Baumfällarbeiten rund um Bad Reichenhall

Ist dieser Pilz für das Eschensterben verantwortlich?

+
  • schließen

Bad Reichenhall - Baumstämme über Baumstämme finden sich derzeit rund um Bad Reichenhall und entlang des Saalachufers. Allerdings nicht senkrecht in den Himmel blickend sondern traurig am Boden liegend. Der Grund: umfangreiche Baumfällarbeiten:

Der Unmut der Bevölkerung ist groß, im Internet und vor allem in den zahlreichen Facebookgruppe wie zum Beispiel "Du kommst aus Bad Reichenhall, wenn..." oder auf dem BGL Naturheilkunde Portal, auf dem sich zahlreiche Leserbriefe zu diesem Thema finden und wo ebenfalls intensivst diskutiert wird. 

Und dann nicht zu vergessen ein der Brief eines Bürgers an den Stadtrat mit insgesamt 14 Fragen, dessen Anliegen auf der kommenden Stadtratssitzung in Bad Reichenhall diskutiert wird.Als Grund für die Baumfällarbeiten wird immer wieder das sogenannte Eschentriebsterben genannt. Aber was ist das überhaupt?

Hymenoscyphus pseudoalbidus - Bitte wer? 

Hinter dieser lateinischen Bezeichnung verbirgt sich ein Pilz, bzw. ein Pilzbefall, der die Verbreitung der heimischen Esche seit knapp 22 Jahren in Nord-, Ost- und Mitteleuropa massiv beeinträchtigt. Zu Deutsch "Falsches Weißes Stengelbecherchen", wird die Beeinträchtigung der Eschenbestände zunehmend sichtbar und zwar bei Bäumen jeglichen Alters. 

Da mit einem Rückgang des Befalls mittelfristig nicht zu rechnen ist, wird seit Jahren aktiv an der Aufklärung des Infektionsweges, dem Krankheitsverlauf und der Ausbreitung des Pilzes geforscht.

Wie erkennt man den Befall? 

Der Pilzbefall ist an mehreren Merkmalen erkennbar. So treten im Frühstadium erste Welkerscheinungen auf, die zum Abfall der Blätter und Kronenverlichtungen führen. Außerdem weisen die befallen Triebe gelblich-ockerfarbene bis rostrote Rindenverfärbungen ohne Schleimfluss oder Rindenrisse auf. Befallen werden zunächst vor allem die Leit- und Seitentriebe, die in der Folge rasch absterben. Durch Austrieb an der Pflanzenbasis oder durch schlafende Knospen, versucht die Pflanze auf die Infektion zu reagieren.

Beim Fortschreiten des Krankheitsverlaufs sterben später auch diese Seitentriebe ab. Im fortgeschrittenen Stadium kommt häufig noch ein zusätzlicher Befall der geschwächten Pflanze durch sekundäre Rindenpilze und Holzfäuleerreger dazu, der die Wirtspflanze schließlich absterben lässt.

Interview mit einem Fachmann

BGLand24.de hat sich mit dem Revierleiter Anton Resch getroffen, der für das Privatwaldforstrevier Bad Reichenhall verantwortlich ist.

Herr Resch, im Revier Bad Reichenhall tut sich derzeit einiges. Warum wurden die ganzen Bäume gefällt? 

Seit rund acht Jahren kämpfen wir mittlerweile mit dem Eschensterben. Ganz akut ist das derzeit im Saalachtal. Das liegt daran, dass die Esche ein typischer Baum der Aue ist, dem es dort in der Nachbarschaft mit der Saalach sehr gut gefällt. Durch den Pilzbefall und das daraufhin resultierende Eschensterben müssen wir aufgrund der sogenannten Verkehrssicherungspflicht handeln, zum Schutz der Bevölkerung vor herunterfallenden Ästen.

Was ist die Verkehrssicherungspflicht? 

Eschensterben rund um Bad Reichenhall

Das Auental ist von zahlreichen Wegen, bzw. Verkehrswegen durchzogen. Straßen, wie zum Beispiel der B21, der Bahnlinie und vielen Spazierwegen. Erläutert man die Verkehrssicherungspflicht zum Beispiel an den öffentlichen (geteerten) Spazierwegen, dann ist das folgendermaßen: Wie bei einem privaten Grundstück haftet der Eigentümer für Schäden, die jemand auf diesem Grund erleidet. So auch der öffentliche Eigentümer. Wenn Sie zum Beispiel eine Bergtour machen und Ihnen mitten im Wald ein Ast auf den Kopf fällt, dann sind das naturtypische Gefahren, da sind Sie lapidar gesagt "selber schuld". Wenn Sie aufgrund eines Sturmes einen Schaden erleiden, dann nennt sich "höhere Gewalt". Wenn Sie aber auf einem öffentlichen Spazierweg unterwegs sind, oder Ihr Kind mit dem Radl dort zur Schule fährt, dann ist der Eigentümer verpflichtet für die Verkehrssicherheit des Weges, bzw. des angrenzenden Waldes zu sorgen. Diese Wege sind sozusagen für die Nutzung gewidmet. Aber trotzdem, aber da sie gepflegt werden und im Winter geräumt, muss dort auch für die Sicherheit gesorgt werden.

Viele Leute kritisieren, dass großflächig geschlagen wurde und viel zu viele Bäume gefällt wurden? 

Nein - wir haben sogar jede Menge Bäume stehen lassen, ob wohl sie bereits befallen sind. In meinem Revier haben wir sehr darauf geachtet, dass nur diejenigen Bäume geschlagen wurden, die Leute gefährden, die sich auf dem Weg befinden. Geht man ein paar Schritte in den Wald hinein finden sich genügend Bäume, die trotz Pilzbefall noch stehen. Das liegt daran, dass hier die Verkehrssicherungspflicht nicht mehr zutrifft. Hier wäre man sozusagen wieder "selber schuld", wenn man verletzt wird.

Stellt der Pilz für Tiere, Menschen oder auch andere Pflanzen ebenfalls ein Risiko dar? 

Hallimasch-Pilzbefall

Nein - er befällt nur die Esche. Ist die Esche allerdings geschädigt, dann befällt in der Regel der Hallimasch noch zusätzlich die Esche und der sorgt dann dafür, dass sie schnell morsch wird und ein noch größeres Risiko darstellt. So zeigt das Bild zum Beispiel eine Esche die von einem Hallimasch befallen wurde. Hier das Bild eines Fruchtkörpers aus der vergangenen Vegetationsperiode.

Gibt es keine Möglichkeiten einen Baum vom Pilz zu heilen? 

Nein, leider nicht. Und selbst das Abholzen hilft nicht wirklich. Es kann sein, dass Sie heute eine Esche in Ihrem Garten schlagen und dann werden im nächsten Frühjahr weitere Bäume befallen. Das liegt an den Pilzsporen, die sich über die Luft verbreiten. Wie vorher schon gesagt. Wir schlagen die Bäume nicht, damit der Pilz vernichtet wird, das geht gar nicht. Es geht hier rein um die Verkehrssicherungspflicht, der wir seitens des Gesetzgebers nachkommen müssen.

Was geschieht mit dem geschlagenen Holz? 

Das Stammholz wird nach Möglichkeit verkauft, der Rest wird gehäckselt und dient der Energiewinnung. 

Zurück zur Übersicht: Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser