Fragenkatalog des Stadtrats

"Heiße Luft" auf unangenehme Fragen

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Bad Reichenhall - Hohe Mietpreise? Schlechte Werbung? Wenige Veranstaltungen? Unangenehme Fragen bekam die Kur GmbH von der Stadt gestellt - die Antworten verursachten teils Kopfschütteln.

Die vermeintlich hohen Mietpreise für Kurhaus, Konzertrotunde oder Kurgastzentrum waren wohl nur das drängendste vieler Probleme, die manche in Bad Reichenhall mit der Kur GmbH haben. Ein Fragenkatalog, den der Stadtrat der Kur GmbH im Dezember 2014 zur Beantwortung vorlegte - und nun zurückkam - offenbart die vielen Baustellen zwischen der Stadt und ihren Werbern.

Örtliche Vereine beklagten zu hohe Preise

"In den Antworten steckt sehr viel heiße Luft", zeigte sich Michael Nürbauer in der Stadtratssitzung am Dienstag enttäuscht. 15 Fragen stellte man Gabriella Squarra, der Kurdirektorin. Die 15 Antworten sind manchmal nur zwei Sätze lang. Vieles dreht sich um die Preisgestaltung für die örtlichen Vereine: "Ist es das richtige Konzept seitens der Kur-GmbH, die Philharmonie mit einer derartigen Preisgestaltung zu belegen, dass sie sich die Saalmieten für die Abonnement-Konzerte in Zukunft nicht mehr wird leisten können?" Nicht nur die Philharmonie, auch Stadtkapelle oder Musikschule haben Probleme mit den Mieten.

Es gebe "EU-beihilferechtliche, haushaltsrechtliche und steuerrechtliche Rahmenbedingungen" an die man sich bei der Preisgestaltung halten müsse - auch am Marktpreisniveau und den Selbstkosten müsse man sich orientieren, so die Antwort der Kur GmbH. Nürbauer schüttelte in der Stadtratssitzung den Kopf: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es an diesen EU-Bedingungen liegt, dass man den Saal nicht billiger vermieten kann." Beispiel: Im Königlichen Kurhaus liegen die Fixkosten für einen Aufbau- und einen Veranstaltungstag bei etwa 2400 Euro. Dazu kommen zusätzliche Kosten für Technik, Einlass, Reinigung oder Ticketing. Ab wann sollen "vereinsverträgliche Preise" gelten und wie werden diese aussehen? In der Antwort verweist die Kur GmbH just auf jene aktuell gültige Preisliste, die teils so in der Kritik steht.

Warum kommt eine Monika Gruber nicht nach Reichenhall?

Gegenwind bekam Gabriella Squarra und die Kur GmbH aber nicht nur beim Preisniveau, sondern auch beim Veranstaltungsangebot. Die Gästezahlen bei Kabarett oder Schauspielveranstaltung seien "kontinuierlich gesunken", so die Kur GmbH - daher habe man das Programm zurückgefahren. Es läge auch am veränderten Verhalten der Urlauber: Kurgäste seien durch "Indoor-Aktivitäten" gebunden, die Jüngeren seien in der Natur. "In Laufen oder Berchtesgaden schaffen die es doch auch viele Gäste mit Kabarett anzulocken, zum Beispiel die Monika Gruber. Warum schaffen wir das nicht?", bohre Stadtrat Werner Huber nach. "Wenn die Verluste aus solchen Veranstaltungen getragen werden, dann machen wir das", schoss Squarra zurück: "Aber wir müssen uns refinanzieren. Außerdem nutzen die Reichenhaller selber lieber die Angebote in Salzburg."

"Wie kann die Marke Bad Reichenhall wieder verstärkt beworben werden?", wollte man außerdem im Fragenkatalog wissen. Man verwies auf den Markenprozess im Landkreis, der noch in den Kinderschuhen steckt. Aber die Kur GmbH macht auch klar: "Die Marke Bad Reichenhall stand stets für das Salz und den Kurort." Stadtrat Nürbauer konnte genau das jedoch nicht mehr hören: "Es geht immer um das selbe. Unsere Pressearbeit nimmt schon esoterische Züge an." Man müsse sich dagegen viel mehr nach Salzburg orientieren: Dort habe man die meisten Innenstädte kaputtgemacht, "wir haben dagegen eine tolle Fußgängerzone, Landgasthöfe oder die Predigtstuhlbahn".

Christkindlmarkt-Werbung im Februar

Überhaupt wurde mit dem Marketing der Kur GmbH hart ins Gericht gegangen: Die Touristiker im Chiemgau hätten es geschafft, Flyer in der österreichischen Westbahn unterzubringen, "und Ende Februar hängt in der Salzburger Mönchsberggarage noch ein Plakat für den Reichenhaller Weihnachtsmarkt", schüttelte Nürbauer den Kopf. Auch Gerhard Schröter mokierte sich über die viele Werbung von Salzburger Taxlern am Bahnhofsvorplatz. "Man kann unsere Wirtschaftskraft nicht vergleichen", so Squarra: "Ein Reichenhaller Tourismusbetrieb wird es sich nicht leisten können, in Salzburg zu werben."

Die letzte Hoffnung für ein einheitliches, konsequentes Tourismus-Konzept setzen viele Stadträte auf den kürzlich angeschobenen Markenprozess: Unter dem Motto der "belebendsten Alpenstadt" solle Bad Reichenhall in Zukunft handeln. So wie es aussieht werden Kur und Gesundheit also auch in Zukunft die Themen, mit denen sich Reichenhall nach außen verkaufen wird.

xe

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