Ortsbegehung an der Saalachau

Baumfäll-Skandal geht in die nächste Runde

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Baumfällaktionen rund um Bad Reichenhall

Bad Reichenhall - Der Baumfäll-Skandal geht in die nächste Runde. Mit dem enttäuschenden Ergebnis der Stadtratssitzung geben sich die Bürger nicht zufrieden.

Über 60 interessierte Teilnehmer waren zur Ortsbegehung entlang der Saalach am Ostermontag erschienen. Christian Kessel, der die Bürgerfragen zu den Bad Reichenhaller Baumfällungen an den Stadtrat gestellt hatte, lud zu einem Spaziergang in die Saalachau, um gemeinsam die Baumfällungen der letzten Wochen zu besehen und zu begutachten. Dabei stand ihm Michaela Schwarz, Gärtnerin und langjährige Leiterin einer biologisch zertifizierten Baumschule zur Seite, die über neue Erkenntnisse zum Eschentriebsterben informierte und die Situation an den abgeholzten Stellen erläuterte.

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Bad Reichenhaller Mütter mit Kinderwägen, Heilpraktiker, Ärzte, Rechtsanwälte, Rentner, zahlreiche Kinder und Jugendliche, Naturschützer und Forstexperten waren zum Spaziergang gekommen. Auch vom Stadtrat nahmen der 2. Bürgermeister, Manfred Hofmeister, der Umweltreferent des Stadtrates, Dr. Wolf Guglhör und Gerhard Schröter teil. Der ehemalige Umweltreferent des Stadtrates, Bruno Rettelbach, schloss sich dem Spaziergang ebenfalls an. Interessierte Bürger, unter anderem aus Piding, Freilassing und Berchtesgaden, konnten ebenfalls begrüßt werden.

"Wohlfahrtswirkung des Waldes"

In seiner Begrüßung stellte Christian Kessel die Notwendigkeit und die dafür von offizieller Seite gelieferten Begründungen der Baumfällungen in Frage. Er betonte, dass der Baumbestand in Bad Reichenhall und in den Naherholungsgebieten ein Teil des Reichtums der Kurstadt sei, mit dem sorgfältiger und nachhaltiger umgegangen werden müsse. Ergänzt wurde er unter anderen von Bruno Rettelbach, der darauf hinwies, dass man "die Wohlfahrtswirkung des Waldes und der Bäume in einer Kurstadt noch stärker im Auge haben" muss.

Michaela Schwarz erläuterte den interessierten Zuhörern sehr anschaulich den derzeitigen Wissensstand zu den Hintergründen des Eschentriebssterbens. Es wurde deutlich, dass in der Fachwelt, unter anderem von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, umfangreiche Fällungen hier nicht als Lösung des Problems gesehen werden. Gleichzeitig betonte sie, dass den Fällungen bei weitem nicht nur Eschen zum Opfer gefallen waren.

Herabfallende Äste als allgemeines Lebensrisiko

Der Weg führte die Wandernden entlang der Saalach an zahlreichen Parkbänken vorbei, an denen deutlich eine Schneise durch den Wald zum Fluß hin abgeholzt worden war. Michaela Schwarz wies darauf hin, dass an diesen Stellen nicht nur vereinzelt Eschen im Zusammenhang mit dem vielzitierten Eschentriebsterben abgeholzt worden waren, sondern auch Rotbuchen, Hainbuchen, Traubenkirschen, Erlen und andere Bäume gefällt wurden.

Auch zur rechtlichen Lage der Verkehrssicherheit wurde aufgeklärt – der Stadtrat hatte sich in seinen Antworten auf die Bürgerfragen wiederholt auf sie bezogen. Dr. Hermann Amann, Notar a.D., fasste den Kernpunkt eines Urteils des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2014 zusammen, in dem festgestellt wird, dass "gewisse Gefahren, die auf Gegebenheiten der Natur selbst beruhen, als unvermeidlich hinzunehmen sind." Eine Stadt könne nur haftbar gemacht werden, wenn deutliche äußere Anzeichen einer möglichen Gefährdung zu sehen waren. Unfälle durch herabfallende Äste fielen nicht unter die sogenannte Verkehrssicherheit, sondern gehörten in diesem Sinne zum allgemeinen Lebensrisiko. Er wies darauf hin, dass die meisten Unfälle durch Bäume ohnehin nicht durch morsche Bäume, sondern bei Baumfällungen passierten.

Lebensnotwendig und reichhaltig

An mehreren Stationen des Spazierganges wurden weitere Erläuterungen von Michaela Schwarz gegeben, die nicht zuletzt vom ehemaligen Umweltreferenten des Stadtrates, Bruno Rettelbach ergänzt wurden. Aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung konnte er fundiert erläutern, wie lebensnotwendig und reichhaltig die Saalachau ist und welche besondere Bedeutung sie als Naherholungsgebiet für die Kurstadt Bad Reichenhall hat.

Rettelbach sprach sich für eine Zusammenarbeit der verantwortlichen Stellen für den Erhalt der Bäume aus: "Es muss ein Einvernehmen erfolgen, dass die Belange der Kurstadt im Vordergrund stehen." Manfred Hofmeister bestätigte dies und versprach, sich für mehr Transparenz und Kommunikation, auch für den Bürger, einzusetzen. Die Reichenhaller Bürger diskutierten noch lange über mögliche Lösungen, tauschten Informationen aus und genossen in kleinen Gruppen den einziehenden Frühling in der Saalachau.

Frederik Friesenegger

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