Der 16-jähriger Täter feuerte wahllos aus dem Fenster

Vor 20 Jahren: Amoklauf in Bad Reichenhall mit fünf Toten

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Zehn Jahre nach Amoklauf Bad Reichenhall
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Bad Reichenhall - Am 1. November 1999 schockte ein Amoklauf den Kurort Bad Reichenhall. Ein 16-Jähriger tötete damals vier Menschen und sich selbst, fünf weitere wurden schwer verletzt. Im Ort erinnert heute nichts mehr an die schreckliche Tat.

20 Jahre ist es her, dass ein damals 16-Jähriger vier Menschen und dann sich selbst erschoss. Am 1. November 1999 verschaffte sich Martin P. Zugang zum Waffenschrank seines Vaters, eines Sportschützen und verschanzte sich anschließend mit mehreren Schusswaffen im Haus seiner Eltern. Er feuerte wahllos aus dem Fenster, tötete dabei ein Ehepaar und einen Mann mit einem Kopfschuss. Mehrere Menschen lagen schwer verletzt auf der Straße vor der Klinik. Insgesamt gab Martin P. 50 Schüsse aus vier Waffen ab. Danach zielte der 16-jährige Täter auf seine Schwester. Er erschoss sie mit fünf Schüssen in den Kopf und in die Brust. Danach tötete er sich selbst mit einer Kugel in den Mund.

Die Beweggründe für die schreckliche Tat sind bis heute nicht abschließend geklärt. "Das Motiv liegt in der Persönlichkeit des Täters", gaben die Ermittler damals an. Auch was genau in der Wohnung zwischen den Geschwistern geschah, ist nicht bekannt. 

Martin P. erschoss vier Menschen und tötete sich selbst, fünf weitere verletzte er schwer.

Der Amoklauf in Bad Reichenhall gilt als einer der ersten in Deutschland

Vor dem Wohnhaus spielten sich dramatische Szenen ab. Die Polizei sperrte die umliegenden Straßen ab und musste sich zurückziehen. Drei Verletzte und zwei Opfer lagen lange Zeit auf der Straße. Zum Glück war zufällig der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber in Übersee, denn er schickte seinen gepanzerten Dienstwagen umgehend zum Unglücksort. Dieser wurde als Schutzschild benutzt, um Opfer aus dem Kugelhagel zu befreien, wie unser Partnerportal merkur.de berichtet.

Zwar fielen keine weiteren Schüsse mehr, doch bis die Polizei die Wohnung stürmen konnte, vergingen noch Stunden. Dort fanden die Beamten die 18-jährige Schwester und den Amokläufer tot vor.

Bis heute erinnert kein Mahnmal in Bad Reichenhall an den Amoklauf

Die Tat gilt als einer der ersten Amokläufe in Deutschland. "Es war das erste Mal, dass das Phänomen bei uns auftrat", sagt der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä gegenüber dem Berchtesgadener Anzeiger. Andrä leitete vor 20 Jahren den Einsatz vor Ort: "Natürlich habe ich diesen Tag noch im Kopf." Damals ging man davon aus, dass der Vater der Schütze sei, bis die Eltern an der Polizeiabsperrung auftauchten. "Da war klar, dass möglicherweise der Sohn der Schütze ist", so der Polizeipräsident weiter.

Es war der erste Amoklauf dieser Art in Deutschland. Die Polizei überarbeitete daraufhin ihre Einsatzkonzepte.

Im Verlauf der Ermittlungen stellte sich heraus, dass Martin P. in der Schule gehänselt wurde und ein Einzelgänger war, der kaum Freunde hatte. Er war von Waffen begeistert, in seinem Zimmer hing ein Hakenkreuz und in seinem Hausaufgabenheft klebte er Nazi-Bilder ein, wie der Münchner Merkur weiter berichtet.2014 vermutete deshalb das "Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus" einen rechtsextremen Hintergrund hinter der Tat.

Auch 20 Jahre später gibt es kein Mahnmal in Bad Reichenhall, dass an die Opfer erinnert. Anders als an anderen Schauplätzen, an denen ähnliche Taten geschahen. Auch am Jahrestag, dem 1. November, wird es keine Gedenken im Ort geben.

ma

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