Reaktionen auf Variantenprüfung für Bad Reichenhaller Ortsumfahrung

Kirchholztunnel-Gegner auf dem falschen Dampfer?

+
Die Variante Kirchholz- und Stadtbergtunnel befindet sich bereits im Planfeststellungsverfahren. Für das Staatliche Bauamt Traunstein die einzig sinnvolle Lösung für eine Bad Reichenhaller Ortsumfahrung.
  • schließen

Bad Reichenhall - In einer über drei Stunden langen Stadtratssitzung hat das Staatliche Bauamt Traunstein am Mittwochabend (27. März 2019) seine Variantenprüfung für eine Ortsumfahrung vorgestellt. Wie reagieren die Stadträte auf den klaren Favoriten Kirchholztunnel?

Zweieinhalb Stunden haben der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, Christian Rehm, und seine Mitarbeiterin Bernadette Wallner die von der Stadt vorgeschlagenen Varianten mit der bereits in der Planfeststellung befindlichen Variante Kirchholz- und Stadtbergtunnel verglichen. In drei wesentlichen Punkten vielen der Auentunnel und der Ausbau im Bestand in drei Varianten durch.

Sie alle müssten neu bewertet werden und "es ist nicht gewiss, ob tatsächlich dann auch für die städtische Varianten eine vordringliche Einstufung im Bedarfsplan erfolgt", fasste Rehm am Ende zusammen. "Die zweite wesentliche Hürde ist der technische Entwurf." Dieser muss vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur genehmigt werden. Hinsichtlich Tunnels gebe es aber klare Spielregeln. "Tunnels sind die teueresten Bauwerke und sie werden nur dort genehmigt, wo sie aus topografischen Gründen oder aus emmissionsschutzrechtlichen Gründen zwingend erforderlich sind", so der Bauamtsleiter. "Das ist bei den städtischen Varianten nicht der Fall." Insofern sei es äußerst ungewiss, ob das BMVI den städtischen Planungen zustimmen würde.

Der dritte entscheidende Punkt sei das Planfeststellungsverfahren, in dem ein Variantenvergleich erfolgen muss, so wie ihn das Bauamt am Mittwochabend vorgestellte. "Da drängt sich der Kirchholztunnel und der Stadtbergtunnel auf", so das Fazit von Christian Rehm.

Verbesserungspotential am Golling?

Nach einer kurzen Pause hatten die Stadträte die Möglichkeit, Fragen zu stellen, sich zu äußern. Nur wenige wollten noch Details erklärt haben.

Werner Huber von der FWG traute sich als erster an eine klare Aussage: "Wer jetzt noch anzweifelt, dass der Kirchholztunnel die beste Variante ist, ist auf dem falschen Dampfer." Dennoch freute er sich als Anwohner am  Golling , dass es in Bezug auf die Trassenführung und den Anschluss am Golling aus Sicht Rehms noch Verbesserungspotential gebe. "Ein Halbanschluss könnte eine deutliche Reduzierung des Flächenverbrauchs bedeuten", so der Bauamtsleiter.

Der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, Christian Rehm, stellte sich am Mittwochabend den Fragen der Bad Reichenhaller Stadträte. Für ihn ist der Kirchholztunnel der klare Favorit für eine Ortsumfahrung.

Auch Michael Nürbauer von der Bürgerliste Reichenhall-Bündnis 90/Die Grünen zeigte sich auch erleichtert, dass viele Sachen neu bewertet werden können. Allerdings beunruhigte ihn die Bewertung der Eingriffe in den Naturschutz. Im Vergleich zu den städtischen Varianten, die alle massive Eingriffe in den Auwald mit sich ziehen würden, seien die Auswirkungen beim Kirchholztunnel nur punktuell, so Christian Rehm. "Da ist der Bau eines Abluftkamins im Kirchholz zu vernachlässigen." Eine Einschätzung, die Nürbauer so nicht teilt.

Für Fritz Grübl von der FWG war die Ausarbeitung des Bauamtes "erste Sahne". Er wollte wissen, ob die derzeitigen Deichbau-Maßnahmen an der B20/21 die städtischen Varianten erledigt hätten. "Das kann ich so nicht bestätigen", erklärte der Bauamtsleiter. "Alle Varianten sind aus dieser Sicht schon möglich, der Deich müsste zwar verlegt und nachgebessert werden, aber ein K.O.-Kriterium ist das nicht."

Lärmentlastung für B20/21-Anwohner

Selbst wenn sich der Stadtrat in seiner Sitzung am 9. April für den Kirchholztunnel ausspricht, kann dieser nicht sofort gebaut werden. Aufgrund von einer Reihe rechtlicher Änderungen im Bereich des Naturschutzrechtes, der Tunnelsicherheit und des Wasserrechtes muss das Planfeststellungsverfahren komplett neu aufgerollt werden. Eine Zeitspanne von gut zehn Jahren steht im Raum. Darum erkundigte sich Manfred Hofmeister von der Bürgerliste Reichenhall-Bündnis 90/Die Grünen nach den Kosten für Lärmschutzmaßnahmen an der bestehenden B20/21, die den Anwohnern bereits jetzt Entlastung bringen könnten.

Margot Weber vom Staatlichen Bauamt Traunstein bestätigte, dass die Sanierungsgrenzwerte bei einem Einzelanwesen an der Bundesstraße bereits überschritten seien. "Anspruch bei Lärmsanierungen gibt es nicht", erklärte sie. Allerdings wolle man sich mit der Stadt nach der Entscheidung für eine Variante der Ortsumfahrung auf ein Gesamtkonzept verständigen, dass den Anwohnern jetzt schon zu Gute kommen könnte. Oberbürgermeister Herbert Lackner bestätigte Vorgespräche zu diesem Thema.

All diese Informationen gilt es jetzt für die Stadträte auszuwerten und sich für eine Variante zu entscheiden. Die Abstimmung erfolgt am 9. April in einer weiteren Stadtratssitzung.

cz

Zurück zur Übersicht: Bad Reichenhall

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT