Ein Projekt zur Prävention von Essstörungen im Landkreis Berchtesgadener Land

„Klang meines Körpers“

Bad Reichenhall - „Essstörungen aus der Anonymität holen, ihnen ein Gesicht geben und die Sprachlosigkeit überwinden.“ Die interaktive Ausstellung „Klang meines Körpers“ – Kreative Wege aus der Essstörung wird zum zweiten Mal in den Landkreis geholt.

Organisiert wird sie von der Pädagogin und Präventionsfachkraft Sarah Tichowitsch vom Landratsamt Berchtesgadener Land, Amt für Kinder, Jugend und Familien in Kooperation mit der Erziehungsberatungsstelle und der Fachambulanz für Suchterkrankungen der Caritas Berchtesgadener Land.

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer musiktherapeutischen Gruppe unter Leitung der Projektinitiatorin Stephanie Lahusen. In diesem Rahmen haben Betroffene zusammen mit der Musiktherapeutin und einer Grafikerin dieses Projekt konzipiert und Bilder, Texte sowie musikalische Medien eingebaut, über die Interessierte direkt, aber sensibel angesprochen werden sollen.

Zur Verfügung gestellt wird sie freundlicherweise vom Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Ziel ist es unter anderem, das Thema Essstörungen zu enttabuisieren, die Allgemeinheit dafür zu sensibilisieren und auch kreative Wege aus der Essstörung aufzuzeigen.

Essstörungen – nicht nur eine Krankheit in der weiblichen Bevölkerung

Essstörungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen und gehören heute zu den häufigsten Erkrankungen des Jugendalters. Dabei ist zu beobachten, dass zwar junge Frauen deutlich häufiger betroffen sind, als junge Männer, jedoch der männliche Anteil tendenziell größer wird.

Neben den bekanntesten Essstörungen wie Magersucht (Anorexia nervosa) oder Bulimie (Bulimia nervosa) zählen auch das Binge-Eating (binge eating dis-order, Ess-Sucht) und als neue Erscheinung die „Biggerexi“ auch Muskelsucht genannt dazu.

Jede dieser Störungen bedeutet für die betroffene Person aber auch für das Umfeld eine enorme Herausforderung. Daher ist es notwendig, diesen Störungen frühzeitig präventiv zu begegnen. Denn bereits im Kinders- und gerade im Jugendalter wird bereits von ersten Diä-terfahrungen berichtet.

Das Selbstbild, das Selbstvertrauen, der Umgang mit Gefühlen und Konflikten und auch das Erkennen und Einsetzen eigener Ressourcen spielen in diesem Zusammenhang unter anderem eine bedeutende Rolle.

Unterrichtseinheiten und Workshops für Schulklassen

Für Schulen wird in diesem Rahmen ein besonderes Programm geboten. 14 Klassen aus den Mittelschulen, der Berufsschulen, Gymnasien und des Förderzentrums des Landkreises haben sich zu einem interaktiv gestalteten Workshop an den Vor- und Nachmittagen der Ausstellung angemeldet.

Was in den vorab durchgeführten themeneinführenden Unterrichtseinheiten durch Sarah Tichowitsch und Marion Schrempf (Caritas Erziehungsberatungsstelle) bereits mit der Klasse erarbeitet wurde, soll innerhalb der Workshops vertieft werden.

Zudem wird die Ausstellung durch tolle Kunstprojekte einiger Schulklassen im Landkreis zu diesem Thema ergänzt. Die Ergebnisse dieser Projekte können in diesem Zeitraum ebenfalls in der Ausstellung besichtigt werden.

Erfolgreiche Fortbildung für Lehrkräfte und Sozialarbeiter/innen an Schulen

Da Lehrkräfte und Sozialarbeiter/innen an Schulen in Bezug auf Prävention, Erkennen von Essstörungen und Intervention eine große Rolle spielen, wurde bereits am 23. November im Pfarrsaal in Piding eine Fortbildung organisiert, die mit über 20 Teilnehmer/innen auf großes Interesse gestoßen ist. Die Referentin dieser Veranstaltung war Swenja Heinrich-Varga von der Caritasfachambulanz für Suchterkrankungen und Leiterin der Essstörungstherapiegruppe und brachte neben den fachlichen Informationen viele persönlichen Erfahrungen mit.

Schon an diesem Nachmittag war deutlich erkennbar, dass das Thema Essstörungen viele Teilnehmer/innen nicht nur interessiert, sondern auch berührt.

Darüber hinaus war ein großes Engagement sichtbar, für Schülerinnen und Schüler durch eine positive Beziehung ganz allgemein ein guter Ansprechpartner zu sein, aber auch im Bedarfsfall bestmöglich weiterhelfen zu können.

Die Motivation, Problemlagen zu erkennen und auch Handeln zu wollen ist der erste Schritt, Essstörungen aus der Anonymisierung zu holen und etwas zu verändern.

Ausstellung der Keramikerin Mia Böddecker

Abgerundet wird dieses Essstörungsprojekt mit einer zusätzlichen Ausstellung von Keramikskulpturen der Künstlerin Mia Böddecker aus Ruhpolding, die ebenfalls zu den allgemeinen Öffnungszeiten besucht werden kann. Dort sind Skulpturen aus der Reihe „Kommunikation“ und „Multiple Persönlichkeiten“ aufgestellt, die ganz unter dem Motto „Kunst heilt die Seele“ stehen (mehr Infos unter www.keramikeria.de).

Besucher sind während der allgemeinen Öffnungszeiten herzlich will-kommen:

Städtische Galerie, Altes Feuerhaus Bad Reichenhall, Aegidiplatz 3 Donnerstag, 15. Dezember von 16–19 Uhr Samstag, 17. Dezember von 10–14 Uhr Mittwoch, 21. Dezember von 16-19 Uhr

Der Besuch ist kostenlos.

Ansprechpartnerin: Sarah Tichowitsch Telefon 08651/773-428 oder Mail sarah.tichowitsch@lra-bgl.de

Presseinformation Landratsamt Berchtesgadener Land

Rubriklistenbild: © dpa

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