Reichenhaller Busfahrer schlägt Alarm

Ausgebremst und beschimpft: Was ein Schulbusfahrer morgens erlebt

Dieter Semmler will, dass auf dem Schulweg nichts passiert.
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Seit eineinhalb Jahren fährt Dieter Semmler Schulbus für die Malteser, was er erlebt, kann er teilweise nicht fassen.

Bad Reichenhall - Seit eineinhalb Jahren fährt Dieter Semmler Montag bis Freitag mit dem Schulbus von Bad Reichenhall ins Heilpädagogische Förderzentrum nach Piding. Was er dabei vor allem in den Wintermonaten erlebt, stößt ihm sauer auf.

"Was die Autos teilweise für ein Tempo drauf haben, obwohl Schüler die Straße überqueren, ist unglaublich", erzählt er BGLand24.de. Von der Münchner Allee kommend fährt Dieter Semmler montags bis freitags über die Barbarossa Straße in die Salzburger Straße und diese entlang, um dort seine Schüler abzuholen. Für die Malteser bringt er sie ins Heilpädagogische Förderzentrum nach Piding


Was er dabei erlebt, stößt ihm sauer auf. Rund um die Grund- und Mittelschule St. Zeno, die Realschule St. Zeno und das Karlsgymnasium gilt Tempo 30 und rechts vor links. "Da hält sich kaum einer dran", ist sich Semmler sicher.

Vor allem dann, wenn die ersten Kinder von den Eltern mit dem Auto in die Schule gebracht würden, gehe es los. "Wenn ich früher dran bin und schon um 7.30 Uhr durchfahre, kann sein, dass alles frei ist. Fünf Minuten später ist alles voll. Die Schülertrauben treibt es vom Bahnhof in Richtung ihrer Schulen. Mittendrin Fahrradfahrer, die ihre Gefährte nicht ausreichend beleuchtet haben und unrechtmäßigerweise auf dem Gehweg fahren. Dazu stehen Autos im Halteverbot oder kümmern sich nicht darum, dass aus einem Schulbus gerade die nächste Menschentraube aussteigt", bedauert der 63-Jährige.


Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr

Er will keinen bloßstellen, er will nur verhindern, dass etwas passiert. "Einmal stand ein Bus auf der einen Seite, um Schüler aussteigen zu lassen. Ich stand mit meinem Bus auf der anderen Seite und wartete aufs Weiterfahren, da rauscht ein Pkw zwischen uns durch. Ich habe ihm mit Lichthupe darauf aufmerksam gemacht, dass er vorsichtiger sein soll, woraufhin er mich ausgebremst und beschimpft hat."

Jeder freie Parkplatz ist in der Salzburger Straße besetzt. Zusätzlich lassen Eltern ihre Kinder aussteigen.

Die Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr nimmt immer mehr zu. Dieter Semmler würde sich wünschen, dass mehr kontrolliert und härter bestraft werde. "Nur Ermahnungen bringen uns da nicht weiter." Außerdem habe er in den eineinhalb Jahren nicht einmal die Polizei gesehen. Dem widerspricht Daniel Bäßler. Er ist der Verkehrssachbearbeiter der Polizei Bad Reichenhall und ihm ist die Problematik bekannt. "Dreimal die Woche sind wird sicher präsent", erklärt er gegenüber BGLand24.de und meint genau den Bereich Salzburger Straße/Zenostraße.

"Das Problem sind die Eltern, die ihre Kinder aussteigen lassen. Wenn sie im Halteverbot stehen bleiben, verwarnen wir sie", weiß Bäsler. "Aber gerast werden kann da gar nicht, da eben so viel Verkehr ist." Der viele Verkehr sorgt aber dafür, dass einige Autofahrer nervös werden und nicht mehr auf die Kinder achten. "Alle Verkehrsteilnehmer haben erhöhte Sorgfaltspflicht", appelliert der Verkehrssachbearbeiter.

Häufigere Kontrollen und Geschwindigkeitsmessungen

Genau diese Sorgfaltspflicht vermisst Dieter Semmler. "Die Kreuzungen sind sehr überlaufen. Fahrradfahrer fahren ohne Licht. Kinder werden einzeln angeliefert, schauen nicht links und nicht rechts." Für den Schulbusfahrer ist die Situation einfach "extrem gefährlich". "Ich will mir nicht vorwerfen, dass ich eher was sagen hätte können", betont er im BGLand24.de-Interview und nennt damit gleichzeitig den Grund, die Öffentlichkeit zu suchen.

Für den 63-Jährigen wären häufigere Kontrollen und Geschwindigkeitsmessungen auf alle Fälle ein Instrument, um der Situation die Schärfe zu nehmen. "Muss immer erst was passieren, damit man handelt?" so seine klare Frage. Verkehrssachbearbeiter Bäßler betont, dass Schulweg-Unfälle in diesem Bereich statistisch nicht bekannt sind. Dennoch werden er und sein Team weiter dafür sorgen, dass Autos nur da stehenbleiben, wo sie stehen dürfen. "Mehr Einfluss haben wir nicht", gibt er zu.

Die Beschilderung Achtung Schule nimmt aus Sicht von Dieter Semmler kaum jemand wahr.

Die Stadt Bad Reichenhall verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass in der Vergangenheit bereits zahlreiche Maßnahmen getroffen worden wären, wie beispielsweise die Errichtung einer Tempo-30-Zone, einer Ampelanlage für Fußgänger (insbesondere für Schüler/innen, aber auch Kirchen- und Friedhofsbesucher), dreier Messstellen für kommunale Geschwindigkeitsüberwachung, eines permanenten Geschwindigkeitsanzeigegeräts in der Zenostraße, einer Achtung-Schule-Beschilderung, das Platzieren von Pflanzschalen zur Verringerung der Geschwindigkeit in den Zoneneinfahrtsbereichen, die Anbringung von 30er-Markierungen etc.

Ähnlich wie die Polizei sieht die Stadt den hohen Verkehr als Geschwindigkeitreduzierend an. Dennoch berichtet auch sie von regelmäßigen Kontrollen des ruhenden Verkehrs im Bereich Parkplatz P 3 und in unregelmäßigen Abständen Kontrollen des fließenden Verkehrs durch den Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung und die Polizei.

Dieter Semmler hofft, dass diese Kontrollen tatsächlich umgesetzt werden und dafür sorgen, das morgendliche Verkehrschaos um die Schulen zu entzerren.

cz

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