung der Mitglieder verloren hat. Lung selbst habe ihm Anfang des Jahres gesagt, dass die Partei ihn nicht mehr unterstütze, „die folgenden Wochen waren sehr belastend für mich“, so Lackner. Kam die Entscheidung überraschend für ihn? 

„Nein, ich hatte schon vorher so ein Bauchgefühl, dass Lung meinen Job haben möchte“. Ein Rückzug kam für ihn aber nie in Frage, „mit 48 Jahren bin ich in einem sehr guten Oberbürgermeister-Alter, eigentlich genau im richtigen Alter“, ist Lackner überzeugt und spielt seinen Trumpf aus: 14 Jahre Erfahrung, „und trotzdem noch jung genug, also ich bin überzeugt, dass ich der beste Kandidat bin“. In etwas kürzerer Form könnte das schon fast ein Wahlkampf-Slogan werden.

CSU als Lung-Wahlverein?

Jetzt sei er vorallem froh, „dass die monatelangen Querelen innerhalb der CSU Bad Reichenhall vorbei sind und es Klarheit gibt, ich hab genug von den Streitereien“. Mit Klarheit meint der Noch-OB die Abstimmung der CSU-Mitglieder Ende Juli, bei der von 94 Stimmen 53 auf seinen Herausforderer Lung und 39 auf ihn, Lackner entfielen. Für Lackner steht fest, „dass Lung natürlich Monate lang innerhalb der CSU eine Mehrheit gegen mich organsiert hat“, aber er wolle das eigentlich nicht mehr weiter ausbreiten. Dass Lung bei der Ortsversammlung die Mehrheit erhielt wundert den Amtsinhaber nicht wirklich, „es ist ja ein offenes Geheimnis dass Lung in der jüngeren Vergangenheit viele Verwandte und Bekannte in die CSU aufgenommen hat, ohne dieses Netzwerk würde das Ergebnis anders aussehen“. Im Übrigen würden aber ohnehin nicht 160 CSU-Mitglieder entscheiden, wer nächster Oberbürgermeister der Kreisstadt wird sondern eben der Wähler am 15. März nächsten Jahres.

Möchte auch die nächsten sechs Jahre von hier aus als Oberbürgermeister die Geschicke von Bad Reichenhall lenken: Herbert Lackner.

Obwohl ihm seine Partei quasi den (Oberbürgermeister-) Stuhl vor die Tür gestellt hat will Lackner Mitglied der CSU bleiben, auch wenn das sein Herausforderer Christoph Lung in einem BGLand24-Interview als „nicht konsequent“ bezeichnet hatte. „Warum soll ich meine christlich soziale Grundgesinnung über Bord werfen? Nur weil mein Gegenkandidat ein Problem mit mir hat?“ antwortet Lackner auf die Frage, ob er der CSU den Rücken kehren werde. Er habe daher der CSU schon früh „reinen Wein eingeschenkt“ und zwei Wochen vor der Abstimmung verkündet, dass er auch ohne Christ-Soziale als OB-Kandidat antreten werde, „hoch erfreut waren die Parteifreund darüber natürlich nicht“, beschreibt Lackner diplomatisch seiner Erinnerung.

Dass ihn seine eigene Partei nicht mehr als OB-Kandidat haben will habe ihn zwar enttäuscht, „aber jetzt habe ich mich mit der Situation abgefunden und die Aufgabe, selbst zu kandidieren macht mir groß Freude“, spricht’s und strahlt förmlich, die Zustimmung sei sehr groß, auch viele Bürger auf der Straße hätten ihn aufgefordert, OB zu bleiben.

Lackner allein im Rathaus

Rechtlich gesehen kann sich Lackner aber nicht selbst aufstellen, er braucht einen unterstützenden Wählerverein, also eine Wählergruppe, die ihn dann als ihren Kandidaten für das Oberbürgermeister-Amt nominiert. Dieser Verein ist in Gründung, auch wenn Lackner sich über die Zahl und Namen der Mitglieder, sowie über den Namen des Vereines noch bedeckt hält, dass der Verein seinen Namen tragen wird ist wohl anzunehmen, Beispiele dafür gibt es genug. Derzeit würden die Unterstützer noch beraten, sie kämen aus allen Schichten der Bevölkerung, „auch aus der CSU“. Auf Nachfrage bestätigt Lackner, dass CSU-Stadtrat Werner Mägerle dabei sein wird, er hatte sich auch innerhalb der aktuellen CSU-Fraktion als Einziger auf die Seite Lackners geschlagen. Auf der wahrscheinlichen Stadtratsliste der Lackner-Unterstützer wird sich auch der Amtsinhaber selbst wiederfinden, „das ist sehr wahrscheinlich“.

Mit welcher Strategie sein Verein und er den Wahlkampf anlegen werden ist noch offen, sieben Monate vor der Wahl ist ja auch noch viel Zeit dafür, die Bürger seien von zu langen Wahlkämpfen seiner Erfahrung nach ohnehin genervt. Er sei auf alle Fälle ein „überparteilicher Kandidat, auf kommunaler Ebene sollte Parteipolitik keine Rolle spielen“. Ist diese Aussage glaubwürdig für einen Oberbürgermeister, der seit 14 Jahren der CSU angehört? „Ich habe mein OB-Amt immer losgelöst von der Parteipolitik ausgeführt, als OB für alle Bürger“, für ihn sei nie wichtig gewesen, von wem im Stadtrat ein guter Beitrag gekommen sei, „aber das lastete mir die CSU auch an, dass ich ihre Anliegen zu wenig beachtet hätte“.

Erfolgsbilanz versus Stillstand?

Rathausplatz 8, hier ist seit 14 Jahren der Arbeitsplatz von OB Herbert Lackner, und, wenn es nach ihm geht, bleibt er im Chef-Büro im ersten Stock auch weitere, sechs Jahre.

Während seine parteiinternen Gegner einen Stillstand in der Stadt festzustellen glauben und diesen dem Oberbürgermeister anlasten legt Lackner selbst eine lange Liste von Projekten vor, die er als OB „erfolgreich“ umgesetzt habe. So werde er zum Beispiel im September den größten Kindergarten der Stadt in Froschham eröffnen können. Aber, das 4,7 Millionen Euro-Projekt hat schon der Stadtrat beschlossen und nicht der Oberbürgermeister? „Ja, aber der Oberbürgermeister ist für den Vollzug verantwortlich, und wir sind voll im Zeitplan und im Kostenrahmen, das ist heute nicht mehr selbstverständlich“ klopft sich Lackner selbst auf die Schulter. Er freut sich schon darauf, dass 124 Kinder in die vier Kindergartengruppen und zwei Krippengruppen einziehen können.

Auch das neue Hotel Luisenbad in der Fußgängerzone sei eine zentrale Investition in die Zukunft, die er mit angeschoben habe, „es entstehen hier nicht nur 294 Betten, sondern 62 Wohnungen und Handelsflächen“, der Bebauungsplan sei kompliziert gewesen, „aber das haben wir gut hinbekommen“, also die Mitarbeiter im Bauamt und er. Das Thema „leistbares Wohnen“ ist auch sein Thema, Projekte von privaten Trägern wolle er weiter fördern und begleiten, „da wird noch einiges kommen, es gibt interessente Pläne“, die aber noch in der internen Bearbeitung seien und über die er daher noch nicht sprechen dürfe.

Zufrieden ist Lackner auch damit, dass mit der neuen BGL-Dachgesellschaft für den Tourismus Bad Reichenhall wieder als eigene Marke auftreten darf, „wir haben hier eine sehr tüchtige Geschäftsführerin, die auch das Stadtmarketing übernommen hat, das zum Beispiel in Zukunft den Weihnachtsmarkt organisieren wird.

Beim derzeitigen Megathema Klimaschutz habe die Stadt unter seiner Führung bereits gehandelt und einen kostenlosen Busverkehr zwischen Bayrisch Gmain, Bad Reichenhall und Piding eingerichtet, zwar nur am Wochenende, „aber ein Anfang“. Der seit Ostern laufende Probebetrieb wird Ende des Jahres ausgewertet und dann entschieden, wie es weitergeht.

Das Thema Verkehr und Verkehrsüberlastung ist auch für Bad Reichenhall ein Reizthema, vor allem über das Kleine Deutsche Eck würden immer mehr Lkw fahren, das geltende Nachtfahrverbot würde zu wenig kontrolliert. „Auch die Zahl der Ausnahmegenehmigungen muss überdacht werden, die Grenze des Zumutbaren ist einfach überschritten“, eine Bürgerinitiative unterstütze er daher.

Vita Herbert Lackner

Geboren am 12. Februar 1971 in Bad Reichenhall, nach dem Abschluss des Karlsgymnasiums 1991 Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Passau mit der anschließenden, kompletten juristischen Ausbildung. Es folgt eine Anstellung als Jurist im Management von Burda Media.

Bereits nach dem Studium wird sein politisches Interesse und sein christlich-soziales Weltbild manifest, er wird Referent der CSU-nahen Hanns-Seidel- Stiftung, mit der Kandidatur zum Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall 2006 tritt er gleichzeitig in die CSU ein. Er gewinnt die Wahl und wird damit Nachfolger von Langzeitbürgermeister Wolfgang Heitmeier. Nur wenige Monate vor der Wahl stürzte das Dach der Eishalle ein. 2012 wird Lackner wiedergewählt, er erreicht schon im ersten Wahlgang 48,2 Prozent, in der Stichwahl dann 56 Prozent gegen seinen damaligen Herausforderer Manfred Hofmeister von den Grünen. Seine Amtszeit wird von sechs auf acht Jahre verlängert, damit die Kommunalwahl und die Oberbürgermeisterwahl wieder gleichzeitig stattfinden.

Lackner ist seit 2007 mit Gattin Anna verheiratet, „sie hat mich schon als Verlobte im Wahlkampf 2006 begleitet“, seine Zwillinge (5 Jahre) sind „das größte Glück“ für ihn, es sei eine große Freude, sie aufwachsen zu sehen. Seine Gattin werde, wie bisher, immer wieder bei größeren Veranstaltungen dabei sein.

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