Bis zu 70 Millionen Euro in Bad Reichenhall investiert

Landesamt für Maß und Gewicht kommt auf altes Eishallen-Grundstück

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Dr. Cord Müller, Physiker am Bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht

Reichenhall – Das „Bayerische Landesamt für Maß und Gewicht“ ist am Wochenende mit der Übergabe des Urkilos und des Urmeters feierlich bei einem „Tag der offenen Tür“ eröffnet worden. Bis zu 70 Millionen Euro wird die neue Einrichtung auf dem Grundstück der alten Eishalle kosten. 50 hochqualifizierte Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

Thomas Weberpals ist voller Vorfreude, als zwei seiner Mitarbeiter, beide mit weißen Handschuhen, jene seltenen Objekte hereintragen, die für das Bayerische Landesamt für Maß und Gewicht die Welt bedeuten: Der Urmeter ist darunter, jene Maßverkörperung der in Frankreich am 1. August 1795 erstmals eingeführten dezimalmetrischen Längeneinheit Meter. Ein Meter sollte der zehnmillionste Teil des Viertels des meridionalen Erdumfangs sein, „vom Pol bis zum Äquator“, sagt Weberpals, rund 10000 Kilometer. Der Urmeter, der hier nun präsentiert wird, ist eine Kopie des Originals, das in Paris sicher verwahrt wird. Den Urmeter anzufassen, ist verboten. „Allein die Fettpartikel der Haut würden das Maß ungenau werden lassen“, sagt Dr. Cord Müller, Physiker am Bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht.

Umzug von München nach Bad Reichenhall

Thomas Weberpals zeigt sich mit dem Umzug von München nach Reichenhall zufrieden. Zwar wird kein einziger Angestellter aus München mit nach Reichenhall ziehen, allerdings hat man rechtzeitig Stellen ausgeschrieben, um die Aufbaueinheit im Kurgastzentrum mit Personal auszustatten. Rund 20 Leute hat Weberpals bereits gefunden, im Laufe der nächsten Jahre möchte man weitere dazu gewinnen können. Knapp zusammengefasst ist die technische Behörde, „die auf eine rund 150-jährige Geschichte zurückblickt, „nun dauerhaft in Reichenhall angesiedelt“, so Weberpals. Sichergestellt wird hier, dass Messgeräte im geschäftlichen und amtlichen Verkehr die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Das reicht von der Überprüfung der Tankanlagen bis hin zum Eichen von Waagen für die Wurst beim Metzger. 

Die sogenannte Metrologische Überwachung soll sicherstellen, dass Messgeräte nur gesetzeskonform durch Hersteller in Verkehr gebracht und nur gesetzeskonform durch die Verwender betrieben werden. „Wir schaffen in Reichenhall unser neues Kraftzentrum“, sagt Weberpals. Immerhin beschäftigt seine Behörde an 17 Dienststellen rund 270 Mitarbeiter. Die Gespräche mit der Stadt über den Kauf des ehemaligen Eishallen-Grundstücks liefen, „wir sind zuversichtlich, dass bald alles in trockenen Tüchern ist“, sagt der Amtsdirektor. Bis zu 70 Millionen Euro wird die neue Zentrale des Landesamtes für Maß und Gewicht kosten. Weberpals wünscht sich ein „würdiges Gebäude für eine wichtige Einrichtung.“ Oberbürgermeister Herbert Lackner sagte, dass es eine „große Ehre ist, dass wir Sie hier bei uns haben dürfen“, und überreichte Weberpals ein Wappen der Stadt. Für Reichenhall sei es „eine schöne Aufgabe, dass wir ein Behördenzentrum bauen dürfen.“ Man warte nur noch auf grünes Licht aus dem Bayerischen Wirtschaftsministerium. Vor Ostern könnte bereits der Grundstücksverkauf abgewickelt sein. Lackner freute sich, dass eine Behörde im südöstlichsten Zipfel des Landes angesiedelt werde.

Dass Stadt und Land Hand in Hand arbeiteten, „ist wichtig für die Qualität“

Es ist wichtig, dass auch der ländliche Raum berücksichtigt wird“, ergänzte Landrat Georg Grabner. Dieser war bis vorvergangene Woche in Pyeongchang, „da habe ich gesehen, wie es ist, wenn ein Land 50 Millionen Einwohner hat, eine Stadt allein 23 Millionen und der Rest des Landes dünn besiedelt ist.“ Dass Stadt und Land Hand in Hand arbeiteten, „ist wichtig für die Qualität“, sagte Grabner. Die Entscheidung, zwei wichtige Einrichtungen, die Bundespolizei in Freilassing und das Landesamt für Maß und Gewicht, in Reichenhall anzusiedeln, sei „wichtig und ein guter Weg für die Zukunft.“ Grabner warte nun „ungeduldig“ auf den Beginn des Neubaus.

Eröffnung von Landesamt für Maß und Gewicht

Auch Urkilo präsentiert - aber bald Geschcihte?

Neben dem Urmeter wurde auch die Kopie des Urkilos gezeigt, ein 39 auf 39 Millimeter großer Zylinder, der aus einer Legierung von 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium besteht. Das Original wird in einem Tresor des Internationalen Büros für Maß und Gewicht in Sèvres bei Paris aufbewahrt. Die Besucher, die bei der Präsentation anwesend waren, zeigten sich fasziniert von dem höchst seltenen Objekt, das das Referenznormal für die Maßeinheit Kilogramm abbildet. „So etwas bekommt man so gut wie nie zu sehen“, sagte Amtsleiter Thomas Weberpals, der aber noch eine ganz besondere Überraschung in petto hatte. Eine silberne Siliziumkugel, deren Herstellung über zehn Jahre gedauert hatte, im Original 1 Million Euro teuer ist und im besten Fall ab 2019 das Urkilogramm überflüssig machen soll.

„Es ist in Deutschland entwickelt worden, man kann exakt feststellen, aus wie vielen Atomen die Kugel besteht“, sagte Weberpals, der mit der Siliziumkugel im besten Fall eine Neudefinition der Einheit Kilogramm anstrebt. In der Tat sind die Sorgen bei so manchem Physiker über das Urkilogramm groß. Dieses ist geschrumpft, hat an Gewicht verloren, womöglich durch einen Reinigungsprozess. „Das kann uns mit der Siliziumkugel nicht mehr passieren“, sagte Weberpals, der das seltene Objekt nun in Bad Reichenhall begrüßte. Bereits im nächsten Jahr, am 20. Mai 2019, könnte die Kugel, parallel zum 150-jährigen Bestehen des Landesamts für Maß und Gewicht, das Urkilo ablösen und damit eine Neudefinition der Einheit Kilogramm besiegeln.

In den neu eingerichteten Büroräumen im Kurgastzentrum konnten sich die zahlreichen Gäste von der Arbeit der Mitarbeiter des Landesamts ein Bild machen. So nahmen etwa einige Stadträte und Oberbürgermeister Lackner am „Schreitest“ teil. EichamtsLeiter Ronald Kraus überwachte die Messung. Beamte des Landesamts zeigten auch die Eierkontrollmaschine. Eier-Dummies in verschiedenen Größen und mit festgelegtem Gewicht werden in die Sortieranlagen gelegt, „um zuschauen, dass die Größe auch passt“, sagt der zuständige Landesamt-Mitarbeiter. 

Bürger, die eine Waage im Gepäck hatten, konnten sich diese eichen lassen, Christian Peschik, künftig Technischer Oberinspektor im Eichwesen, erklärte das Vorgehen bei Unternehmenstests. Unangekündigt besuchen Peschik und seine Kollegen Firmen, um deren Produkte auf die tatsächlichen Inhalte hin zu überprüfen. In der Vergangenheit hat es immer mal wieder Unstimmigkeiten gegeben. „Wir sind im Sinne der Verbraucher unterwegs.“ Die Eichämter unter dem Dach des Landesamtes überprüfen alle nur erdenklichen Messgeräte, etwa Waagen bei Ärzten oder an der Wursttheke, ebenfalls zeigte Georg Faltermeier den Tankstellenprüfwagen, der die Zapfsäulen auf die tatsächlichen Abgabemengen hin kontrolliert. Auch bei Schankanlagen kommen die Kontrolleure zum Einsatz, denn eine Maß Bier beinhaltet bekanntlich nicht immer einen Liter, sondern vielmehr jede Menge Schaum. In der Tat hat jeder Verbraucher das Recht, sich ein leeres Glas beim Wirt zu bestellen, um das gezapfte Bier umzufüllen und anhand des Eichstriches festzustellen, ob die gekaufte Menge auch im Glas ist.

Kilian Pfeiffer

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