Nach Felssturz in Karlstein

Drohen neue Felsstürze auf Wohnhäuser? Das sagt der Geologe

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Der Felssturz hat den alten Steinschlagschutzzaun durchbrochen. Geologe Kilian Scharrer ist sich sicher, dass das bei dem neuen nicht passiert wäre.
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Bad Reichenhall - Ein Grollen ließ die Bewohner Karlsteins am Samstag aufschrecken. Ein kleiner Felsbrocken hatte sich gelöst und eine Kettenreaktion verursacht. Mittlerweile kann für die Bewohner Entwarnung gegeben werden.

Rund fünf Kubikmeter Gestein sind am Samstag im Garten zweier Häuser in Karlstein gelandet und haben dabei nicht unerheblichen Schaden angerichtet. Ein Teil ist in ein Haus gerutscht und hat Teile davon beschädigt. Ein weiterer Teil ist nahe einem Holzschuppen zum Stehen gekommen. Der dritte Teil hat einen Schuppen getroffen und ist am Nachbarhaus zum Liegen gekommen.

Felssturz in Bad Reichenhall

"Insgesamt sind wir vor allem froh, dass nichts schlimmeres passiert ist", zeigte sich Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner erleichtert. Wie auch Christian Staudacher, der Leiter des Ordnungsamtes, bestätigte, ist die Standsicherheit der Häuser nicht in Gefahr. Die zeitweise Evakuierung der Bewohner sei eine reine Sicherheitsmaßnahme gewesen, falls dem Felssturz ein weiterer folgen könnte.

Karlstein bekanntes 'Geo-Risiko-Gebiet'

Deshalb war am Montagvormittag bereits Geologe Kilian Scharrer in dem betroffenen Gebiet unterwegs, um sich ein Bild zu machen. Wie er mittags bei einer Pressekonferenz bestätigte, ist "keine Gefahr in Verzug". Er sei sich sicher, dass in diesem Fall keine größeren Ereignisse mehr nachkämen. "Karlstein ist für uns ein bekanntes Geo-Risiko-Gebiet, deshalb haben wir die Stelle bereits vor ungefähr neun Monaten begutachtet."

Ergebnis des Gutachtens war der Bau eines neuen Steinschlagschutzzaunes. "Der Zaun hätte den Durchbruch der Felsen verhindert", ist sich Scharrer sicher. Die Bauarbeiten für diesen Zaun hatten bereits begonnen, als der Felsen am Samstag durch den alten Zaun brach. Sie haben den Felssturz aber nicht ausgelöst: "Es muss sich ziemlich weit oben ein relativ kleiner Felsbrocken gelöst haben, der dann im Fallen eine Kettenreaktion ausgelöst hat", so Scharrer. "Auslöser war ziemlich sicher der Starkregen am Freitag und Samstag." Das Kalk-Gestein sei wahrscheinlich durch den vorherigen Frost bereits gelöst worden und der Regen habe sein übriges getan.

Felssturz in Karlstein bei Bad Reichenhall

Wer kommt für den Schaden auf?

Die Bauarbeiten für den neuen Zaun dauern noch ungefähr drei Wochen. Bis dahin wird die Baufirma vorsichtig das Kleinmaterial wegräumen und den alten Zaun soweit instand setzen, dass er in dieser Zeit noch hält. Insgesamt investiert die Stadt 200.000 Euro in die Errichtung des Steinschlagschutzzaunes und bezahlt auch die regelmäßige Überprüfung des Hanges. Allerdings "scheint es sich um herrenloses Grundstück zu handeln", wie der Oberbürgermeister erklärte. Deshalb kann auch die Frage, wer für den Schaden aufkommt, noch nicht abschließend beantwortet werden. 

"Die Versicherungen werden sicher erst einmal vor Ort alles in Augenschein nehmen", erklärte Kilian Scharrer. Herbert Lackner stellt sich auf längere Gespräche ein, bis die Zuständigkeit geklärt ist. Wichtig ist für ihn aber nach wie vor, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind. Auch die Bewohner der beiden Häuser werden froh sein, dass ihnen von oben keine weitere Gefahr droht. Nach dem geologischen Gutachten können sie zurück in ihre Häuser. Der Statiker hatte am Samstag schon bestätigt, dass die Standfestigkeit der Häuser nicht gelitten hat.

cz

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