Einkaufszentrum "Am Pulverturm" kommt!

Investor: "Jetzt können wir loslegen"

+
Die Pläne für das Einkaufszentrum "Am Pulverturm" hingen öffentlich im Sitzungssaal aus.

Bad Reichenhall - Drei emotionale Stunden benötigte der Stadtrat, um einen einzigen Beschluss zu fassen: Am Gaswerksgelände wird ein Einkaufszentrum entstehen.

Am Ende waren's sieben Gegenstimmen: Von den drei anwesenden Mitgliedern der Grünen-Fraktion, von FDP-Stadtrat Gerhard Schröter, von Hans Hartmann (CSU) und seiner Fraktionskollegin Dr. Evi Jung sowie von Dr. Wolf Guglhör (SPD). Vor der aufgrund eines Antrags von Gerhard Schröter namentlichen Abstimmung - für Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner etwas neues - verlas Stadtbaumeister Thomas Knaus die 15-seitige Beschlussvorlage mit allen Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange. Die meisten befürworteten die Pläne trotz durchaus zahlreich geäußerter Bedenken, klar dagegen äußerte sich der Bund Naturschutz in Bayern e. V.

Bevor es jedoch zur Abstimmung kam, entbrannte eine hitzige Diskussion, da die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen Dringlichkeitsantrag stellte. Darin forderte die Ökopartei die Verwaltung auf, mögliche Auswirkungen die mit der Ausweisung eines Sondergebietes mit der Zweckbestimmung "Einkaufszentrum" auf dem ehemaligen Gaswerksgelände entstehen, durch eine vorhabenbezogene Verträglichkeitsuntersuchung detailliert untersuchen zu lassen. Kurz: Die Grünen strebten ein Einzelhandelsgutachten an. Viele weitere Monate wären bei einer positiven Abstimmung einmal mehr ins Land gezogen, ehe weitere "Fortschritte" bezüglich des Geländes "Am Pulverturm" hätten vollzogen werden können.

Investor verlässt zufrieden das Rathaus

Zunächst sah es so aus, als würde dieser Antrag durchgehen. Doch nach instensiven 60 Minuten Diskussion beriet sich die CSU-Fraktion intern und stimmte schließlich fast geschlossen gegen den Dringlichkeitsantrag der Grünen. Somit konnte der Beschlussvorlag "SO - Einkaufszentrum" mit 4.500 Quadratmetern Verkaufsfläche seinen Weg gehen. Im Frühjahr will der Investor, die Manfred Reichholf Immobilien GmbH aus Pfarrkirchen, loslegen: "Endlich", so der Geschäftsführer sichtlich erleichtert. Er verließ mit einem zufriedenen Strahlen das Reichenhaller Rathaus.

Zwei Abbiegespuren, ein Einkaufszentrum auf zwei Etagen, Stellplätze oder- und unterirdisch, zahlreiche verschiedene Anbieter und vieles mehr sollen entstehen.

Die reinste Blamage

Zuvor gab vor allem FWG-Stadrat Fritz Grübl einmal mehr ordentlich Gas: "Wir blamieren uns hier nach Strich und Faden und murksen rum. Was haben sie eigentlich für ein Rechtsempfinden", stellte er die Frage an jene Kollegen, die laut seinen Worten "umfielen" und jetzt plötzlich gegen das Projekt seien - obwohl im Stadtrat bereits mehrfach und mehrheitlich für das Projekt am Gaswerksgelände gestimmt wurde. Grübl befürchtete bei einer Ablehnung Schadensersatzklagen des Investors: "Denn das was der Stadtrat hier macht ist Betrug".

Zwölf lange Jahre beschäftigte das noch länger brach liegende Grundstück an der Berchtesgadener Straße die Entscheidungsträger Bad Reichenhalls. Dem widersprach lediglich Bruno Rettelbach von den Grünen: "Schon 1994 haben wir über dieses Gelände diskutiert".

Tourismusstandort statt Einkaufsstadt

Gerhard Schröter will den Tourismusstandort Bad Reichenhall gesichert sehen: "Wir sollten ihn ausbauen und für dort oben eine gute Lösung finden". Der FDP-Mann sieht auch beiden Investoren Situationsveränderungen - vor allem bei der Zeitspanne, in der das Thema "Am Pulverturm" nun schon behandelt werde. Darum müsse laut Schröter über andere, neue Möglichkeiten nachgedacht werden.

Auch Hans Hartmann (CSU) hätte lieber einen Betrieb in der Oberstadt, der "saubere Arbeitspläte" bietet, ausbildet und den Wirtschaftsstandort stärkt, anstatt einmal mehr einen unkontrollierbaren Mehr-Sortimenter hinzustellen. Auf Anregung der Regierung von Oberbayern wird das Kerngebiet in ein Sondergebiet umgewandelt. Das heißt: Die zulässigen Sortimente werden festgesetzt, um Nutzungen auszuschließen, die das Stadtzentrum schwächen könnten. Die Änderung des Gebietstypus wurde mit dem Bauwerber abgestimmt.

Das ist eine Blanko-Vollmacht

Für SPD-Mann Dr. Wolf Guglhör ist die Verkaufsflächen-Liste der Knackpunkt: "Das ist eine Blanko-Vollmacht, das muss geändert werden". Gerhard Fuchs (FWG) zeigte sich erfreut über die "endlich einmal dezidierte Meinung des Oberbürgermeisters", wertete den Dringlichkeitsantrag der Grünen jedoch als überflüssig: "Das gäbe einigen nur wieder die Möglichkeit, sich hinter sogenannten Expertenmeinungen zu verstecken".

Ein Teil der Sitzung fand auf Antrag von FWG-Stadtrat Friedrich Hötzendorfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - was im Publikum teilweise nur unter Protest hingenommen wurde. Es ging um mögliche Kosten, die ein Einzelhandelsgutachten unter Umständen verursachen würde.

Hans-Joachim Bittner

Zurück zur Übersicht: Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser