Leere Läden, schlechte Parkmöglichkeiten

Was stoppt die Verödung der Innenstadt?

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Schluss nach Jahrhunderten Einzelhandel: Wassermanns in der Poststraße.
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Bad Reichenhall - Europark und Internet machen den Läden das Leben schwer - die Frage beim Bürgerforum war also: Wie das Sterben der Innenstadt stoppen? Auch Politessen seien nicht unschuldig.

Christian Klotz vom Einzelhandelsverband fand am Mittwochabend die deutlichsten Worte. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Es ist nur eines von vielen Beispielen, aber ein sehr anschauliches: Der Einzelhändler Wassermanns in der Poststraße hat derzeit Räumungsverkauf. 20 Prozent auf alles. Der Laden für Kochen, Haushalt und Wohnen wird schließen, 418 Jahre Einzelhandelsgeschichte werden in diesem Fall zu Ende gehen. Beispiele wie diese lassen die Geschäftsleute in Bad Reichenhall zittern und gleichzeitig sauer werden - denn wie sich beim Bürgerforum von Grünen und Bürgerliste am Mittwoch zeigte, würden die Ideen zum Stopp der Innenstadtverödung nur so sprudeln.

Macht die große Reichenhaller Konkurrenz das "Juwel Innenstadt" kaputt?

"Bad Reichenhall ist nach wie vor einzigartig mit seinen Kaffeehäusern und immer noch schönen Geschäften", so Christian Klotz vom Einzelhandelsverband. Auch Stadtrat Michael Nürbauer sprach vom "Juwel Innenstadt". Doch die Bilder, die er den rund 80 Zuhörern im Luisenbad zeigte, sprachen eine etwas andere Sprache: Leere Geschäfte in der Poststraße, der Baustopp im Ortenaupark, schlechte Bodenbeläge in der Fußgängerzone, kaum ausgelastete Parkplätze bei den ehemaligen Stadtwerken.

Auch der Chef des Luisenbades selbst ließ sich nicht das Wort nehmen. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Es ist auch die Konkurrenz die den Einzelhändlern der Innenstadt das Leben schwer macht, aber es war nicht nur Kritik an Globus, Europark und Internethandel. In erster Linie störte man sich an den hausgemachten Konkurrenten: "Das Einkaufszentrum am alten Gaswerk und das am Bahnhof waren riesige Fehlentscheidungen. Sowas darf nie wieder passieren", polterte Christian Klotz. Bereits durchs Internet verlöre man 25 Prozent an Umsatz, durch die große Reichenhaller Konkurrenz kämen weitere 20 Prozent hinzu. "Sogar die Österreicher haben es inzwischen kapiert und stellen nach dem Selbstmord ihrer Innenstädte fest, dass es an den riesigen Einkaufscentern außerhalb liegt", spielte er auf den Salzburger Baustopp für Einkaufs-Großprojekte an.

Bessere Werbung, mehr Parkmöglichkeiten

Wie kann die schöne Reichenhaller Innenstadt also gerettet werden? In vielen Dingen waren sich die anwesenden Geschäftsleute einig: Ein weiteres Parkdeck an der Heilingbrunnerstraße wäre "die Chance", so Oliver Juhasz vom Modehaus, "sonst geht kein Investor mehr nach Reichenhall". Auch die Straßen und Fußwege in die Innenstadt müssten einheitlicher und besser ausgeschrieben werden. "Es gibt ja nicht mal Stadtpläne", so Christian Klotz. Außerdem müsste der österreichische Transitverkehr am kleinen und großen deutschen Eck viel mehr ausgenutzt werden - "aber wir bekommen von der BGLT die mit Abstand schlechtesten Werbemittel im ganzen Alpenraum". Auch einheitliche Öffnungszeiten beispielsweise am Samstag wurden ins Spiel gebracht.

"Politessen müssen lächeln und sympathisch sein"

Zweiter Bürgermeister Manfred Hofmeister. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Zusätzlich zum fehlenden Parkhaus haderte man auch mit den jetzigen Parkregeln: "Nach den zwei Stunden gratis Parken vergraulen wir die Leute mit Strafzetteln", so der frühere Stadtrat Klotz. 70 bis 80 Prozent der Kunden müssten wegen dieser Regelung die Stadt vorzeitig verlassen. Und Klotz legte nach: "Die Aufgabe der Politessen muss es sein, nicht die Leute zu vertreiben und zu bestrafen, sondern sie zu begrüßen, zu lächeln, sympathisch zu sein und den Leuten zu zeigen, wo man parken kann."

Wie könnte schnell reagiert werden? Manfred Hofmeister, zweiter Bürgermeister, hätte zumindest Ideen für erste Schritte. Wie andere Städte auch bräuchte man einen Stadtplaner, der sich mit Bauvorhaben beschäftigt: "Die Bauanträge in der Verwaltung stapeln sich schon längst." Außerdem bräuchte es ein Bürgerbüro, eine Ansprechstelle für die Bürger, um bei der Stadt schnell eine Auskunft zu bekommen.

xe

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