Bad Reichenhall - einen Monat vor der Wahl

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Bad Reichenhall – Bis zur Bad Reichenhaller Oberbürgermeisterwahl ist es noch genau einen Monat hin. BGLand24 zieht deshalb eine erste Bilanz des bisherigen Wahlkampfes.

Ein in Bayern weit verbreitetes klassisches Wahlkampfmittel ist es, in Wirtshäusern in zünftiger und traditioneller Atmosphäre die Bürger von den eigenen Standpunkten zu überzeugen. Oftmals bleibt es dabei bei einem Versuch, manchmal gelingt es aber auch, die Bürger mitzureißen und ihnen das Wahlprogramm schmackhaft zu machen. Der Kandidat der Piratenpartei, Wolfgang Britzl, verzichtete bisher als Einziger auf diese Form des Wahlkampfes und wird voraussichtlich auch keine „Bürgerversammlung“ – wie er es nennt – mehr machen. „Wenn dann nur zwei oder drei Leute kommen, ist das dann auch wieder idiotisch“, so der Pirat gegenüber BGLand24.

Martin Knabenreich (FWG)

Von den Freien Wählern wurde er als erster Kandidat ins Rennen geschickt, als Erster präsentierte er ein Wahlprogramm und folglich sprach er auch als Erster im Gasthof Bürgerbräu – selbige Lokalität wählten wenig später auch seine Kontrahenten Adelheid Rupp, Amtsinhaber Herbert Lackner und Manfred Hofmeister. Die Rede ist von Martin Knabenreich. Doch weniger er sorgte für Furore, sondern vielmehr sein Chef aus den Reihen der Freien Wähler, Friedrich Hötzendorfer.

In seiner Begrüßungsansprache an das gespannte Publikum bezeichnete er Oberbürgermeister Lackner wörtlich als „eine Fehlbesetzung“ und warf ihm unter anderem vor, nur bei Grußworten so richtig zu glänzen. „Unterste Schublade, eine Attacke auf die niveauloseste Art“, urteilte nachher ein Zuhörer hart. Ein anderer meinte: „Er hat doch nur den Istzustand beschrieben, das war harmlos!“ Der Kandidat selbst jedenfalls hielt sich mit persönlichen Angriffen zurück. Thematisch stach vor allem seine Positionierung für den Kirchholztunnel heraus. Außer ihm tat dies keiner. „Mutig“, meinte daher nachher eine Dame aus dem Auditorium gegenüber BGLand24. Mit einer Anspielung auf ein berühmtes Zitat des regierenden Berliner Bürgermeisters, Klaus Wowereit, scherzte der Kandidat in Bezug auf seine Bielefelder Herkunft: „Ich bin ein Zugereister und das ist auch gut so!“

Adelheid Rupp (SPD)

Nicht nur Knabenreich, sondern auch die Kandidatin der SPD, Adelheid Rupp, konnte die Europastube des Bürgerbräus einige Tage später füllen. „Gut dass sie hier sind, da wissen sie gleich, mit wem sie es zu tun haben“, begrüßte der SPD-Ortsvorsitzende Guido Boguslawski die anwesenden Vertreter der anderen Parteien weniger herzlich, jedoch auch mit humorvollem Unterton. Weder Amtsinhaber Lackner, noch irgendein anderer Kandidat wurde im Laufe der Veranstaltung namentlich erwähnt. Dennoch gab es reichlich Kritik am Zustand der Stadt. So sah die Kandidatin Rupp die Kurstadt in einem „Dornröschenschlaf verweilen“, aus welchen man sie „wachküssen“ müsse. Bei ihr war es nicht der Kirchholztunnel, sondern das Thema Tourismus, welches die Bürger aufhorchen ließ: „Wir geben denen eine dreimonatige Frist. Wenn sie dann noch immer kein besseres Marketingkonzept für Bad Reichenhall entwickelt haben, treten wir aus!“, wetterte die für die Landkreise Ebersberg und Berchtesgadener Land im Landtag sitzende Oberbürgermeisterkandidatin in Richtung der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH. Zwar steht diese von allen Seiten in der Kritik, doch kein Kandidat beklagte so deutlich die mangelnde Vermarktung der Kurstadt wie Rupp. Auf ihrer Internetseite bezeichnet sie sich schon als „Oberbürgermeisterin“. „Arrogant“ nannte sie daher in einer Wortmeldung ein Bürger, schob jedoch hinterher: „Muhammad Ali war das auch und aus ihm ist ein ganz Großer geworden!“ Überhaupt entwickelte sich nach Rupps Rede im Gegensatz zur Knabenreich-Veranstaltung eine äußerst intensive Diskussion, was viele der Anwesenden als sehr spannend empfanden.

Herbert Lackner (CSU)

„Ring frei für die nächste Runde“ hieß es wenig später für den Amtsinhaber Herbert Lackner. Dieser verzichtete auf ein Rednerpult und ging anstatt dessen während seiner Rede mit einem Mikrofon durch die Besucherreihen. Diese waren prall gefüllt, ein zusätzlicher Raum musste geöffnet werden. Hier wurde der Amtsinhaberbonus deutlich spürbar. Die neue Methode kam beim Publikum sehr gut an.

Für große Diskussionen, auch noch für die Tage nach der Veranstaltung, sorgten seine Äußerungen zur Predigtstuhlbahn. Diese müsse unbedingt erhalten bleiben, notfalls müsse die Stadt selbst als Betreiber einspringen. Priorität habe jedoch ein Investor, mit dem man bereits seit über zwei Jahren in Verhandlungen stehe. „Da können wir möglicher Weise bald Vollzug melden“, zeigte sich Lackner optimistisch. Zuvor unterstrich Lackner die aus seiner Sicht positiven Entwicklungen der letzten Jahre und schwärmte hierbei unter anderem von dem neuen Sport- und Familienbad an der Rupertus-Therme. So gut vielen Zuhörern die Aufmachung des Vortrages gefiel, so kritisch äußerten sich aber auch einige zu den Inhalten: „Der verspricht zu viel“, meinte beispielsweise ein Besucher.

Manfred Hofmeister (Grüne)

„Nicht nur die Grünen, sondern auch viele unabhängige Bürger haben mich ermutigt, zu kandidieren“, meinte Grünen-Kandidat Manfred Hofmeister in der von ihm selbst durchgeführten Begrüßung. Er schloss die Reihe der Auftaktveranstaltungen ab und tat sich dabei schwer, das Publikum durch seine sehr sachliche und wenig emotionale Art des Vortrages mitzureißen – so das Empfinden vieler anwesender Reichenhaller. „Es war sehr sachlich und damit auch sehr informativ“, meinte eine andere hingegen. So liefert Hofmeister als bisher einziger Kandidat einen konkreten Gegenvorschlag zum Kirchholztunnel. Der in Paris stationierte Oberst i. G. will sich für eine Mautfreiheit auf der Salzburger Südautobahn bis zur Abfahrt Salzburg-Süd einsetzen. Der Durchgangsverkehr nach Berchtesgaden könne somit umgeleitet werden. Profitieren davon würde nicht nur Reichenhall, sondern auch die Gemeinden Piding und Bayerisch Gmain. Das Wort „unrealistisch“ war im Zusammenhang damit bei der Veranstaltung von einigen Seiten zu hören. Aber auch optimistische Ansätze wie „Lasst es uns doch mal versuchen“, waren keine Seltenheit. Reichenhaller Polit-Experten handeln Hofmeister als einen möglichen Kandidaten für die Stichwahl, er selbst traut sich dies auch zu – wie man hört. Entsprechend groß war das Interesse bei seinem Wahlkampfauftakt Seitens der politischen Gegnerschaft. Diese besetzten einen maßgeblichen Teil der verfügbaren Plätze.

Alle Kandidaten werden in den kommenden Wochen noch die ein oder andere Veranstaltung durchführen, bei der sich der Bürger ein Bild machen kann. Am 11. März liegt die Entscheidung dann bei ihm.

stw

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