Vier Parteien, ein Kandidat

OB-Kandidat Boris Bregar: „Meine Partei ist Bad Reichenhall“

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Boris Bregar lebt seit 15 Jahren in Bad Reichenhall. Nach der Kommunalwahl 2020 will er Bürgermeister sein.
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Bad Reichenhall - Vier Parteien, ein gemeinsamer Kandidat für den Chefsessel im Rathaus, das haben auch nicht viele Städte zu bieten, Bad Reichenhall schon. SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler gehen am 15. März 2020 mit dem 49-jährigen Boris Bregar ins Rennen.

Der gebürtige Eggenfeldener lebt seit 15 Jahren in der Großen Kreisstadt und fühlt sich längst als Reichenhaller, er ist Managementtrainer und Vorstand des 380 Mitglieder starken Ski-Klub Bad Reichenhall, im Umgang mit den Medien ist er ein Profi. Beim ersten Interview mit BGLand24.de auf der Dachterrasse eines Kaufhauses sind alle Fragen erlaubt, alles wird beantwortet, keine Spur davon, dass er vier Parteien, also korrekterweise drei Parteien und eine Wählergruppierung und deren Meinungen unter einen Hut bringen müsste, Bregar ist Bregar, so sein Motto. Politisch engagiert hat sich Bregar bisher nicht, also nicht Parteipolitisch, „ich bin kein Mitglied einer Partei, auch jetzt nicht“, so der gelernte Hochbautechniker, „aber jede der vier Parteien, die mich jetzt aufstellen, hat auch schon einmal meine Stimme bekommen“, gibt der 49-Jährige zu.

Das Angebot-SMS

Der Weg zur Kandidatur für diese vier Parteien begann in den jeweiligen Ortsvorständen, an einem Abend im Februar hätte ihm Julia Schmied von den Grünen dann eine SMS geschrieben, dass sie eben über die Kommunalwahl beraten würden „und Du wärst der ideale OB-Kandidat“. Bregar denkt zuerst an einen Scherz, doch schon am nächsten Tag ruft Schmied an, nein, es sei kein Scherz gewesen, Bregar glaubt in diesem Augenblick noch an ein Angebot der Grünen. „Ich lege zwar Wert auf eine intakte Umwelt und auf Nachhaltigkeit, aber ich bin nicht der typische Grüne“. Doch die Grünen suchten keinen typischen Ihresgleichen, „ich sprech ja nicht nur im Auftrag der Grünen, sondern auch von drei weiteren Parteien“. Die spontane Reaktion Bregars: „Jetzt wird’s interessant“.

Auf seine erste Frage, wie die vier ausgerechnet auf ihn kämen, bekommt er zur Antwort, er sei mit dem Ski- Klub und anderen Sportveranstaltungen gut vernetzt in der Stadt und auch bekannt. Das Angebot beginnt ihm zu schmeicheln, „mein erster Gedanke war, wenn die jetzt auch mich kommen, dann bin ich wohl endgültig in Reichenhall angekommen“. Familie und Freundeskreis reagieren unterschiedlich, sie reichen von „Mah super, mach das“ bis zu „Bist du verrückt, tu dir das nicht an“. Soll er, soll er nicht, er überlegt. „Mir ist eine ausgeglichene Work-Life-Balance sehr wichtig, liebe die Berge, aber ich bin auch ehrgeizig und mag Herausforderungen“, und, noch eine klare Ansage, „ich mache den OB-Job sicher nicht wegen des Geldes, denn mein Verdienst ist jetzt garantiert höher“, so der Kandidat, ebenso seine Freizeit. Aber er fühlt sich sozusagen berufen, „mich regt die Mentalität auf, wenn jemand nur schimpft und viele gegeneinander arbeiten, es ist doch besser, wir tun uns für Reichenhall zusammen“. Dass jetzt SPD, Grüne und FDP, sowie die Freien Wähler hinter ihm stehen sieht er schon als einen Anfang, „also ich hätte nie für eine Partei alleine kandidiert, meine Partei ist Bad Reichenhall“.

OB-Casting

Bregar hat das Gefühl, „Reichenhall kann anders“, und verrät dabei vielleicht schon seinen Wahlkampfslogan. Aber wie will er als Parteifreier Oberbürgermeister was bewegen mit vier Parteien im Hintergrund, die aktuell 12 von 25 Stadträten stellen? „Wichtig ist doch, dass man alle, die im Stadtrat sitzen, in eine Richtung bringt“, und das könne man mit einer „vernünftigen Kommunikation“ erreichen. Er meint damit, dass man in einer Sitzung nicht eine Beschlussvorlage hinwerfe „und jetzt stimmen wir ab, sondern schon vorher versuche, alle ins Boot zu holen“. Aber wo steht er, wo steht der Oberbürgermeister-Kandidat bei Sachfragen, zum Beispiel dem Kirchholztunnel, bei dem sich die vier ihn unterstützenden Parteien auch nicht einig sind? „Meine Meinung ist unabhängig, wenn ich zu einem Thema alle Informationen habe bilde ich mir meine eigene Meinung“.

Wahlkampf am Käsestand

Ein Wahlkampf kostet viel Geld, wie viel die drei Parteien und die Gruppierung (FWG) zusammen für die Bregar-Kandidatur ausgeben wollen ist noch nicht ausgeschnapst, fest steht nur, Bregar selbst beteiligt sich nicht, „also nicht finanziell, aber ich bringe ja dann sehr viel Zeit ein, vor allem dann ab Januar“. Über das Wahlprogramm und die Strategie wird mit den Ortsvorständen und zwei Freunden noch beraten, es ist ja auch noch genügend Zeit. „Fest steht nur, es wird kein klassischer Wahlkampf“ verrät der 49-Jährige, es soll mehr Social Media-Aktivitäten geben, also Bregar auf Facebook und Instagram, „wobei man auf Instagram mittlerweile die ganz Jungen von 18 bis 25 erreicht, auf Facebook bis ungefähr 55 Jahren“. Die vier Parteien werden im Wahlkampf natürlich auch für ihre Partei und ihre Sitze im Stadtrat kämpfen, „gut möglich dass ich da stundenweise auf ihren Info-Ständen vorbeischaue“, aber er könne sich auch vorstellen, am Markt zum Beispiel am Käsestand „Kas zu verteilen, ich liebe Regionales“. Also doch ein klassischer Wahlkampf mit ‚Rosen verteilen‘? Nein, also Rosen verteile ich sicher nicht“, antwortet Bregar lachend.

Mit beiden L-Herausforderern auf Du und Du

Bisher gibt es zwei weitere Kandidaten für den Oberbürgermeistersessel der Kreisstadt, der amtierende OB Herbert Lackner und sein Parteiinterner Rivale Christoph Lung. Kennt er die beiden L-Kandidaten? „Ja natürlich, ich bin mit beiden per Du und schätze beide als Menschen sehr“, nur das Gerangel um die Kandidatur innerhalb deren Partei empfinde er als ein „Kasperltheater, also richtig sinnvoll ist das nicht“, aber mehr wolle er sich da nicht einmischen. Über die Stadtratssitzungen bisher hat er sich nach einigen Teilnahmen als Besucher auch schon seine Meinung gemacht, „ein bisschen kappeln ist ja gut, aber zum Teil gehen die Äußerungen schon unter die Gürtellinie, also ich als Versammlungsleiter, und ein solcher ist ja der Oberbürgermeister in der Situation, würde ich da öfters einschreiten“.

Dass er als Parteifreier OB mehr Zeit für die Parteien bräuchte, „um alle vor Beschlüssen ins Boot zu holen“, ist Bregar klar, und auch in der Verwaltung möchte er „alle mitnehmen die Lust haben, etwas für die Stadt zu verändern“. Und jetzt dringt doch noch seine Ausbildung zum Führungs- und Managementtrainer durch, „ich möchte alle auf eine Reise mitnehmen von einer Verwaltung zu einem Serviceorientiertem Dienstleistungsunternehmen“. Klingt so, als ob keine Zeit mehr für den Bürger übrig bliebe? „Aber die Bürger sind doch die Nutznießer wenn ich mit den Parteien und der Verwaltung zeitintensiv arbeite“ zeigt sich Bregar überzeugt. Repräsentationsaufgaben gehörten natürlich dazu, „aber das wird für mich nicht die Hauptaufgabe sein, es gibt auch einen Zweiten und Dritten Bürgermeister, die auch Repräsentanten der Stadt sind“.

Möchte mindestens zwei Perioden bleiben

Abschließend ein Blick in die Zukunft, angenommen er schafft den Sprung in das Rathaus als OB nicht, was dann? „Also noch einmal probier ich es nicht“, soll heißen, entweder schafft er es jetzt oder nie. Er werde auch danach Parteifrei bleiben. Und wenn er es schafft, als Oberbürgermeister in das Rathaus von Bad Reichenhall einzuziehen? „Dann möchte ich auf alle Fälle mindestens zwei Perioden machen, denn in der Politik dauert vieles schon sehr lange, und in einer Periode ist vielleicht nicht alles erreichbar“.

Bregar Vita:

Bregar ist am 1. August 1970 in Eggenfelden geboren, „ich sage immer, ‚ein Geburtsfehler‘, was mir meine niederbayerischen Freunde schon übel nehmen. Sein Vater war Bauingenieur, seine Mutter hatte eine Fahrschule, den ersten Kontakt mit dem Berchtesgadener Land hat Bregar bereits 1986, als ihn die Eltern zum Abschluss des Realschule zur Christopherus Schule nach Berchtesgaden schickten. Zurück in Eggenfelden macht er das Fachabitur an der Fachoberschule in Pfarrkirchen, zum Zivildienst kehrt er schon wieder nach Berchtesgaden an die Christopherus Schule zurück. „Mir hat es damals schon sehr gefallen im Berchtesgadener Land, ich bin einfach ein Bergmensch und war schon mit den Eltern immer am Berg und im Winter jedes Wochenende beim Skifahren“.

Mit 22 Jahren will er studieren, Betriebswirtschaft, doch der Vater meint, das würde jeder studieren, er solle doch besser ein Bauingenieur-Studium absolvieren. Er macht’s, in Regensburg, doch nach zwei Semestern stellt er fest, es ist alles sehr theoretisch. Bregar will praktisch arbeiten, und beginnt eine Lehre als Zimmerer in einem Unternehmen in Eggenfelden. „Das ist ein total spannender Beruf, du siehst am Abend, was du gemacht hast“. Nach dem Abschluss der Lehre arbeitet er drei Jahre als Geselle weiter, um dann an der Fachschule für Hochbautechniker in München einen Abschluss als Zimmerer-Meister und Hochbautechniker zu machen, „man ist dann eine Art kleiner Architekt, darf Häuser bis zu drei Wohnungen planen“.

Es folgen Jobs als Montageleiter bei einem Fertighaus- Hersteller und eine zweijährige Selbstständigkeit, zusammen mit einem Freund, „das wäre auch noch weiter gelaufen, wenn ich dann nicht aus familiären Gründen nach Bad Reichenhall gezogen wäre“.

Ab 2004 ist Bregar dann Montageleiter eines Unternehmens in Freilassing, „später als Geschäftsführer der eigenen Montage-GmbH, da arbeitet man dann quasi auch wieder wie ein Selbstständiger“. Es folgen Stationen bei einem Fertighaus-Hersteller in Seebruck und einem deutschlandweiten Dübel-Hersteller, für den er erst als Verkaufsleiter, später als Vertriebsleiter in Deutschland, Österreich und in der Schweiz unterwegs ist.

Die nächste, berufliche Neuorientierung steht 2015 ab, Bregar will wieder selbstständig werden. Als Skilehrer und Ausbilder hat er sich schon oft mit Fragen der richtigen Mitarbeiterführung beschäftigt, „Leuten etwas zu vermitteln hat mir schon immer Spaß gemacht“, er macht eine Ausbildung zum Führungskräfte-Trainer bei einem anerkannten Institut in Bottrop, zusammen mit 26 Kollegen ist er nun Deutschlandweit für das Unternehmen tätig, als Selbstständiger.

Michael Hudelist

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