Pressemitteilung Initiative transitfreies Karlstein

Man sieht nur, was man weiß!

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Der Thumsee mit dem Ristfeuchthorn im Hintergund in der Abendstimmung

Bad Reichenhall - Spektakuläre Bilder sind Dr. Michael Wittmann bei seinen Jahre langen Naturbeobachtungen rund um den Thumsee gelungen.

Um zeigen zu können, warum dieses Gebiet zwischen dem Ortsende von Karlstein und dem Antoniberg zu Recht unter Natur- und Biotopschutz steht, hat er sein umfangreiches Bildmaterial zu einer Diaschau zusammen gestellt und für die Erläuterungen der Tier- und Pflanzenwelt weitere Fachleute zum Vortrag gewonnen. Die Karlsteiner, die sich in einer Verkehrsinitiative dem Schutz des Thumsee verschrieben haben, aber auch die Thumseefreunde aus Bad Reichenhall und Umgebung wollte er gewinnen. Und der Andrang zur Veranstaltung im Reichenhaller Bürgerbräu gab ihm Recht.

In ihrem Einsatz gegen den überbordenden Verkehr, setzt sich die Initiative "Transitfreies Karlstein" neben dem Schutz der Anwohner besonders dafür ein, den Thumsee vor den Gefahren des durchfahrenden Auto- und Schwerlastverkehr zu bewahren. Für viele Einheimische ist der Thumsee bisher einfach "nur" ein schöner Badesee. Aber genauer hinzusehen welches Kleinod hier in Gefahr ist, war seine Absicht.

"Man sieht nur, was man weiß". Diesen Satz von Goethe stellte Wittmann seinem Vortrag voraus. Der Dichter wolle damit sagen, dass uns nur Dinge auffallen können, über die wir Hintergrundwissen besitzen und mit seinen Bildern wolle das Augenmerk richten auf die oftmals übersehenenSchönheiten am Wegesrand, die großen und kleinen Tieren, insbesondere Insekten (Schmetterlinge, Libellen) und die Blumenpracht. Fast unübersehbar und beeindruckend schließlich der große Baumeister am Thumsee: der Biber.

Vor der Bilderreise zeigte Ute Billmeier von der Ortsgruppe des Bundes Naturschutz, wie es gegen Ende der letzten Eiszeit vor mehr als 20.000 Jahren zur Bildung des heutigen Landschaftsbildes und des Sees kam. Auf dem Höhepunkt der Würm-Eiszeit waren rund 150.000 Quadratkilometer des Alpenraumes und seines Vorlandes mit Eis bedeckt. Prägend für unser Landschaft war der Saalach-Gletscher, der aus Saalfelden kommend, sich über Lofer ausbreitete und auf der Höhe von Schneizlreuth mehrere Arme oder Ausläufer bildete. Einer dieser Ausläufer mit einer Eismasse von bis zu 1.000 m Höhe überdeckte auch das Gebiet zwischen dem heutigen "Kranzlstoa" und dem Jochberg. Im Bereich des Thumsees stehen im Untergrund weiche Schichten an, die durch den Gletscher ausgehobelt wurden. Dadurch hat sich eine Senke gebildet, die heute mit dem Wasser aus dem Nesselgraben und durch unterirdische Quellen gespeist wird. Als sich der Gletscher zurück zog, blieb eine Moränenlandschaft übrig, die dann einen sehr langen Zeitraum benötigte, um die heutige Fauna und Flora zu entwickeln, so Ute Billmeier.

Keine Misteln kaufen!

Fritz Eberlein, der erst für seine "detaillierten floristischen Beobachtungen" vom Ministerpräsidenten geehrt wurde, kommentierte die Blumen und Pflanzenbilder: Berberitze, Pimpernuss, Gamsblume, die gelbe Schwertlilie und speziell der rar gewordene Frauenschuh. Zu jedem Bild nannte er die besonderen Standortbedingungen und warum der Thumsee dafür so geeignet ist. Ein Anliegen für ihn war es, zu erwähnen, "kauft keine Misteln". Am Thumsee gibt es sie noch, aber wenn weiterhin damit Geschäfte gemacht würden, werden sie verschwinden. Waldvögelein, so Fritz Eberlein, gibt es in weiß und in rot. Wer sie einmal entdeckt und ihre Schönheit genau betrachtet hat, wird nicht mehr auf Idee kommen sie zu der Kategorie der Vögel zu zählen.

Schmetterlinge

Die Schmetterlinge waren das Thema für Wolfgang Bittner. Zu den beeindruckenden Bildern von Schwalbenschwanz, die selten gewordenen Segelfalter und russischen Bären oder dem Kaisermantel nannte er zu den Bildern ihre besonderen Eigenheiten. Für den Schachbrettfalter ist, so Bittner, der Thumsee ein idealer Standort und deshalb dort stärker anzutreffen als andernorts. Der Eisvogel ist am Thumsee sowohl als Schmetterling als auch als Vogel vom Michael Wittmann fotografiert worden.

Das Spezialgebiet von Toni Wegscheider sind die Vögel. Für ihn als gelerntem Biologen und Vorsitzenden des Landesbundes für Vogelschutz Kreisgruppe Berchtesgadener Land ist

das Vorkommen des Eisvogels am Thumsee ein Zeichen für die hervorragende Wasserqualität.

Is, das Wort für klares Wasser bei den Eskimos, stecke in der Bezeichnung Eisvogel drin. Solange er also am Thumsee gesehen werde, ist das für Badegäste ein gutes Zeichen für seine Frische.

Toni Wegscheider, der auch ehrenamtlich beim Nationalpark tätig ist, entdeckte bei den Bildern, dass Michael Wittmann auch den blauen Alpenbock fotographieren konnte. Das ist kein Wirtshaus sondern ein Käfer, der interessanterweise im Haus der Berge als Holzskulptur ausgestellt werde. Angeblich sei er in unserer Gegend ausgestorben, um so schöner, ihn jetzt wieder am Thumsee zu entdecken.

Jeder kann die manchmal wunderschönen und mal auch nur ganz unscheinbaren Gewächse und Tiere entdecken. Michael Wittmann hat die Bilder entlang der Wanderwege um den See aufgenommen. Auch der Vortrag folgte den drei Wegen: dem Thumseerundweg, dem Soleleitungsweg hinauf bis zum Antoniberg-Tunnel und zurück über den (leider gesperrten) Weststeig. Zuletzt entführte er die Zuschauer noch auf den Steig von der Garnei Richtung Höllenbachalm bis hoch hinauf zum Ausblick auf den See.

Der große Baumeister: der Biber

Dr. Michael Wittmann, der sich als naturbegeisterten Hobbyfotografen bezeichnet, kommentierte selbst die Bilder zu den Tieren im und auf dem Wasser. Auffällig im See sind die vielen Rotfedern. Insgesamt ist das kalte Wasser reich an Barben, Karpfen, Hechten und der Eitel. Die kommt allerdings wohl deshalb so häufig vor, weil sie wegen der vielen Gräten vom Menschen verschmäht wird. Am Westufer des Sees gelangen Wittmann seine Nahaufnahmen von Libellen, sowohl im Flug als auch bei ihren extremen Verrenkungen während der Paarung.

Den Biber, der, wie Wanderer derzeit sehen können, gerade jetzt wieder sehr aktiv ist, sieht Wittmann als den großen Baumeister des Sees.

Mit seinem Fleiß verursacht er Schäden an so manchen Bäumen, aber er gehöre zum Ökosystem immer schon dazu.

Dass er mit seinen Zähnen ganze Bäume fällen kann, so erklärte Toni Wegscheider, liege an seinen Zähnen, die einen hohen Bestandteil an Eisenionen aufweisen.

Vom Biber, seiner Arbeit und seiner Lebensweise sind Michael Wittmann viele Bilder und kurze Filmsequenzen gelungen. Aus nächster Nähe konnte er einen beim zernagen eines Astes in Bild und Ton aufnehmen. Einen Ast zerlegen, so die Aufnahme, kann er beeindruckend schnell und zu hören sind eher die Laute einer Häckslers als das Beißen mit Zähnen. Neben ihrer Arbeit haben Biber aber auch ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Bei ihrer Sorge um Nachwuchs ist das gut zu verfolgen. Bei der eigentlichen Paarung ließen sie sich nicht zuschauen, aber wie sie auf dem See im minutenlangen Vorspiel schmusten und sich balgten, zeigt dem Betrachter am Ufer, wie liebevoll sie miteinander umgehen.

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