Politikerin: Königliches Kurhaus "entweiht"

Was passierte hier auf der Fetisch-Party?

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Darf man eine eine Lack-und-Leder-Party im Königlichen Kurhaus feiern? Auch wenn die Veranstaltung vor über zwei Monaten stattfand, sorgt sie nun verspätet für Aufregung.
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Bad Reichenhall -  Der "Maskenball" schlägt hohe Wellen. Während sich Politiker darüber empören, sehen unsere User das "Lack-und-Leder-Treiben" im Königlichen Kurhaus toleranter.

Nun ist die Aufregung über die Fetisch-Party vom 21. Juni auch ein Thema für die bundesdeutsche Presse. Auf bild.de ist die Rede von einer "Sex-Orgie", die sich im Königlichen Kurhaus abgespielt habe. Das Nachrichtenportal schreibt über das Geschehen: "Auf der Bühne malten sich nackte Frauen gegenseitig an, Liebesspiele hinter Vorhängen, Dominas in Strapse."

Das Trostberger Tagblatt geht noch weiter: Die Teilnehmer hätten Fesselwerkzeuge und Betten im Séparée benutzt. Auf den Nachttischen lagen Kondome bereit. Ein Anwesender berichtete dem Tagblatt: "Da ging es schon richtig zur Sache." Laut der Süddeutschen Zeitung sei die Alterspanne der rund 400 Partygäste zwischen 18 bis 80 Jahre gewesen.

Auch eine Userin und Szene-Insiderin bestätigt unserer Redaktion indirekt, dass es offenbar zu sexuellen Handlungen gekommen ist: Die Party sei im "'Alles kann, nichts muss'-Kodex" abgelaufen.

"Entweihung der Gemäuer"

Diese Darstellungen sorgen für Empörung in der Politik. Die CSU-Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber (36) behauptet, dies sei eine "Entweihung der Gemäuer". Kaniber hatte im Kurhaus ihre Hochzeit gefeiert.

Das Finanzministerium des Freistaats, Mehrheitsgesellschafter der Kur-GmbH, fordert nun einen umfassenden Bericht über die Fetisch-Party. Das teilte eine Sprecherin des Ministeriums am Montag mit. Auch Oberbürgermeister Herbert Lackner (CSU) verlangt nun beim Gesellschaftertreffen am Mittwoch Aufklärung.

User verstehen Aufregung nicht

Die User unserer 24er-Portale sehen das Treiben im Königlichen Kurhaus weitaus gelassener. Eine Skandalisierung der Fetisch-Party kann die breite Mehrheit der Kommentatoren auf Facebook und auf unseren Portalen nicht verstehen.

So schreibt eine Katharina V.: "Typisch Bad Reichenhall, absolut prüde. Die Leute haben nix getan, niemanden belästigt oder sonst irgendwas."

Manfred H. meint: "Mein Gott haben die Probleme. Total verklemmt." Andreas R. hat ebenfalls kein Verständnis für die Kritiker: "Da will sich wohl wieder eine/r profilieren als Sittenwächter!!!"

Und Stefan M. verweist auf die lange Geschichte der Gemäuer: "Wenn man so in den Geschichtsbüchern blättert, dann waren früher die Orgien am Königlichen Hof bedeutend extremer als eine Fetischparty. Also regt Euch nicht auf der königliche Saal wurde nicht durch diese Party entweiht!" 

Insiderin: "Normale Menschen mit normalen Berufen"

Auch die Szene-Insiderin, die sich bei uns per E-Mail gemeldet hat, findet eine deutliche Antwort auf die Kritiker: "Die Stadt Bad Reichenhall und das Finanzministerium sollten froh sein, dass das Kurhaus gemietet wird und ordentlich hinterlassen wird, statt sich zu beschweren. Und Frau Kaniber sollte von ihrem hohen Ross herab steigen, nicht jeder Bewohner des Chiemgaus ist ihrer Meinung und teilt ihren Zwang, ihren Lebensstil anderen aufzwingen zu wollen. Leben und leben lassen wäre die Devise… nicht katholischer Zwang." Es sei eine Party gewesen, die "von normalen Menschen mit normalen Umgangsformen und Berufen" besucht wurde, die sich "ihrer Sexualität bewusst sind und sich trauen, diese auszuleben", so die Insiderin.

Kur-GmbH will strengere Regeln

Dass die Räumlichkeiten schon anders hinterlassen wurden, bestätigte auch Kurdirektorin Gabriella Squarra dem Radiosender Bayernwelle in einem ersten Statement. Nach mancher Abi-Party sehe es schlimmer aus.  

Mittlerweile aber ruderte die Kur-GmbH aber doch zurück und will nun Konsequenzen ziehen. In einer Pressemitteilung vom Montag heißt es nun: "Als Vermieter der Räumlichkeiten wurde der Charakter der Veranstaltung im Rahmen der gültigen Vertragsbedingungen überprüft, es konnte kein fragwürdiger Hintergrund festgestellt werden. Den jetzt kursierenden Gerüchten wird detailliert nachgegangen, etwaig berechtigte Kritikpunkte werden besonders genau überprüft. Die Geschäftsführerin der Kur GmbH bereitet ein strenges Maßnahmenpaket vor, welches im kommenden Gesellschaftergespräch diskutiert und verabschiedet werden soll."

mg/bgland24

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