Pressemitteilung Kur-GmbH Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain

AlpenKlassik: Christoph Prégardien im Interview

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Als einer der bedeutendsten lyrischen Tenöre ist Christoph Prégardien neben seinen zahlreichen internationalen Auftritten auch ein geschätzter Gesangspädagoge.

Bad Reichenhall - Beim Festival AlpenKlassik kommt alles zusammen: hochbegabte junge Meister-studierende aus der ganzen Welt, die besten Dozenten und Dozentinnen, internationale Solisten und Solistinnen und die Bad Reichenhaller Philharmoniker.

Das einwöchige Programm wechselt zwischen öffentlichen Unterrichtseinheiten, Kammer-, Orchester- und Überraschungskonzerten. Ermöglicht wird dies durch eine Kooperation zwischen dem Bayerischen Staatsbad Bad Reichenhall, den Bad Reichenhaller Philharmonikern und der Hochschule für Musik und Theater München.

Christoph Prégardien 

Als einer der bedeutendsten lyrischen Tenöre ist Christoph Prégardien neben seinen zahlreichen internationalen Auftritten auch ein geschätzter Gesangspädagoge. Er ist Professor an der Musikhochschule Köln und seine Meisterklassen sind bei Gesangsstudenten sehr gefragt. Im Gespräch gibt er Einblick in seine pädagogischen und künstlerischen Aktivitäten als Dozent der Gesangsklasse der Alpenklassik Summer School 2019.

Herr Prégardien, was bedeutet für Gesangsstudierende die Teilnahme an einem Meisterkurs? Ist dabei auch das Renommée, bei einem berühmten Lehrer studiert zu haben, von Bedeutung?

Prégardien: Nein, bei einem Kurs von wenigen Tagen kann sich niemand als mein Student bezeichnen. Langjährige Studierende haben einen anderen Status. Ein solcher Meisterkurs ist nichts für Studienanfänger. Als Voraussetzung zur Teilnahme müssen es fortgeschrittene Studenten mit technischem Rüstzeug sein, die künstlerische und interpretatorische Anregung suchen. Bei einem anderen Lehrer kann es, auch für die technische Seite, eine andere Herangehens- und Ausdrucksweise sein als die Praxis im täglichen Unterricht. Das kann bei manchen Studierenden sehr von Vorteil sein und ist der Grund, warum Kurse so gut besucht und gefragt sind. Als Sänger lernt man nie aus. Auch ich lerne durch die Arbeit mit meinen Studierenden.

Wie gestaltet sich der Unterricht bei dem begrenzten Zeitraum einer Meisterklasse?

Prégardien: Das Schwierigste ist, am Anfang den Ansatzpunkt zu finden, wenn jemand vorsingt. Man kennt den Menschen nicht, man kennt die Stimme nicht. Dann muss man eine Basis suchen, um mit diesem jungen Menschen ins Gespräch zu kommen und ihn so anzuleiten, dass er gewisse Dinge überdenkt und gewillt ist, es auf andere Weise zu versuchen.

Beim Singen ist eine Analysetätigkeit gefragt, das ist ein langwieriger Prozess. Deshalb dauert ein Gesangsstudium so lange.

Ist das Unterrichten eine logische Konsequenz, die sich aus einer langen Gesangskarriere ergibt?

Prégardien: Nein, es gibt Sänger, die es ablehnen zu unterrichten. Ich habe sehr früh angefangen mit jungen Sängern zu arbeiten, zuerst mit chorischer Stimmbildung in kleinen Gruppen, noch während meines Studiums. Es hat mich immer interessiert, wie die jungen Leute Wesentliches umsetzen können. Die ersten Kurse habe ich so mit Ende dreißig begonnen und habe dabei gemerkt, dass mir Dinge, die ich automatisch ausführte, durch das verbale Weitergeben selbst anders bewusst wurden. Man muss Worte finden, die beschreiben, was man haben möchte. Das macht riesig Spaß. Die meisten Studierenden suchen neue Anregungen. Diese Neugier und Frische ist etwas, was mich sehr bewegt und interessiert.

Wie empfinden Sie in Bad Reichenhall die Doppelfunktion Sänger und Dozent?

Prégardien: Diesen Wechsel zwischen unterrichten und selbst singen mache ich regelmäßig und sehr gerne. Bei der Bad Reichenhaller Veranstaltung hat es einen besonderen Reiz, aber auch eine besondere Schwierigkeit, weil es so eng getaktet ist und dabei noch zusätzliche Proben stattfinden. Aber es lässt sich sicher so gestalten, dass ich nicht bis eine Stunde vor dem Konzert unterrichten muss. Das kann ich mit den Kursteilnehmern vereinbaren.

Beim Kammerkonzert am Dienstag, den 27. August 2019 singen Sie "Dover Beach" von Samuel Barber. Was ist das für ein Werk?

Prégardien: Barbers Stück "Dover Beach" für Gesang und Streichquartett ist auf einen sehr ergreifenden Text von Matthew Arnold komponiert, der die Landung der Soldaten im ersten Weltkrieg an der englischen Küste beschreibt. Das Besondere dabei ist, dass es eine Aufnahme gibt, auf der Barber selbst singt, der ja auch Sänger war. Es ist ein sehr interessantes, tiefgreifendes Stück mit traurigem Text. Ich singe es zum ersten Mal, da es von Wen-Sinn Yang an mich herangetragen wurde. Ich interessiere mich für alle neue Musik und lasse mich begeistern. Samuel Barber ist kein moderner Komponist im avantgardistischen Sinn. Das Stück klingt tonal, man kann es gut anhören und es kann eine Entdeckung für das Publikum sein.

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