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Grüne kritisieren Bad Reichenhalls Bewerbung

"Die LaGa 2022 wird eine Aicher-Blümchen-Olympiade"

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Piding/Bad Reichenhall - Bad Reichenhall hat sich dafür entschieden, an der Bewerbung um die Landesgartenschau 2022 teilzunehmen. Ein Planungsbüro arbeitet derzeit an dem Konzept und auch eine Begehung hat schon stattgefunden. Kritik kommt von den Grünen:

"Kaum ist die finanzielle Zusage von Max Aicher an die Laga 2020 veröffentlicht, wird nur noch positiv über dieses Engagement geschrieben", so kritisiert Bernhard Zimmer im Gespräch mit BGLand24.de die Planungssituation rund um die Landesgartenschau 2022. In dem zweiten unseres Interviews erläutert der Sprecher der Grünen aus dem Ortsverband Piding seine Kritikpunkte an dem Engagement von Herrn Max Aicher und an der Vorgehensweise bei der Bewerbung.

Fortsetzung Interview mit Bernhard Zimmer zur Laga 2022

Herr Zimmer, was sind Ihrer Meinung nach die Gründe, weshalb sich Max Aicher so für die LaGa 2022 engagiert? 

„Sie wissen doch Herr Zimmer, dass es Großereignisse braucht um die Umsetzung von Projekten zu beschleunigen“ hat Herr Aicher mir in einem Telefonat nahegelegt. Ein Großereignis, um unter Zeit- und Erfolgsdruck Projekte zu erreichen, die sonst kaum möglich wären. In ökologisch wertvollen Flächen beispielsweise eine zusätzliche touristische Erschließung zu bauen. 

Im Konzept steht, dass Max Aicher die Untere Schlegel-Alm kaufen möchte oder gerüchteweise sogar schon gekauft hat. Diese soll zur „Erlebnis-Alm“ umgebaut werden, denn die Menschen sollen die Schönheit der Almen, die Mühen der Almwirtschaft barrierefrei erleben können. Wie das geht? Die Predigtstuhlbahn, so steht es im Konzept wörtlich hat eine zu geringe Kapazität und deshalb soll die Untere Schlegel-Alm als zusätzliches Angebot offeriert werden. Barrierefrei ist die Predigtstuhlbahn nicht, aber die Erlebnis-Alm kann man per Forststraße erreichen und der Eigentümer der Alm hat doch eine Fahrterlaubnis und schon ist sie da, die zusätzliche Kapazität. Unfug? Nein, denn Max Aicher denkt weiter: Abb. 137 im Bewerbungskonzept zeigt das Bild der künftigen „Schlegelsesselbahn“ und die Inbetriebnahme ist für 2018 geplant. Max Aicher hat für den Predigtstuhl große Pläne, die stehen aber in groben Widerspruch zu der 1994 eingeleiteten Entwicklung, als man den Skibetrieb eingestellt hat. In den letzten 22 Jahren hat sich dort ein wertvoller Lebensraum für Rauhfußhühner entwickelt, der überregional bedeutend ist! 

Zukunftskonzept Erlebnis-Alm ohne Almwirtschaft? Klar zur dortigen Schaukäserei könnte man die Milch zur Not auch mit dem LKW anliefern. Ich sage, es gibt Gott sei Dank noch viele gute Betriebe, wo es eine lebendige aktive Almwirtschaft zu erleben gibt. Die sollten wir unterstützen anstatt Steuermittel einzusetzen, um eine Aicher-Erlebnis-Alm aufzubauen, die Naturraum unter dem Deckmantel der Landesgartenschau zerstört. 

Max Aicher hat die Idee LaGa an den Stadtrat herangetragen, er hat klare unternehmerische Ziele, klare Vorstellungen. Das sagt er auch ganz offen und das macht ihn ja durchaus auch sympathisch. Er bekennt sich öffentlich dazu, dass er sich für seine Predigtstuhlbahn mit dem vorgelegten Konzept einen erheblichen wirtschaftlichen Vorteil verspricht. Aber es gibt eben auch noch viele andere Interessen, die es abzuwägen gilt. Wann hat diese Abwägung im Stadtrat stattgefunden? Auentunnel, Dolomitabbau, Pumpspeicherwerk, Predigtstuhl, das sind die Projekte des Max Aicher 

Das heißt, Sie sind nicht generell gegen eine Laga 2022 in Bad Reichenhall? 

Nein, aber warum hat man sich nicht, um eine kleine Gartenschau bemüht? Das wäre doch ein tolles Projekt geworden – angepasst an Zeitraum und Lebensraum. 

Welche Probleme sehen Sie, hinsichtlich der klassischen Planung und Entwicklung einer Landesgartenschau verglichen mit unseren geschützten Biosphärenregionen? 

Das vorliegende Konzept passt im wahrsten Sinne des Wortes eben nicht in die Landschaft und in vielen Punkten auch nicht zu den Zielen der Biosphärenregion. Letztere ist ja eben kein Schutzgebiet, sondern hat das Ziel eine nachhaltige Entwicklung der Region zu unterstützen. 

Das Programm „man-and-biosphere“ soll doch eben diesen Konflikt auflösen und Wege aufzeigen, wie wir als Teil des Ganzen unseren Lebensraum nutzen, aber eben im Einklang mit der Natur. Einem Auentunnel wird ja selbst vom Staatlichen Bauamt eine Absage erteilt. Er ist aber fester Bestandteil des Bewerbungskonzeptes, auch wenn OB Dr. Lackner oder Max Aicher das inzwischen abstreiten. 

OB Dr. Lackner geht ja sogar soweit jetzt öffentlich zu behaupten, der Stadtrat hätte sich vom Projekt Auentunnel verabschiedet. Wann ist denn dieser Beschluss gefasst worden, wäre die Frage? 

Vergangene Woche fand eine Ortsbegehung statt, seitens der Stadt Bad Reichenhall. Ist man nun einen Schritt weiter? 

Das müssten Sie eigentlich die Kommission fragen, aber ich halte folgendes fest. Viele Fragen wurden gestellt, weil viele Fragen offen sind. Das Verkehrskonzept, das gänzlich fehlt. Der Hinweis, dass Bad Reichenhall schließlich einen Hauptbahnhof hat, verschweigt natürlich, dass man um den zu erreichen erst einmal den nicht barrierefreien Bahnhof in Freilassing überwinden muss. 

Bis zu einer Million Besucher wünscht man sich verteilt auf sechs Monate, viele kommen traditionell mit Bussen, die allerdings dann aber alle über die B20 kommen werden, weil die B21 für Bad Reichenhall tabu ist. Wesentliche Inhalte des Bewerbungskonzeptes werden inzwischen öffentlich verleugnet, ich nenne nur den Auentunnel. Eine öffentliche Diskussion soll erst nach dem Zuschlag beginnen, darauf legt der OB Dr. Lackner großen Wert. 

Die Bürgermeister der Nachbargemeinden haben, öffentlichkeitswirksam, jeweils ein Exemplar bekommen, damit zumindest die gewählten Mandatsträger mal reinschauen können. Das schafft echt Vertrauen. Da sind wir, die angeblichen „Neinsager“ froh, dass einige Originalexemplare den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben, vom OB persönlich verteilt wurden. In anderen Städten geht man anders vor, aber da stehen auch die Interessen eines einzelnen Unternehmers nicht so im Vordergrund. 

Wie sähe Ihrer Meinung die ideelle Konzeption für eine Landesgartenschau aus? 

Eine spannende Frage, leider hat man die Chance für 2026 ein tragfähiges innovatives Ausstellungskonzept zu entwickeln zu Gunsten der 2022 „Aicher-Blümchen-Olympiade aufgegeben. Ein Satz zum Abschluss sei gestattet: Wer Menschen, die berechtigte Fragen stellen und über Lösungen diskutieren wollen als „Neinsager“ abstempelt, der macht aus Kritikern echte Gegner.

Lesen Sie am Donnerstag auf BGLand24.de, wie Max Aicher auf die Kritik antwortet.

Rubriklistenbild: © Fotomontage pa/Grüne BGL

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