Auen- oder Kirchholztunnel?

"Die SPD ist die treibende Kraft gegen den Tunnel"

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Auen- oder Kirchholztunnel? So spricht die SPD
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Bad Reichenhall - Auen- oder Kirchholztunnel? Diese Frage ist eine derjenigen, welche die Bürger rund um Bad Reichenhall seit Jahren beschäftigt. BGLand24.de hat die SPD nach ihrer Meinung befragt:

Viele Personen und Gruppierungen, Vereine und Parteien haben bereits Stellung bezogen zu der Frage, ob der Auen- oder der Kirchholztunnel Bad Reichenhall von seinen Verkehrsproblemen befreien kann

BGLand24.de hat zu diesem Thema bereits mit dem Bund für Naturschutz gesprochen, der CSU und der Initiative Auentunnel-Saalach-Bad-Reichenhall. Nun meldet sich auch die SPD zu Wort. 

BGLand24.de hat Ulrich Scheuerl um ein Feedback der Bad Reichenhaller SPD um ein Feedback gebeten:

Fragen an die SPD zum Thema Auen- oder Kirchholztunnel

Welche Verkehrspolitik verfolgt die SPD Bad Reichenhall bei dieser Frage?

Die SPD-Verkehrspolitik setzt nicht auf Neubaustrecken sondern generell auf Verkehrsvermeidung, öffentliche Verkehrsmittel und wirksamen Lärmschutz im Bestand. Die Belastungen durch Lärm, Abgase und Feinstäube beeinträchtigen die Lebensqualität der Menschen ganz erheblich und oft unnötig. 

Die Verkehrspolitik sollte nicht darauf gerichtet sein, den Verkehr zu beschleunigen und zu vermehren, sondern darauf, die negativen Auswirkungen zu minimieren. 

Da spielt der Ausbau des ÖPNV eine Rolle, bezahlbares Wohnen nahe zur Arbeit, Kinderbetreuung und Schulbesuch ohne Auto, Verringerung der Emissionen (Beispiel E-Mobilität), und vieles mehr.

Warum soll es Ihrer Meinung die eine oder nicht die andere Variante sein?

Für die Planer im Straßenbauamt Traunstein war das Kirchholztunnel kein Projekt zum Schutz der Reichenhaller Bevölkerung. Sie wollten vorrangig immer eine zweite Trasse für den überregionalen Fernverkehr durch Reichenhall bauen. 

Das Ansinnen der Straßenplaner nach einer zweiten Fernverkehrstrasse durch Reichenhall ist aus ihrer Sicht verständlich. Zwischen dem Gablerknoten und der Kretabrücke kommen zwei Bundesstraßen auf einer Trasse zusammen. Nämlich die B 20 (Burghausen – Berchtesgaden) und die B 21 (vom Walserberg bis zur Grenze in Unken). 

Die Umgehungsstraße hat in diesem Abschnitt deshalb auch die Bezeichnung B 20/B21. Eine zweite Trasse (Kirchholztunnel) sollte her, so hatte es das Straßenbauamt im Sinn. Anwohnerschutz war nicht mehr als eine Begründung dafür. Nach Meinung vieler und selbst nach den Prognosen der Planer bringt der Tunnel aber nur eine geringe Entlastungswirkung für die Umgehungstraße, weil sie als Durchgangsstraße für den überregionalen Verkehr erhalten bleibt.

Verkehrspolitik der SPD

Von Anfang an, also seit 1986, befürchtet die Reichenhaller SPD, dass es durch das Angebot Kirchholztunnel zu Verkehrsverlagerungen von der Autobahn A 8 in unseren Talkessel kommt. 

Zwischen Salzburg und Innsbruck ist es durch das kleine Deutsche Eck kürzer als über die Autobahn (Salzburg – Rosenheim – Innsbruck). Mit dem Kirchholztunnel wird es durch Reichenhall dann auch noch die schnellere Verbindung sein. 

Zuletzt sind dann beide Trassen voll: die Umgehungsstraße und der Kirchholztunnel.

Berücksichtigung der Wünsche der Bürger

Die Bürger sind dagegen Dafür wollen die Reichenhaller zu Recht nicht die Hand reichen. In einem knapp am Quorum gescheiterten Bürgerentscheid stimmten sie mehrheitlich gegen den Bau des Tunnels und im Planfeststellungsverfahren gab es 800 Einwendungen. 

Beim Straßenbauamt in Traunstein liegen also noch 800 Einwendungen von Reichenhaller und Bayerisch Gmainer Bürgern, die seit dem abgebrochenen Planfeststellungsverfahren vor fünf Jahren nichts mehr gehört haben. 

Alternativen zu den Tunnelvarianten?

Die Reichenhaller SPD ist seit dem Anfang der Tunnelplanungen die treibende Kraft gegen das Projekt und hat eine Alternative dagegengesetzt. Diese Alternative kann man mit einem Satz beschreiben: die Bestandstrasse anwohnergerecht zu machen. 

Von wirksamen Lärmschutzmaßnahmen bis hin zu Tieferlegung und Überdeckelung, möglichst durchgehend. Vieles ist machbar. Der von Max Aicher jetzt gemachte weitere Vorschlag „Auentunnel“ kommt dem damaligen SPD-Ansatz ziemlich nahe. Der Auentunnel ist ja nichts anderes als eine überdeckelte Trasse gleich neben der jetzigen. 

Allerdings mit dem Nachteil, dass auch bei der Aicher-Variante die Umgehungsstraße als Erschließungstraße für die Innenstadt erhalten bleibt. 

Und wie schaut es mit dem Naturschutzgedanken aus?

Der SPD-Ansatz „Tieferlegung im Bestand“ ist eine gute Alternative auch zu diesem Vorschlag. Zum Einen der Erhalt der Auenlandschaft. Und zum Anderen könnte, anders als bei den Varianten Kirchholz- und Auentunnel, die Umgehungstrasse ganz verschwinden. 

Und, nicht zuletzt, der Golling würde bleiben wie er ist. Dass die Umgehungstraße ganz im Untergrund verschwindet, wird möglich wenn die Tieferlegung auf drei oder vier Spuren erweitert wird und die Erschließung der Innenstadt mit einer Anbindung „Reichenhall Mitte“ aus der tiefer gelegten Umgehungsstraße heraus erfolgt. 

Und zwar in Höhe Kurfürstenstraße. Die Stadt wäre durch die drei Anschlussstellen Nord, Mitte und Süd voll erschlossen.

Blick in die Zukunft?

Die Vorstellung von Wald und Wiesen auf der gesamten Länge von der Häuslstraße bis zur Kretabrücke hätte schon etwas. Und es wäre eine große Chance für die Stadtentwicklung, dort wo jetzt die meist befahrene Strasse Reichenhalls ist. 

Wenn der Vorschlag Aicher eingehend geprüft werden soll, dann auch die Variante „Tieferlegung im Bestand“. Der Kirchholztunnel selbst kann nach 40 Jahren als gescheitert angesehen werden. 

Vielen Dank für das Gespräch

Thema auf der Stadtratssitzung

Die Verkehrspolitik und die Diskussion rund um den Auen-, bzw. Kirchholztunnel ist auch auf der nächsten Stadtratssitzung in Bad Reichenhall wieder Thema.

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