Wie geht es mit der Tunneldiskussion in Bad Reichenhall weiter?

Auen- oder Kirchholztunnel? Das sagt der Bund für Naturschutz

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Auen- oder Kirchholztunnel? So spricht der Bund für Naturschutz
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Bad Reichenhall - Heftige Diskussionen, juristische Stellungnahmen und viele Kritikpunkte. Im Gespräch mit BGLand24.de erläutert nun der Bund für Naturschutz seine Position:

Viele Beteiligte, egal ob direkt oder indirekt haben sich bereits zu Wort gemeldet in der Diskussion um den Auen- bzw. Kirchholztunnel. BGLand24.de wollte vom Bund für Naturschutz (BN) wissen, wie dessen Mitglieder zu dieser Frage stehen:

Gespräch mit Ute Billmeier

"Bereits vor Jahren hat sich der Bund für Naturschutz gegen den Kirchholztunnel ausgesprochen. Gründe dafür sind unter anderem: Der Golling in der Gemarkung Bayerisch Gmain wird komplett zerstört. Dort würde die Ausfahrt aus dem Kirchholztunnel stattfinden und etwas weiter die Einfahrt in den Stadtbergtunnel erfolgen", so Ute Billmeier.

Und ergänzt: "Lärm und Abluft von kreisenden Fahrzeugen würde jede Freizeitgestaltung am Golling und direkt vor der Burg Gruttenstein unmöglich machen. Der beliebte Rodelberg im Winter wäre nicht mehr vorhanden genauso wie die beliebten Spazierwege rund um den Golling verloren gehen würden. 

Durch Ein- und Ausschleifung in den KHT, aus dem Tunnel heraus und in den Stadtbergtunnel hinein und auch wieder heraus findet ein massiver Flächenverbrauch statt

Am Stadtberg wird dafür hektarweise Schutzwald vernichtet. Es ist nicht geklärt, ob durch den KHT nicht doch die Solequellen betroffen sind. Sollte es zum Bau kommen, soll die Nutzung der Quellen nach vorliegendem Planfeststellungsverfahren 'zu Trinkzwecken oder dergleichen in der Bauzeit unterbleiben'.

Ungeklärt sind die Entlüftung des Tunnels (Abluftkamin) – Bayerisch Gmain wird den Abluftkamin auf seinem Gebiet nicht akzeptieren - und die Beeinträchtigung der FFH- und Landschaftsschutzgebiete. Auch weil der Tunnel zu großen Teilen im Grundwasser verläuft, hat der Gemeinderat von Bayerisch Gmain dieses Projekt am 22.04.2013 mit nur einer Gegenstimme abgelehnt".

Alternativvariante vom Bund für Naturschutz

Im weiteren Gesprächsverlauf fügt Billmeier hinzu: "Vom BN wurde eine Alternativvariante erarbeitet und beim BMVI eingereicht, die aber mit einer ablehnenden Stellungnahme des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren abgelehnt wurde

Zum Auentrunnel haben wir bislang noch keine konkreten Aussagen vornehmen können, da uns keine Planvorlagen vorliegen. Bisher kennen wir nur den in der Passauer Neuen Presse veröffentlichten Plan in Verbindung mit der Landesgartenschau. 

Sobald uns ein Planentwurf vorliegt, werden wir diesen eingehend prüfen. Grundsätzlich haben wir tatsächlich einige Bedenken. Im Bereich der Au befinden sich kartierte Biotope und Artenschutzkartierungen. In diese sensible Landschaft mit vielen Arten von Tagfaltern und seltenen Vögeln darf nicht eingegriffen werden".

Ergänzend zitiert Ute Billmeier das Straßenbauamt: "Vom Leiter des Staatlichen Straßenbauamtes Traunstein war 2016 folgende Aussage zu lesen: 'Die topographische und rechtliche Notwendigkeit für den Bau eines Tunnels ist nicht geklärt. Daher ist die große Frage, ob der Bund sich mit finanziellen Leistungen an diesem Tunnel beteiligen wird. 

Ausschlaggebend sind die hohen Kosten, deshalb wird um jeden Meter Tunnel gerungen'. Uns ist auch nicht bekannt, dass zum Thema Grundwasser ein Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes vorliegt, was jedoch eine Grundvoraussetzung für die Planung des Auentunnels darstellt".

Kritik an Max Aicher

Abschließend kritisiert Billmeier noch: "Grundsätzlich hat der Bund für Naturschutz die Befürchtung, dass der Unternehmer Max Aicher auch mit dem Auentunnel wirtschaftliche Pläne weiterhin verfolgt. Abschließend ist zu sagen, dass mit dem Auentunnel die Lärmbelästigung an der Umgehungsstraße entschärft würde, die Verkehrsbelastung vor und nach dem Tunnel jedoch die gleiche bleibt. 

Was sich der BN gut vorstellen kann, ist eine Tieferlegung der vorhandenen Trasse mit entsprechendem Lärmschutz in Form von Lärmschutzwänden oder Einhausung. Das spart Flächenverbrauch, Zeit, und Geld und würde der Bevölkerung unmittelbar und sehr zeitnah zu Gute kommen.

Weitere Statements aus Politik und Wirtschaft zur Diskussion Auen- oder Kirchholztunnel folgen auf BGLand24.de

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