Frischer Wind durch Hartz-IV-Museum?

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Der Getreidestadel in der Bad Reichenhaller Getreidegasse. Er solle das "Hartz-IV-Museum" beherbergen, wenn es nach Martin Schön geht.
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Bad Reichenhall - Seit Jahren steht das Stadtmuseum leer. Ein Vorschlag der Piraten, abseits vom "Marketinggeblubber", würde das bisherige Konzept wohl völlig umwerfen: Ein Hartz-IV-Museum.

Er nennt es ein "Deutsches Museum der neuen Armut".  Was Martin Schön von der Piratenpartei für das alte Bad Reichenhaller Stadtmuseum vorschwebt, lässt aufhorchen. Seit Jahren steht der Getreidestadel in der Altstadt leer, trotz Umbau. "Wir müssen Museen bauen mit Wert, mit einem Anreiz, auch regelmäßig hinzugehen", so Schön im Gespräch mit BGLand24.de. Genau das könne sein anarchisches Museumskonzept leisten, meint Martin Schön.

Eine "Peep-Show" mit Langzeitarbeitslosen

Ein zwingend zu begehendes Labyrinth, aufgebaut aus aufgestapelten Gerichtsakten und tapeziert mit Bewerbungsschreiben; Kochbücher und Rezepte "Satt für zwei Euro am Tag"; Rollenspiele, in denen Szenen aus den Jobcentern nachgespielt werden; Langzeitarbeitslose, die ihre Lebensgeschichte erzählen - "in einer Art Peep-Show". Klar, Schöns konkrete Vorschläge sind mit einem Augenzwinkern versehen. Doch das Konzept ist ihm ernst: "Seit Januar diskutieren wir das. Ich werde auch bald die Stadtratsfraktionen damit konfrontieren."

So weit hergeholt scheint Schön die Thematik nicht: Er verweist auf das vergleichbar geringe Einkommen oder die relativ hohe Arbeitslosigkeit im Berchtesgadener Land. "Die Reichenhaller Tafel hat gemeldet, dass sie über 2000 Menschen versorgt", so "Pirat" Schön: "Außerdem sinkt durch Hartz IV das Rentenniveau mehr und mehr." Er stellt sich auch einen internationalen Ansatz vor: Momentan könne man natürlich Griechenland aufgreifen oder Reichenhaller Partnerstädte thematisieren.

Museum vor zehn Jahren geschlossen

"Vor zehn Jahren wurde das Museum geschlossen, dann umgebaut und seit vier Jahren steht's leer", schimpft Schön. Mit seinem Vorstoß will er außerdem Schwung in die Debatte bringen: "Es ist einfach blöd, wenn ein Gebäude herumsteht und nicht genutzt wird. Seit Jahren versucht man sich in der Stadt an einem Konzept und nichts passiert."

Seine Idee des "Deutschen Museums der neuen Armut" wäre dagegen eine "umfassende, strukturelle Maßnahme, abgehoben vom üblichen Marketinggeblubber". Und sie würde, angesichts wachsender Ungleichheiten überall auf der Welt, wohl kaum an Aktualität einbüßen - zumindest damit hat Martin Schön wohl leider recht.

xe

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