"Das passt irgendwie so gar nicht"

Ausgerechnet während Corona - Brigadegeneral wird aus Bad Reichenhall versetzt

Briagdegeneral Jared Sembritzki wird aus Bad Reichenhall versetzt
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"Mein Herz bleibt beim Edelweiß" - Brigadegeneral Jared Sembritzki vor Abschied aus Bad Reichenhall.

Bad Reichenhall - Ein normaler Betrieb ist derzeit wohl in keiner Branche möglich. Arbeiten bedeutet unter besonderen Umständen seine Aufgaben erfüllen. Für Brigadegeneral Jared Sembritzki eine doppelte Herausforderung, da er sich kurzfristig auch von Bad Reichenhall verabschieden muss.

Eigentlich hatte BGLand24.de ein Interview mit Brigadegeneral Jared Sembritzki zu der Arbeit der Gebirgsjägerbrigade 23 in Zeiten von Corona geplant. Doch am Ende des Gesprächs hatte der General eine ganz andere Mitteilung zu machen: "Ich werde jetzt tatsächlich sehr kurzfristig versetzt und werde zum 1. Mai schon meinen neuen Dienstposten als Chief of Staff der United States Army Europe in Wiesbaden antreten. Tolle Verwendung, aber passt jetzt irgendwie so gar nicht."


Das passt Sembritzki zum einen nicht, weil er weiß, dass es dienstlich für ihn keine Rückkehr zu den Gebirgsjägern und nach Bad Reichenhall gibt. Aber vor allem, da derzeit durch die Corona-Krise auch in den Kasernen der Gebirgsjägerbrigade 23 der Alltag zumindest ein bisschen auf den Kopf gestellt ist.

"Zwei Hauptbereiche haben uns in diesem Zusammenhang betroffen", erläutert Jared Sembritzki gegenüber BGLand24.de. "Einmal war durch den Ausruf des Katastrophenfalls in Bayern die Frage, wird uns das betreffen? Im Sinne von, werden wir irgendwo unterstützen müssen? Das ist dann Amtshilfe und wird über Berlin gesteuert. Und das zweite, wie halte ich meine Truppe möglichst gesund und möglichst einsatzbereit?"


Arbeiten bei den Gebirgsjägern trotz Corona

Die Amtshilfe wurde bis jetzt von den Landratsämtern beim Bayerischen Innenministerium nicht angefragt. "Erst wenn die zivilen Möglichkeiten nicht mehr greifen, würde man auf die Bundeswehr zukommen." Und dafür sieht der Brigadegeneral derzeit noch keine Notwendigkeit und die Politik scheinbar auch nicht. "Oberbayern und insbesondere die Alpenregion ist ja krisenerprobt. Das gilt für mich und die Gebirgstruppe, das gilt für die Landratsämter und die Bevölkerung. Das ist eine tolle Zusammenarbeit", sieht er sich gut aufgestellt.

Wichtig war Sembritzki aber, dass alles, was mit den Einsätzen zusammenhängt, an Ausbildung weiterlaufen muss; natürlich in einem reduzierten Maß. Auch das Antreten findet mit den entsprechenden Abständen statt. "Das ist natürlich alles militärisch nicht mehr so formschön und zweckmäßig, wie wir das kennen, aber natürlich ging es darum, zu vermeiden, dass wir uns Krankheitsfälle einfangen, weil damit natürlich gegebenenfalls Isolations- und Quarantänemaßnahmen einhergehend sind."

Bilder von der Übung „Berglöwe 2019“

Bahnentladung: Ein Gefechtsfahrzeug vom Typ „BV 206 Hägglund“ verlässt im Zementwerk in Rohrdorf einen Waggon. © Stephan Schaffner
Ein Gebirgspionier des Kampfmittelbeseitigungstrupps nähert sich einer improvisierten Sprengfalle vorsichtig an. © Stephan Schaffner
Gefechtsfahrzeuge der „Mittenwalder Jager“ überqueren den Inn mit Hilfe einer Faltschwimmbrücke. © Bundeswehr / Thomas Vigh
Eine Marschkolonne des Gebirgsjägerbataillons 233 startet vom Truppenübungsplatz Kammer bei Traunstein Richtung Reiteralpe. © Bundeswehr / Eckhard Michel
Ein Hochgebirgsaufklärer schwebt mit einem Fallschirm dem Hochplateau der Reiteralpe entgegen. © Bundeswehr / Arne Schein
Gebirgsjäger aus Mittenwald marschieren bei herrlichem Sonnenschein mit Schneetrittlingen und Skistöcken ausgerüstet am Fuße der Reiteralpe. © Bundeswehr / Achim Kessler
Gebirgsjäger aus Mittenwald steigen auf die Reiteralpe durch „Mischgelände“ auf. © Bundeswehr / Johannes Schwegler
Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 überwachen aus ihren in den Schnee gebauten Stellungen das Gelände sowie den Luftraum. © Bundeswehr/ Jan Röllig
„Mittenwalder Jager“ bereiten sich zum Angriff vor. © Bundeswehr / Johannes Schwegler
Gebirgsjäger aus Bischofswiesen befinden sich im Feuerkampf. © Bundeswehr / Norman Möller
Ein SAR-Hubschrauber führt einen Rettungseinsatz auf der Reiteralpe durch. © Bundeswehr / Norman Möller
Das Gebirgsversorgungsbataillon 8 hat in Nußdorf einen Brigadeversor- gungspunkt eingerichtet. Ein Gebirgsversorger sichert den Bereich am Ortseingang. © Stephan Schaffner
Brigadegeneral Jared Sembritzki zieht im Rahmen eines Antretens zum Abschluss der Übung auf der Reiteralpe vor seinen Soldaten ein erstes Fazit. © Bundeswehr / Wulf Schiemann
Ein Sanitätsfahrzeug vom Typ „BV 206 Hägglund“ bewegt sich im Gelände zu einem Einsatz. © Stephan Schaffner
Ein Gebirgsjäger aus Bischofswiesen setzt eine Drohne vom Typ „Mikado“ zur Aufklärung ein. © Bundeswehr / Jan Röllig
Ein „Struber Jager“ befindet sich im Feuerkampf. © Bundeswehr / Norman Möller
Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 wechseln während eines Gefechts die Stellung.  © Bundeswehr / Jan Röllig

Ungefähr ein Drittel der gesamten Brigade ist derzeit in der Ausbildung und im Grundbetrieb. Der Rest befindet sich noch in Einsätzen oder im Dienst am anderen Ort, also in 14-tägiger Wechselbereitschaft zu Hause. "Das heißt, dass wenn ich irgendwo Ausfälle habe, habe ich überall Kräfte, die zu Hause bleiben müssen, dass ich auswechseln kann. So, dass die Gebirgsjägerbrigade sowohl für Unterstützung, aber auch für die normalen Einsätze einsatzbereit ist", konkretisiert der General.

Corona-Alltag bei der Bundeswehr: länger, komplizierter, belastend

Die Soldaten, die derzeit in Mali im Auslandseinsatz sind, warten unterdessen auf ihren Wechsel. Die, die Gebirgsjäger ablösen sollen, kommen aus Baden-Württemberg und müssen jetzt 14 Tage in eine Isolationsphase, um auszuschließen, "dass etwas passiert". Die Gebirgsjäger aus Mittenwald und die Mitarbeiter der Brigade aus Bad Reichenhall müssen deshalb auf ihren Heimflug warten. "Es dauert länger, es ist viel komplizierter, es ist eine erhebliche Belastung, aber die Truppe klagt nicht", fasst es Jared Sembritzki zusammen.

Länger dauert es auch, bis die Gefechtsübung "Berglöwe" auf der Reiter Alpe und in Bischofswiesen stattfindet. Vor allem das Gebirgsjägerbataillon 232 aus Bischofswiesen soll zum Einsatz kommen, aber der Plan, das angrenzende Österreich mit Übungsplatz mit einzubeziehen, ist nicht mehr möglich. "Ich bin aber optimistisch, dass wir das im Oktober diesen Jahres dann durchführen können. Das sollte noch klappen", so der Brigadegeneral.

Brigadegeneral muss sich verabschieden

Allerdings wird diese Übung ohne ihn stattfinden. Brigadegeneral Jared Sembritzki ist dann bereits in Wiesbaden im Einsatz. "Es bricht mir tatsächlich das Herz. Für mich ist das ein Abschied in mehrere Hinsicht: Ich muss aus Bayern weg, ich muss aus Bad Reichenhall weg und ich muss von den Gebirgsjägern weg. Da gibt es im Grunde keine Möglichkeit der Rückkehr, von daher ist es wirklich sehr schade."

Aufgrund der aktuellen Umstände wird es auch keinen großen Appell geben. "Es ist sowohl für mich und die Truppe als auch für meinen Nachfolger ausgesprochen unbefriedigend und schade, aber so sind die Zeiten", trägt Sembritzki die Vorkommnisse mit Fassung. "Ich habe von der Truppe auch immer gefordert: 'es gibt nichts zu klagen, wir müssen es machen, so gut es geht.' Und das gilt leider auch für mich."

cz

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