Bad Reichenhalls Grünen-Stadtrat Nürbauer klagt an

"Straßenbauamt verharmlost Umwelteingriffe durch Kirchholztunnel"

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Bad Reichenhall - Zuerst hat das Staatliche Bauamt Traunstein den Variantenvergleich für eine Ortsumfahrung der Stadt vorgestellt. Dann gab der Stadtrat mehrheitlich grünes Licht für eine erneute Planung des Kirchholz- und Stadtbergtunnels. Der Fraktionssprecher der Bürgerliste-Die Grünen Michael Nürbauer hat seine Zweifel.

Bereits in der Stadtratssitzung am 9. April erklärte Michael Nürbauer: "Der Kirchholztunnel ist schon einmal wegen Unwirtschaftlichkeit aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden. Ich bin überzeugt, der Tunnel wird nie gebaut." Im Gespräch mit BGLand24.de begründet er seine Aussage, äußert seine Bedenken zum Kirchholztunnel und erklärt, welche Variante aus seiner Sicht die realistische ist.

Herr Nürbauer, warum sind Sie überzeugt, dass der Kirchholztunnel nie gebaut wird?

Seit mehr als 40 Jahren wird an dem Kirchholztunnel geplant. Das Planfeststellungsverfahren ruht und muss komplett neu aufgerollt werden. Das bedeutet, wir müssen noch einmal ganz von vorne anfangen. Der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, Christian Rehm, hat selbst gesagt, dass ein Zeitraum von zehn Jahren realistisch ist, bis das neue Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist und mit dem Bau begonnen werden kann.

2030 läuft aber der jetzige Bundesverkehrswegeplan aus. Derzeit ist die Bad Reichenhaller Ortsumfahrung mit dem Kirchholztunnel noch im vordringlichen Bedarf, aber in zehn Jahren wird der Kirchholztunnel möglicherweise keine Rolle mehr spielen. Da geht das Wunschkonzert für den Verkehrswegeplan wieder von vorne los. Außerdem wird der Kirchholztunnel nach jetzigen Vorschriften eine zweite Röhre brauchen, das heißt er wird massiv teurer und damit unwirtschaftlich.

Unwirtschaftlichkeit ist für Sie aber nicht der einzige Grund, den Kirchholztunnel abzulehnen.

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Nein, aus meiner Sicht verharmlost das Staatliche Bauamt die Umwelteingriffe durch den Kirchholztunnel. Vor allem am Golling wird der Eingriff ganz gewaltig. Auch wenn Herr Rehm bei der Variantenprüfung erklärt hat, es gebe noch Nachbesserungspotential, gilt das doch nur für die Einschleifer. Der Rest ist Schönschleiferei. Die Lkws kommen mitten am Golling raus, das kann man nicht schön reden. Somit ist die Burg Gruttenstein und der gesamte Golling als wichtiges Naherholungsgebiet zerstört und im Naherholungsgebiet Kirchholz wird ein großer Schlot entstehen. Die Abgase werden vor allem nach Marzoll, Türk, Bayerisch Gmain und Großgmain geweht. Das ist keine harmlose Sache.

Außerdem wird die Oberstadt massiv durch Lärm- und Abgase belastet werden. Immerhin ist genau dort die Lücke zwischen Stadtberg- und Kirchholztunnel. Noch dazu wird der Kreisverkehr in Piding durch den Kirchholztunnel massiv mehr belastet. Um dieses Problem zu lösen, kann nur ein Vollanschluss der A8 in Schwarzbach kommen, was einen massiven Flächenverbrauch bedeuten würde, den der Stadtrat mehrheitlich abgelehnt hat.

Laut Staatlichem Bauamt ist der Kirchholztunnel aber die einzige Variante für eine Umgehungsstraße, die Aussicht auf Erfolg hätte.

Das ist ein Luftschloss, das man sich da zurecht legt. Wir müssen aktuell handeln, dass die Bewohner an der B20/21 jetzt vom Lärm entlastet werden. Für mich ist realistisch, dass die alte Umgehungsstraße weiter genutzt wird und dafür brauchen wir einen vernünftigen Lärmschutz. Außerdem müssen wir eine Klage gut vorbereiten, um den Lkw-Ausweichverkehr über den Thumsee wegzubekommen.

Was spricht dagegen, diese aktuellen Maßnahmen trotzdem zu ergreifen und eine neue Umgehungsstraße nebenbei zu planen? Welche Variante wäre für Sie in so einem Fall umsetzbar?

Präsentation des Variantenvergleichs des Staatlichen Bauamtes Traunstein

Die Stadt ist gespalten, was den Kirchholztunnel betrifft. Die Stadt ist auch gespalten, was den Auentunnel betrifft. Die Untertunnellung im Bestand wäre mehrheitsfähig, da haben wir eine Chance verpasst, die Prüfung genauer voranzutreiben. Die Lkws können während der Bauzeit über die A8 umgeleitet werden und auch der Güter-Nahverkehr kann über die A8 - Traunstein - Inzell - Schneizlreuth umfahren. Der Bau könnte in Etappen stattfinden, so dass eben nicht der ganze Verkehr durch die Stadt fließen muss. Es gibt viele Beispiele in Österreich, wo das gut gelungen ist.

Das Staatliche Bauamt beurteilte diese Situation bei der Variantenprüfung anders und auch der Stadtrat hat der weiteren Planung für den Kirchholztunnel mehrheitlich zugestimmt.

Das ist richtig. Aber wir müssen uns in diesem Fall auf Widerspruch und Klagen einstellen. Wir planen als Stadt Bad Reichenhall auf Bayerisch Gmainer Gebiet. Ich kenne Leute, bei denen wird der Tunnel 20 Meter unter ihrem Wohnzimmer durchlaufen. Außerdem werden die Bayerisch Gmainer den Kirchholztunnel einstimmig ablehnen. Was machen die Planer dann?

Eine Frage, die wir an das Staatliche Bauamt Traunstein weitergeben und über die wir ausführlich berichten werden.

cz

Rubriklistenbild: © pixabay/dpa

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