Thema "Asyl" in Bad Reichenhall

"Asylanten sind doch keine Raubtiere"

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Knapp 100 Leute kamen zur Infoveranstaltung ins "Alte Feuerwehrhaus".
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Bad Reichenhall - Aus der Infoveranstaltung am Dienstag wurde mehr eine Diskussionsveranstaltung: Das Thema "Asyl" polarisiert - das zeigte sich schon an den vielen Fragen im "Alten Feuerwehrhaus".

"Bekommt dieser Asylbewerber dann auch Kindergeld für seine sechs Kinder in Afghanistan, wenn er hier ist?" Fragen wie diese zeigten zweierlei am Dienstagabend im "Alten Feuerwehrhaus": Der Informationsbedarf in der Bevölkerung ist nach wie vor riesig und das Thema brennt vielen Leuten unter den Nägeln.
Gedacht als Informationsveranstaltung, wurde letztlich eher eine Diskussionsveranstaltung daraus. Angesetzt von Landratsamt und Stadt sollten die Bürger über das Thema Flüchtlinge informiert werden, speziell über die Situation im Landkreis, knapp 100 kamen. Oberbürgermeister Lackner stand also genauso Rede und Antwort wie Verantwortliche des Landratsamtes, wie Johannes Gruber, Geschäftsbereichsleiter "Sicherheit und Ordnung".

Das erwartet die Kurstadt

Oberbürgermeister Herbert Lackner übergibt das Mikrofon an Johannes Gruber vom Landratsamt. Beide hatten viele Fragen zu klären.

Der Stand der Dinge ist folgender: Bis einschließlich Juni wurden in Deutschland 179.037 Asylanträge gestellt. Die meisten von Syrern (über 34.000), Kosovaren (über 31.000), Albanern (über 22.000), Serben (knapp 16.000) und Irakern (über 9.000). Die Aufteilung der Flüchtlinge in Deutschland erfolgt über ein Schlüsselsystem. 0,12 Prozent aller Asylbewerber kommen demnach ins Berchtesgadener Land, umgerechnet rund 0,02 Prozent sollten nach Bad Reichenhall.

So die Theorie. In der Praxis tragen Reichenhalls Schultern noch relativ wenige Asylbewerber. Bei den insgesamt 758 im Landkreis müssten umgerechnet auf die Stadtgröße 121 in der Kurstadt wohnen - bis Jahresende sogar 167. Doch die Kurstadt bietet momentan nur 64 Asylbewerbern eine Zuflucht. "Wir sind händeringend auf der Suche nach Unterkünften", so Gruber vom Landratsamt. Jeweils rund 45 Flüchtlinge werden im Laufe des Jahres noch in den alten Edeka-Markt am Werkmeisterweg und ins alte Gasthaus "Zum Schroffen" einziehen, aber: "Noch sind die Verträge mit Eigentümer Max Aicher nicht abgeschlossen, die Verhandlungen laufen noch", so Herbert Lackner.

Hitzige Diskussionen

Im "Schroffen" laufen die Arbeiten längst, damit heuer noch 40 bis 45 Asylbewerber einziehen können.

"Es gibt unterschwellig Aufregung und Besorgnis, das merkt man auch hier drin", stellte ein Bad Reichenhaller bei der teils hitzig geführten Diskussion fest und schlug vor, eine Begegnungsstätte für Einheimische und Flüchtlinge einzurichten. Es würde wohl nichts schaden: "Das ist doch pharisäerhaft. Ich weiß, dass diese Leute freiwillig ihre Länder und Familien verlassen, nur um zu uns zu kommen", hieß es da beispielsweise - oder: "Um den alten Edeka am Werkmeisterweg sind viele Ferienwohnungen. Wer will denn mit dem Anblick da dann noch Urlaub machen?" So manchem entfuhr es dabei spontan: "Asylanten sind doch keine Raubtiere!"

Schon während der Sachvorträge wurde immer wieder unterbrochen: "Wie viel Geld bekommen die?", "Wer zahlt das?" Das Team vom Landratsamt musste teils viel Geduld aufbringen: Die Antworten sind nicht immer ganz einfach, Asylbewerber ist nicht gleich Asylbewerber. Ein alleinstehender Flüchtling in einer Gemeinschaftsunterkunft erhält beispielsweise 325 Euro monatlich - das Geld kommt vom Staat. Auch konnte verneint werden, dass die noch ungeborenen Kinder der "vielen schwangeren Frauen" später automatisch deutsche Staatsbürger werden. Trotz aller Bedenken waren auch im "Alten Feuerwehrhaus" klar diejenigen in der Mehrheit, die den Flüchtlingen offen gegenüberstehen: "Jeder muss mit seinen Nachbarn sprechen, dann klappt das".

xe

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