30-Jähriger ist CSU-Oberbürgermeister-Kandidat in Bad Reichenhall

Amtierender Oberbürgermeister äußert sich zur Niederlage - Gegenkandidat sieht Spaltung

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Versucht, den Blick nach vorne in die Zukunft zu richten: Bad Reichenhalls CSU-Oberbürgermeister-Kandidat Dr. Christoph Lung.
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Bad Reichenhall - Mit Spannung war die Entscheidung erwartet worden, wen die CSU als Oberbürgermeister-Kandidaten aufstellt. Auch wenn der Vorstand Oberbürgermeister Herbert Lackner nicht mehr aufstellen wollte, hatten doch am Mittwochabend (24. Juli) die Mitglieder die letzte Entscheidung.

Update, 11.35 Uhr:

Jetzt hat sich Oberbürgermeister Herbert Lackner zu der Entscheidung geäußert, dass die CSU Bad Reichenhall ihren Vorsitzenden Christoph Lung zum Oberbürgermeister-Kandidat gewählt hat.

„Ich war zwar gestern enttäuscht, aber grundsätzlich habe ich damit gerechnet. CSU intern wurde seit Wochen und Monaten gegen mich gearbeitet. Ich gratuliere selbstverständlich meinem Gegenkandidaten und hoffe auf einen fairen Wahlkampf. Es ist ein gutes Signal für lebendige Demokratie, wenn der amtierende Oberbürgermeister sich zur Wahl stellt. Ich freue mich darauf“, sagte er gegenüber BGLand24 und bestätigt damit seine bereits angekündigte eigenständige Kandidatur für den Oberbürgermeister-Wahlkampf bei der Kommunalwahl 2020.

Für vier Gruppierungen tritt Boris Bregar zur Oberbürgermeister-Wahl an. Mittlerweile hat er zwei Mitbewerber, wie er es ausdrückt.

Der bereits im Mai nominierte gemeinsame Kandidat von FWG, SPD, Grünen und FDP, Boris Bregar, freut sich über viele Mitbewerber um das Amt des Oberbürgermeisters. "Ich sehe es nicht als Wahlkampf. Wir lassen die Bürger die Wahl treffen, wer aus ihrer Sicht dieses Amt übernehmen soll. Mit vielen Kandidaten gibt es auch viele Wahlmöglichkeiten", so Bregar. Für ihn zeigt das Ergebnis von 53 (Lung) zu 39 (Lackner) Stimmen allerdings, dass die CSU doch sehr gespalten ist. Der 49-Jährige ist überzeugt, dass auch die Bürgerliste noch einen Oberbürgermeister-Kandidaten aufstellen wird.

Erstmeldung:

94 Mitglieder waren zur Aufstellungsversammlung der CSU beim Seewirt am Thumsee gekommen. Sie alle warteten auf die Vorstellung der beiden Kandidaten Dr. Christoph Lung und Dr. Herbert Lackner. Zweiter lasse es auf eine Kampfabstimmung ankommen, wurde im Vorfeld oft diskutiert. Denn der CSU-Vorstand hatte Lackner im April mitgeteilt, ihn nicht mehr aufstellen zu wollen.

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Eine fünfköpfige Kommission prüfte daraufhin Vorschläge aus den Reihen der Mitglieder und der Bevölkerung und führte Gespräche. Die Wahl fiel letztlich auf den 30-Jährigen Ortsvorstand Dr. Christoph Lung. Der setzte sich am Mittwochabend auch gegen den amtierenden Oberbürgermeister Herbert Lackner durch. "Von den 94 anwesenden Mitgliedern stimmten 53 für Dr. Christoph Lung und 39 für Dr. Herbert Lackner. Zwei Stimmen waren ungültig", bestätigte der Stadtratsfraktion-Sprecher Martin Schoberth gegenüber BGLand24.

Lung freut sich natürlich über das Ergebnis der Abstimmung: "Ich finde, das war gestern ein guter, fairer und demokratischer Auswahlprozess mit einem ehrlichen Ergebnis", erklärte er auf Nachfrage von BGLand24. "Der Abend war für mich natürlich spannend: Die erste gute Nachricht war, dass die Versammlung im Seewirt in jeder Hinsicht reibungslos abgelaufen ist. Dadurch hat sich aus meiner Sicht auch die Kritik im Vorfeld relativiert", spielte er auf die Diskussion darüber an, ob der Seewirt ihm in die Karten spielen würde, wenn ältere Leute nicht zum Veranstaltungsort kommen würden.

Stadtratsliste im Herbst - OB will eigenständig antreten

Beide Kandidaten haben in der Versammlung ihre Sichtweisen dargelegt. "Herr Dr. Lackner hat insbesondere die Erfolge der CSU in der Vergangenheit gelobt, ich habe versucht, den Blick nach vorne in die Zukunft zu richten und aufzuzeigen, wo wir in den nächsten Jahren Handlungsbedarf haben", so der 30-Jährige. "Es freut mich sehr, dass ich die Mehrheit der Mitglieder von meinen Konzepten überzeugen konnte. Es ist immerhin keine Selbstverständlichkeit, den Amtsinhaber bei einer Abstimmung zu bezwingen. Damit haben mir die Mitglieder ein großes Vertrauen gegeben. Jetzt werden wir hart daran arbeiten, diesem Vertrauen gerecht zu werden."

Dr. Herbert Lackner will bei der Kommunalwahl 2020 eigenständig antreten.

Konkret sollen im Sommer die organisatorischen Weichen gestellt, die Vorbereitungen zu einem zukunftsweisenden Wahlprogramm für Bad Reichenhall getroffen und im Herbst dann die Stadtratsliste aufgestellt werden. "Das heißt: Die Arbeit geht jetzt erst richtig los und ich freue mich, jetzt gemeinsam mit vielen Mitstreitern Konzepte und Ideen für unsere schöne Stadt zu entwickeln", schloss der Oberbürgermeister-Kandidat.

Sein Kontrahent hat gegenüber dem Bad Reichenhaller Tagblatt bereits angekündigt, bei der Kommunalwahl 2020 eigenständig als Oberbürgermeister-Kandidat anzutreten. Dafür will der Amtsinhaber einen Verein gründen, für den er sieben Mitglieder braucht.

cz

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