Bündnis 90 stellen Stadtratskandidaten vor

Bad Reichenhall soll konkurrenzfähiger werden

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Manfred Hofmeister, Rupert Reischl, Jens Holst, Michael Nürbauer, Monika Tauber-Spring, Norbert Scheuerer, Susanne Reiners, Juliane Sachse, Andreas Staller (von links)

Bad Reichenhall - Beim Wahlkampfauftakt im Bürgerbräu in Bad Reichenhall stellten die Grünen ihre Stadtratskandidaten vor. Ihr Ziel: Die Stadt soll konkurrenzfähiger werden.

Sie wollen die lebenswerte Stadt, in der wirtschaftlicher Auf­schwung mit ökologischem Weitblick vereinbar ist. Zünftige Blasmusik der Marzoller Schlossberg Musikanten empfing die politisch Interessierten im bestens besuchten Saal des Brauereigasthofs Bürgerbräu. Nach der Begrüßung durch Jens Holst für die Grünen und Manfred Hofmeister für die Bürgerliste legten die einzelnen Kandidatinnen und Kandida­ten von Bündnis 90/Die Grünen und der Bürgerliste Reichenhall ihre Ideen und Vorstellun­gen dar.

Auch Stadträte na­hezu aller anderen Gruppierungen lauschten diesen Ausführungen sehr aufmerksam. Manfred Hofmeister ist vielen Reichenhallern noch in guter Erinnerung. Nur knapp war er bei der Oberbürgermeister-Stich­wahl vor zwei Jahren dem Amtsinhaber Dr. Herbert Lack­ner un­terlegen. Er sprach vom Charme der Stadt, betonte deren gute Tradi­tionen und die Le­bensqualität: "Trotzdem spüren die Menschen, dass Vieles nicht so läuft, wie es sollte." Deshalb solle der mündige Bürger künftig frühzeitig in wichtige Planungen eingebunden werden. Wir dür­fen nicht alles als ge­geben hinnehmen, was von oben kommt und gesagt wird," erklärte der Sprecher der neuen Bürgerliste Bad Reichen­hall, und rät den Bürgern, kritischer zu werden und wacher.

Der Fraktionssprecher und Spitzenkandiat für Bündnis 90/Die Grünen, Michael Nür­bauer, beklagte, dass einige vom Stadtrat beschlosse­ne "Anträge seit eineinhalb Jahren in der Verwaltung schlummern", auch sei der Stadtrat nicht immer richtig informiert wor­den. Der größte Fehler in Reichenhall sei das Fehlen von Ge­samtkonzepten: Dies gibt es weder für die Stadtentwicklung, noch für den Einzel­handel, weder für alle in der Stadt beheimateten Bildungsträger und Schulen noch für die Senio­ren. Die Situation sei äu­ßerst problematisch und verfahren, führte Nürbauer weiter aus, weil es darüber hinaus es an einer en­gagierten und professionellen Führung mangle.

Akteneinsichtsrecht für Stadträte erkämpft

Michael Nürbauer ließ in kompakter Form die Fraktionsar­beit der letzten Legislaturperiode Revue passieren. „Wir haben uns engagiert einge­bracht. Das wird uns von vielen Bürgern, aber auch von Kollegen bestätigt. Wir ha­ben das Recht auf Aktenein­sicht für alle Stadträ­te erkämpft!“ Nürbauer erinnerte auch an die rund vier Millionen Euro Defizit der Kur-GmbH im Jahr 2013, wovon die Stadt circa 1,2 Millionen zu tragen hat und bemerkte: "Beim Tourismus sind wir hinten dran, da stehen wir, wenn man die Kliniken abzieht, schlechter da, als Inzell oder Ruhpol­ding. Auch mag sich der Fraktionssprecher nicht mit dem Werbekonzept der BGLT anfreunden: "Da rangiert Bad Reichenhall irgendwo hinter Ramsau."

Vorstellung der Bewerberinnen und Bewerber um ein Stadtratsmandat

Monika Tauber-Spring ist Mittelschulrektorin und will künftig Einfluss auf Entscheidun­gen und Entwicklungen in der Stadt nehmen, in der sie geboren und aufgewachsen ist, mit ih­rer Familie lebt und arbeitet. Sie möchte an ihrer Schule bereits mehr­fach erfolgreich durch­geführte Pro­jekte zwischen jungen Leuten und Senioren ausweiten und so mehrere Generationen zu­sammen führen. Die erfahrene Pädagogin ist Spezialistin für einen sinn­vollen Ausbau von schulischen Ganztagsangeboten und dazu bereit, an einem schuli­schen Gesamtkonzept sowie einem Nutzungskonzept für das Heimatmuseum mitzuarbei­ten, das nunmehr end­lich seiner Bestimmung übergeben werden müsse. Außer­dem setzt sie sich für Familien ­freundlichen Wohnraum und ein Generationen übergreifendes Wohnen ein: „Wenn in Frei­lassing ein Mehrgenerationenhaus funktionieren kann, warum dann nicht auch bei uns in Bad Reichenhall?“

Der 58-Jährige Manfred Hofmeister stellte sich Angehöriger der Bundeswehr und als Ver­messungsingenieur vor, zudem unterstrich er sein Engagement in der Bau­biologie. Er sprach von der Wichtigkeit eines Stadtentwicklungskonzepts, bei dem die Bürger von Beginn an zu beteiligen sind. Dabei sei es auch an der Zeit, den Flächennutzungsplan der Stadt aus dem Jahre 1988 zu erneuern. Es dürfe nicht sein, dass ständig nur fallweise ohne grundlegendes Konzept entschieden wird. Ansiedlungen von Betrieben am Stadtrand mit Innenstadtsortiment schwächen. Die Konkurrenz in der Innenstadt könne mit wichtigen Leitbetrieben gefördert werden, von erhöhter Kundenfrequenz lebe die Innenstadt. Fehler anderer Städte sollte Bad Reichenhall nicht wiederholen.

Stadtrat und Sportreferent André Schreiber, der gerade eine Meister­ausbildung in Magde­burg be­sucht, bedauerte sehr, nicht persönlich anwesend sein zu können und ließ der Ver­sammlung herzlichen Grüße nebst der Versicherung übermitteln, dass er sich gerne wei­terhin für die Belange der Stadt einsetzten werde.

Nor­bert Scheuerer ist die Nummer fünf auf der gemeinsamen Liste. Der 52-Jährige ist Offizier in Bad Reichenhall. Er sprach von den "unglaublichen Drei" die Bad Reichenhall nicht weiterbringen wür­den und meinte damit "Sollte man, müsste man, könnte man". Er ist es leid, dass nur viel ge­redet wird, dann aber die Umsetzung fehlt. In puncto Bundes­wehr wünscht sich Scheuerer ver­besserte Unterstüt­zung bei Wohnraumbeschaffung, Kinderbetreuung und Berufsmöglich­keiten der Partner von Soldaten.

Andreas Staller, Installateur bei den Stadtwerken und TSV-Fußball-Abteilungsleiter ist überzeugt, dass Reichenhall voran gebracht wird, wenn "Einiges geändert wird". Dafür will er sich im Stadtrat einsetzen. Er nimmt wahr, dass "die Jugend gut drauf ist, doch ohne ehrenamtliche Arbeit geht gar nichts. Wenn wir zusammenhalten bei der Jugendarbeit, tun wir etwas für alle Bevölkerungsschichten. Aber die ehrenamtliche Arbeit verdient und braucht die Unterstützung durch die Stadt."

Der 44-Jährige Jens Holst ist selbstständiger Zimmerermeister. Vor zwei Jahren ist der gebürtige Hannoveraner hier nach Bad Reichenhall gekommen. Die vergangen Jahre der Kommunalpolitik hat er nicht kennengelernt, dafür aber bringe er den „Blick von außen“ mit. Die Bereiche Ausbil­dung und Berufsorientierung für Jugendliche sowie Ressourcen schonendes Bauen lägen ihm besonders am Herzen. Susanne Reiners ist dagegen in Reichenhall aufgewachsen und davon überzeugt, dass Veränderungen, die man an­strebt nur dann Realität werden, wenn man selbst mit an­packt. Die Lageristin ist verheira­tet und hat einen 12jährigen Sohn.  

Regionalvermarktung und Landwirtschaft

Besonders hervorgehoben wurde die Stadtrats-Arbeit von Bruno Rettelbach. Fraktions­sprecher Nürbauer würdigte den 89-Jährigen als "ältesten Kommunalpolitiker Bayerns" und dankte Rettelbach für seine wegweisende Arbeit als Umweltreferent und seinen politi­schen Spürsinn. Hans Gruber aus Karlstein ist aktiver Landwirt und brach eine Lanze für die Regionalvermarktung und für die Initiative Gentechnikfreie Stadt. Gerade Reichenhall mit einem Schwerpunkt bei Kur und Gesundheit solle dies in die Werbung einbringen. Der Landwirt kandidiert nicht, weil er in seinem Be­trieb zu sehr eingespannt ist, doch wird er einen Arbeitskreis zur Regionalvermarktung lei­ten. Er betonte, dass es im Stadtgebiet 364 ha Siedlungs-und Verkehrsfläche gibt. Dem stün­den 733 ha landwirtschaftliche Fläche ge­genüber, die das Ortsbild entscheidend prägen und großen Anteil an der Attraktivität Bad Reichenhalls als Fremdenverkehrsort haben.

Die Philharmonie als kultureller Leuchtturm

Intendant Stefan Hüfner von der Bad Reichenhaller Philharmonie informierte über die er­folgreiche Arbeit des Orchesters und betonte dessen große Bedeutung als Werbeträger für die Stadt und als kulturelle Bereicherung für Bürger und Besucher. 

Vielfach, auch in der anhaltend span­nenden Schlussdiskussion, wurden Themen wie Haushalt, verbesserte Tourismuswer­bung, die Stärkung der Innenstadt und der Fußgän­gerzone, grünlandschonende Bebau­ung und kurortver­trägliche Ge­werbeansiedlungen an­gesprochen. Die lebendige Innenstadt solle gestärkt wer­den, da sind sich alle Kandidaten einig. Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen sei ein entscheidender Punkt und die Kultur müsse gleichberechtigt ne­ben der Bildung stehen.

In diesem Zusammenhang betonte FDP-Stadtrat Schröter die wichtige inhaltliche parteiübergreifend gute Zu­sammenarbeit zwischen ihm und der Grünen Fraktion und bedankte sich beim Fraktions­sprecher dafür. Ab­schließend betonte Manfred Hofmeister noch einmal die Schwer­punkte Bürgerbeteili­gung und Transparenz in allen Planungsphasen. Nach knapp drei Stunden endete der Wahlkampf-Auf­takt von Bünd­nis 90/ Die Grünen und der Bürgerliste Bad Rei­chenhall, der den Zuhörern detaillierte In­formationen zum Wahlprogramm der neuen Listenvereinigung kompetent dargeboten habe.

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen/Bürgerliste Reichenhall

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