Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.

Hat Bad Reichenhall seine Zukunft verspielt?

Bad Reichenhall - Täglich ist er präsent, der Verkehr in Reichenhall, direkt entlang der Kurzone von Bad Reichenhall, das den Titel "Staatsbad gegen Erkrankung der Atemwege" trägt.

Für betroffene Anwohner an der Loferer Straße über das Leopoldstal und bis hinüber nach Karlstein aber ist diese Auszeichnung ein Titel, den Bad Reichenhall lange schon nicht mehr verdient.Bis zu 40.000 Fahrzeuge täglich, darunter bis zu 4000 LKW sind eine Zumutung für das Staatsbad. Der Verein Reichenhall pro Kichholztunnel setzt sich seit fünf Jahren für eine Beendigung dieses Missstandes ein. Jetzt hatte er Jahresversammlung und Neuwahlen. Gerd Spranger und Josef Voglreiter wurden als Vorstand für weitere zwei Jahre wiedergewählt.

"Die Stadt Bad Reichenhall handelt nicht, seit 48 Jahren wird erfolgreich eine Ortsumfahrung über den Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel verhindert, die vom Bund und vom Land Bayern von 1970 bis 2016 ganze sieben Mal in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde", beklagt Gerd Spranger beim gestrigen Jahrestreffen des Vereins. Er bezog sich dabei auf ein Schreiben von MdB Dorothee Bär, das sie im Auftrag des Bundesverkehrsministers a.D. Alexander Dobrinth im Dezember an den Verein richtete.

Informationsgespräch beim neuen Baudirektor

Aktuell waren die Vorstände zu einem Informationsgespräch beim neuen Baudirektor Christian Rehm im Straßenbauamt Traunstein und informierten die Mitglieder über den aktuellen Stand zur Ortsumfahrung von Bad Reichenhall. Hintergrund des Treffens war ein vor wenigen Tagen angesetztes Gespräch, das die drei Bürgermeister von Bad Reichenhall, Dr. Herbert Lackner, Manfred Hofmeister und Hans Hartmann - alle drei erklärte Gegner einer Ortsumfahrung Kirchholztunnel - mit dem Baudirektor führten. "Meine Beteiligung, als Stadtrat und Sprecher für die Befürworter des Kirchholztunnels, lehnten die Bürgermeister ab", informierte Fritz Grübl.

So ergriffen der Vorstand des Vereins pro Reichenhall die Initiative, um zu zeigen, dass die Stadt sehr wohl ein Interesse an der geplanten und genehmigten Ortsumfahrung Kirchholztunnel hat. Josef Voglreiter stellte dabei klar, dass Baudirektor Christian Rehm sachlich blieb und sich auf keine Variante festlegte. Er verwies jedoch auf den Umstand, dass bei einem gewünschten Auentunnel ganz wesentliche Voraussetzungen fehlten. Es könne sogar sein, dass bei einer mit der Prüfung einhergehenden Neueinschätzung des Auentunnels auch das Genehmigungsfahren völlig neu aufgerollt werden müsse. Damit wäre die Ortsumfahrung für Bad Reichenhall komplett aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 draußen. Ob sie denn da dann jemals wieder aufgenommen würde, sei derzeit nicht absehbar.

Die neuen Pläne für die Orstumfahrung, über einen vom Industriellen und Bauunternehmer Max Aicher initiierten Variante "Auentunnel", "müssen konkret sein, das Projekt genau benennen, vom Streckenverlauf bis zur Ausführung", so Baudirektor Christian Rehm. Er habe das auch an die Verantwortlichen deutlich formuliert, von MdL Michaela Kaniber, über Landrat Georg Grabner bis hin zu Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner. "Das steht im klaren Widerspruch zu dem, was im Stadtrat besprochen wurde," erklärte Stadtrat und Vereinsmitglied Gerhard Fuchs. Er gehe davon aus, dass der Stadtrat nun über die genaue Planung entscheiden müsse, bevor sie beim Staatlichen Bauamt in Traunstein eingereicht wird.

Stadtrat und Vereinsmitglied Fritz Grübl zeigte sich optimistisch für die Realisierung der Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel. "Der Prüfauftrag für den Auentunnel wurde von Teilen der CSU vor dem Hintergrund unterstützt, dass bei einer Weiterführung des Kirchholztunnels und möglicher Klagen auch intensiv eine Alternativ geprüft worden sei. Kein Kommunalpolitiker, zumindest keiner mit dem ich geredet habe, will eine Abholzung des Auenwaldes oder eine Enteignung des Sägewerks Fritzer. Es ist eindeutig mit einer Ablehnung des Auentunnels zu rechnen. Selbst die Stimmung in Bayerisch Gmain ist anders, wie es in der regionalen Presse gerne dargestellt wird."

Gerd Spranger widersprach dieser Einschätzung vehement."Wie kann eine Mehrheit der CSU, die sich seit 1970 für eine Ortsumfahrung Kirchholztunnel einsetzt, jetzt, da das Projekt im Dezember 2016 endlich wieder in den vordringlichen Bedarf inklusive Finanzierungszusage aufgenommen wurde, dagegen aussprechen? Sie nimmt eine Gefährdung und endgültiges Scheitern einer Ortsumfahrung hin. Ex-Oberbürgermeister und Jurist Wolfgang Heitmeier hat es deutlich als "eine Beerdigung erster Klasse" bezeichnet. Die Bürger in Bad Reichenhall sind nach über 30 Jahren einmal mehr 'die Dummen', die Stadt spielt mit ihrer Zukunft und die Bürger bezahlen mit ihrer Gesundheit", ereifert sich der Vorstand.

Die Wortmeldungen zeigten die große Stimmungsbreite, wenn es um das für Bad Reichenhall so wichtige Projekt geht. So frage etwa Christine Spranger nach, "wie lange es denn dauern könne, bis ein konkreter Prüfauftrag mit der geforderten fixierten Variante beim Staatlichen Straßenbauamt in Traunstein eingehen würde." Sie gab ihrer Befürchtung Ausdruck, dass hier ganz bewusst wieder auf Zeit gesetzt werde und eine Lösung des Verkehrsproblems in Bad Reichenhall in weite Ferne rückt.

Stadtrat Gerhard Fuchs betonte, dass die FWG im Stadtrat Druck machen werde, damit bald eine konkrete Variante zustande käme, die das Straßenbauamt prüfen könne. Erst dann könne es auch mit dem Projekt KHT weitergehen. Er stimmte Gerd Spranger zu, dass es darüber hinaus auch nötig sei, seitens der Bevölkerung und der betroffenen Anwohner, Druck gegenüber der Stadtverwaltung aufzubauen.

Tieferlegung als Alternative?

Dieter Unterbuchberger habe von Vereinsmitgliedern gehört, dass jetzt auch wieder die längst verworfene Variante einer Tieferlegung ins Gespräch gebracht würde.Er selbst interpretiere das als Anwohner, der seit 40 Jahren an dieser Straße lebt, als eine Verhöhnung der Menschen die hier leben, als eine Augenwischerei. Kurt Pötschke bekräftigte seinen Standpunkt, dass der vorhandene Stadtratsbeschluss für die Ortsumfahrung sich nur auf den KHT beziehen würde und das auch so vom Bundesministerium angenommen würde. Dass dieser Beschluss nicht endlich durchgeführt wird ist ihm unbegreiflich.Zudem sei bei der Bewertung der Ortsumfahrung immer, seit drei Jahrzehnten, der Kirchholztunnel- und der Stadtbergtunnel zugrunde gelegt worden, auch bei der ganzen Einschätzung der verkehrlichen Gesamtsituation. Ein Auentunnel hingegen sei ein völlig anderes Projekt, das der Zielführung eines Kirchholztunnels in keiner Weise gerecht werde."

Für Wolfram Jahn gelte das Grundrecht auf Gesundheit auch in Bad Reichenhall, und auch für die 1000 unmittelbar betroffenen Anwohner. Seiner Meinung nach waren es 'Die Grünen', die das Aufstellung von Messsationen zur Feinstaubmessung verhindert hätten. "Das Staatsbad Bad Reichenhall müsste sich doppelt anstrengen, um jede negative Umweltbeeinflussung abzustellen. Doch die Stadt macht genau das Gegenteil", bekräftigt Jahn.

Einstimmig wurde der neue Vorstand des Vereins gewählt: 1. und 2. Vorstand: Gerd Spranger und Josef Vogelreiter, Kassier: Christine Spranger, Kassenprüfer Elisabeth Unterbuchberger, Protokollführer: Walter Huber, Beisitzer: Fritz Grübl Beisitzer, Wolfram Jahn, Dieter Unterbuchberger

Presseinformation Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.

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