Jede Umarmung half enorm

Große Dankbarkeit bei Mara und Zoran Cica nach „Schießstätten“-Brand in Bad Reichenhall

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Mit einem Plakat im „Schaukasten“, in dem bislang die Speisekarte hing, bedanken sich Mara und Zoran Cica für die große Hilfsbereitschaft der Menschen in und um Bad Reichenhall. „Wir können diese großen Gesten kaum beschreiben“, sagen sie.

Bad Reichenhall - Mara und Zoran Cica, das „Schießstätten“-Wirtsehepaar, hat durch einen Brand am 4. Mai, alles verloren, jeglichen Besitz: Und wenngleich viel Materielles natürlich ersetzbar ist, so wurden doch vor allem unwiederbringliche Erinnerungen – Familienfotos oder Aufnahmen der gemeinsamen Unternehmungen – für immer ein Raub der Flammen.

Die Hilfsbereitschaft, die der ganzen Familie nach der Tragödie vom 4. Mai widerfuhr, können Mara und Zoran kaum in Worte fassen. „Wie sollen wir all den Menschen nur danken, wir würden am liebsten jedem einzelnen die Hände schütteln“. Mara verlor bereits zum zweiten Mal ihr gesamtes Hab und gut, das erste Mal 1992 im Jugoslawien-Krieg.

Die beiden sind so dankbar: Dem Feuerwehrverein unter der Leitung von Burkhart Hupf für die große Räumungsaktion mit 25 Freiwilligen, den Florianijüngern aus Bad Reichenhall, Karlstein, Bayerisch Gmain, Bischofswiesen, Freilassing und Großgmain, die unter der Einsatzleitung von Andreas Gabriel eine noch schlimmere Katastrophe gemeinsam verhinderten. Dem Bezirksfischereiverein Saalachtal unter Vorstand Michael Dorer, der Polizei, dem BRK-Rettungsdienst mit seinen Notärzten, dem Malteser Hilfsdienst, all den Vereinen, die über so viele Jahre bei Mara und Zoran ein gemütliches Lokal für Zusammenkünfte, Klubabende, Weihnachts- oder Geburtstagsfeiern fanden – egal ob Löwen- Fanclub, Tauchclub Thumsee Reichenhall, die TSV-Tischtennisspieler, der Amateur- Filmclub Bad Reichenhall oder viele andere.

Neuen Mut gefunden, Angst genommen

„Von Herzen Danke“, sagt Zoran Cica mit Tränen in den Augen: „So viele Menschen haben nicht nur in der schrecklichen Nacht des Brandes, sondern vor allem auch danach außergewöhnliches geleistet und ein für uns unermessliches Engagement gezeigt – medizinisch wie psychisch“. Der Gastwirt mit viel Herzblut drückt aus, wie enorm wichtig es für ihn und seine Familie war und noch immer ist, in dieser Notlage so viel Hilfe zu erfahren

„Das ist unbeschreiblich. Unsere Existenz war innerhalb weniger Minuten zerstört, unsere Leben wurden aber gerettet“, so Zoran, der glücklich darüber ist, in dieser schweren Zeit „nie allein gewesen“ zu sein. Unzählige Anfragen und Angebote für ganz unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten gingen bei der Familie ein. „In den ersten Stunden nach dem verheerenden Feuer waren wir mut- und kraftlos, voller Angst – aber die Menschen hier haben uns neuen Mut und neue Kraft gegeben und uns die Angst vor der Zukunft genommen“, sagt der 60-Jährige. Schon ein tröstendes Wort, eine „flüchtige“ Aufmunterung, ein liebevolles Schulterklopfen, ein offenes Ohr oder eine herzliche Umarmung hätten enorm geholfen. Dazu natürlich die unzähligen Spenden – egal ob finanzieller oder materialistischer Art – vor allem in der Kürze, unproblematisch und unbürokratisch. Die Steigenberger Akademie kümmerte sich rührig um die Verpflegung sowohl der geschädigten Familie als auch der Feuerwehr-Leute im Rahmen der Aufräumarbeiten.

„Ein herzliches Vergelt‘s Gott“, sagt der Kroate sogar auf bayrisch für all die Hilfeleistungen. Die „Froschhamer Zunft“ übernahm die Abwicklung der Spenden, genauso wie für die Pidinger Familie, die kurz zuvor ihren Mann und Papa bei einem schrecklichen Rad-Unfall verlor. Über 100 Spenden-Quittungen hat Kassier Friedhelm Brandes bereits ausstellen dürfen – für alle Geld-Eingänge ab 200 Euro. Die Bürgerstiftungen der Sparkasse Berchtesgadener Land und der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost eG stellten ebenfalls großzügige Soforthilfen bereit. Die Firmen Gebr. Schmölzl GmbH & Co. KG in Bayerisch Gmain und Pletschacher Recycling GmbH in Freilassing lieferten sofort uneigennützig Container für die Entsorgung an, bei der Maier Früchtegroßhandel GmbH & Co.KG in Piding konnten Mara und Zoran die verbliebenen Küchengeräte einlagern. 

Einbrecher nahmen Kupferrohre mit

Sie können es nicht fassen, dass Einbrecher jüngst Kupferrohre und Reste des erhaltenen Inventars aus der Schießstätte stahlen und obendrein versucht haben, an die Munition der Feuerschützengesellschaft zu gelangen. „Das ist aber alles gut verriegelt“, versichert Cica auch in Rücksprache mit der Polizei. Selbst am Baucontainer vor dem Brandort, in dem lediglich Geschirr, Gläser und halbwegs erhaltene Restaurant-Gegenstände lagern, haben sich die Diebe zu schaffen gemacht, das Schloss aber nicht aufgebracht. Die Tür ist jedoch beschädigt worden.

Zoran Cica ist fassungslos, dass sich dreiste Menschen sogar am Baucontainer vor dem Brandort zu schaffen gemacht haben, um hier vermeintlich „fette Beute“ zu machen. „Dabei lagern darin doch nur ein paar erhaltene Gläser, Krüge, Geschirr, Besteck, Flaschen, nichts weiter“, sagt der 60-jährige Gastwirt enttäuscht. Ansonsten hat er ja alles verloren.

„Danke“ sagen die Cicas der Stadt Bad Reichenhall mit ihren verschiedenen Institutionen für die sofort einberufene Besprechung: „Das hat uns sehr geholfen, vor allem in den ersten, besonders schrecklichen Stunden nach dem Brand“, so Zoran. „Wir konnten somit unsere Gedanken einigermaßen sortieren und einen Weg durch dieses Chaos aus Angst, Sorgen und Ungewissheit finden.“ Der Dank gilt allen, die „an uns dachten und es immer noch tun. Wir bekamen so viel Hilfe und hoffen, niemanden vergessen zu haben.“ 

Zoran Cica macht sich in seiner Not sogar noch Gedanken um jene Gäste, die noch im Besitz von Gutscheinen für sein Lokal sind. Er informiert, dass diese „als Ausweiche“ bis Ende August im Alpengasthof Madlbauer am Thumsee, in den „Poststuben“ in Bad Reichenhall sowie im Gasthof Dreisesselberg in Bayerisch Gmain gültig sind. „Werden sie eingelöst, bezahle ich das“, sagt der Gastwirt. Mittlerweile bekommt er Angebote, momentan nicht im Betrieb befindliche Lokale zu übernehmen – beispielweise den „Fuchsbau“ in der Innsbrucker Straße oder den „Moserwirt“ in Karlstein. „Wir müssen alles noch sacken lassen und uns darüber klarwerden, was wir machen wollen“, sagt er im Gespräch mit BGLand24 abschließend.

bit

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