Jubiläumsvortrag mit Stadtheimatpfleger Dr. Johannes Lang 

525 Jahre Reichenhaller Reinheitsgebot

Bad Reichenhall - Das Bayerische Reinheitsgebot von 1516 gilt als die erste flächendeckend für ganz Bayern gültige Verordnung, wonach Bier nur aus Gerste, Hopfen und Wasser bestehen sollte. Die neuesten Forschungen des Bad Reichenhaller Stadtheimatpflegers PD Dr. Johannes Lang ergeben nun allerdings ein anderes Bild, das zu einer historischen Neubewertung des weltberühmten Reinheitsgebots führt.

Lang behauptet: „Das Reinheitsgebot von 1516 bildete nicht den Höhepunkt, sondern den Mindeststandard inmitten einer schon damals bemerkenswert hochstehenden bayerischen Braukunst. Es galt als Auffanggesetz nur in jenen Teilen Bayerns, die nicht über gesonderte Bier- und Brauordnungen verfügten.“ 

Von Stadtrat Bad Reichenhall erlassene Getränkeverordnung

Vor zwei Jahren hatte der für vergleichende Landes- und Regionalgeschichte habilitierte Historiker im Bayerischen Hauptstaatsarchiv eine am 07. Februar 1493 vom Reichenhaller Stadtrat erlassene Getränkeverordnung entdeckt, in der die örtlichen Bierbrauer auf die Zutaten „Malz, Wasser und Hopfen“ eingeschworen wurden. Mittlerweile konnte sich Lang eingehend mit der ausführlichen Verordnung – als „Reichenhaller Reinheitsgebot“ bekannt – beschäftigen, unter anderem mit der Frage, wie dieses und andere bekannte „Vorläufergebote“ mit dem 1516 erlassenen Bayerischen Reinheitsgebot in Einklang zu bringen waren. Denn sowohl in Landshut als auch in Reichenhall war laut eigener städtischer Verordnungen die Herstellung von Weizenbier erlaubt, ebenso auf dem Gebiet des ehemaligen niederbayerischen Teilherzogtums. Bisher ging man stets davon aus, dass das Bayerische Reinheitsgebot von 1516, in der als Getreidesorte nur die Gerste genannt ist, das Bierbrauen mit anderen Sorten, insbesondere mit Weizen, untersagte. Dies führte in jüngster Vergangenheit immer wieder zu Kritik daran, Weißbiere nach dem Reinheitsgebot 1516 zu deklarieren. 

Übersetzungsfehler im Bayerischen Reinheitsgebot

Der Bad Reichenhaller Stadtheimatpfleger hat nun den Wortlaut des gesamten dafür in Frage kommenden Passus zum Bayerischen Reinheitsgebot untersucht und ist dabei auf eine entscheidende Einschränkung gestoßen: Ein Übersetzungsfehler, immer wieder zitiert, verhinderte bislang die Erkenntnis, dass der Erlass in Wirklichkeit nur für jene Teile des H erzogtums und jene Städte und Märkte Gültigkeit hatte, die nicht über eine gesonderte Bierordnung verfügten. „Verglichen mit den Getränkeverordnungen der Städte waren die Vorschriften von 1516 in ihrem Anspruch deutlich abgeschwächt. Im Sinne eines Auffanggesetzes schuf das Bayerische Reinheitsgebot lediglich einen landesweiten Mindeststandard für alle jene, die noch nicht nach einer bestimmten Ordnung Bier herstellten. Die deutlich höheren Qualitätsanforderungen an das Bier in den Städten mit eigenen Verordnungen wie auch das Niederbayerische Reinheitsgebot von 1493 blieben daher aufrecht“, so Lang. 

Weizenbier wurde beliebteste Biersorte

Nur vor diesem Hintergrund lässt sich erklären, warum das aus Weizenmalz hergestellte Bier auch nach 1516 vor allem auf dem Gebiet des ehemaligen niederbayerischen Teilherzogtums gebraut wurde und bald zur beliebtesten Sorte avancierte, so dass der Bayernherzog im Jahre 1567 sogar einVerbot des Weißbierbrauens aussprach. „Der Grund dafür“, so Johannes Lang „liegt nicht in der vermeintlichen Schonung des Weizens für Brotgetreide, wie immer wieder gebetsmühlenartig dargelegt. Sondern darin, dass die Bauern wegen des bierorientierten lukrativen Weizenanbaus den Anbau von Roggen – damals das Brotgetreide Nr. 1 – vernachlässigten. Deswegen und erst deutlich nach dem Erlass des Reinheitsgebotes musste der Landesfürst einschreiten.“ 

Siegeszug des bayerischen Bieres

Die neuen Erkenntnisse rücken das Bayerische Reinheitsgebot in ein völlig neues Licht. Es ging nicht um eine flächendeckende Anpassung der Braukunst, was einer Nivellierung gleichgekommen wäre. Vielmehr zeigt sich, dass der hohe Standard, den es in Bayern vereinzelt bereits gab, beibehalten werden sollte, während vor allem den Bierbrauen auf dem Land damit erstmals eine Qualitätsauflage gemacht wurde. Die eigentliche Leistung des Reinheitsgebots und seiner Vorläufergebote bestand, so Dr. Lang, in erster Linie in der Beschränkung auf den Hopfen als alleiniger Würzezugabe. Allein diese Qualitätsmerkmale erklären den Siegeszug des bayerischen Bieres zum bekömmlichen Volksgetränk.

Einladung zur Jubiläumsveranstaltung

Der Vortrag von Dr. Johannes Lang findet am Mittwoch, 7. Februar 2018 um 19.30 Uhr in unserem Brauereigasthof "Bürgerbräu" am Rathausplatz in Bad Reichenhall statt. Einlass ist bereits ab 19 Uhr. Sie sind herzlich eingeladen!

Pressemitteilung Unser Bürgerbräu Bad Reichenhall

Rubriklistenbild: © dpa

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