2017 viel zu tun für die Bergretter

Alarmierungsrekord bei der Reichenhaller Bergwacht

Bad Reichenhall - Der Kerosinanhänger beschert den ehrenamtlichen Bergrettern im vergangenen Jahr viel zusätzliche Arbeit - ansonsten war es ein durchschnittliches Jahr im Einsatzleitbereich Saalachtal.

Bei der internen Mitgliederversammlung der Reichenhaller Bergwacht hat Bereitschaftsleiter Stefan Strecker die Highlights des vergangenen Jahres Revue passieren lassen. Neben den erneut rund 100 Ausbildungsterminen wurden die Ehrenamtlichen im Jahr 2017 auch 101 mal alarmiert, was einen neuen Rekord in der Geschichte der Bergrettungswache darstellt. Schuld daran ist einer der beiden Kerosinanhänger der Bergwacht-Region, den die Bereitschaft vergangenes Jahr von den Berchtesgadener Bergrettern übernommen hatte und 15 mal zu Hubschrauber-Einsätzen im inneren Landkreis bringen musste. Die eigentliche Zahl an Bergrettungen im Einsatzleitbereich Saalachtal war dagegen im Verhältnis zu den Vorjahren eher durchschnittlich.

Die diesjährige Mitgliederversammlung der Bergwacht Bad Reichenhall wurde erstmals im kleinen Rahmen ohne geladene Gäste für die Bergretter in der Rettungswache abgehalten. Vor knapp einem Jahr hatten Stefan Strecker und sein Stellvertreter Urs Strozynski die Bereitschaftsleitung von Dr. Klaus Burger übernommen, der in die Regionalleitung der Bergwacht Chiemgau gewechselt war. Auch die Landesleitung der Bergwacht Bayern wurde neu gewählt, so dass nicht nur in Bad Reichenhall und im Chiemgau, sondern auch bei der Bergwacht Bayern neue Funktionsträger ihr Amt aufnahmen und damit viele Veränderungen einhergingen. Dies hatte sich für die neuen Bereitschaftsleiter in Bad Reichenhall vor allem in vielen Sitzungen zur Umsetzung der von der Bergwacht Bayern angestoßenen Ressortbildung niedergeschlagen.

Anhänger-Führerschein und Hepatitis-Schutzimpfung

Auch vordergründig ganz lapidare Probleme wie die Hepatitis-Schutzimpfung der Einsatzkräfte und die Tatsache, dass die jungen Bergretter mit dem normalen Kfz-Führerschein die bis zu einer Tonne schweren Anhänger der Bergwacht Bayern nicht ziehen dürfen, wurden in Reichenhall ganz pragmatisch angegangen. So wurde unter Federführung der Bergwacht Bad Reichenhall zehn Einsatzkräften aus Reichenhall, Teisendorf-Anger und Freilassing die Möglichkeit gegeben, den Anhänger-Führerschein zu absolvieren. "Während in anderen Bergwachten noch über die Art und Weise, wie das Problem angegangen und über die Finanzierung debattiert wird, haben wir sehr rasch Eigeninitiative bewiesen", freut sich Pressesprecher Marcus Goebel. "Damit ist auch in Zukunft gewährleistet, dass genügend Einsatzkräfte beispielsweise den Tankanhänger oder den Anhänger mit dem All-Terrain-Vehicle (ATV) rasch und ohne Verzögerung zum Einsatzort fahren dürfen." Und auch während über die Finanzierung der Hepatitis-Schutzimpfung für die Bergretter bayernweit noch diskutiert wird, hat die Bereitschaft in Bad Reichenhall kurz entschlossen die Kosten für den Impfstoff selbst übernommen.

Im abgelaufenen Jahr gab es bei der Bergwacht Bad Reichenhall durchaus einige aufwendige Einsätze für verletzte, akut erkrankte und in Not geratene Bergsteiger (wir berichteten), die Gesamtzahl der eigentlichen Bergrettungen im Einsatzleitbereich Saalachtal war im Vergleich zu den Vorjahren mit durchschnittlich 70 bis 80 nicht außergewöhnlich hoch. Dennoch gab es einen neuen Alarmierungsrekord von 101, da die Reichenhaller regelmäßig mit dem übernommenen Tankanhänger zu Einsätzen im inneren Landkreis ausrücken mussten - insgesamt 15 mal, um andere Bergwachten bei Hubschraubereinsätzen zu unterstützen und die Hubschrauber bei Bedarf nachzutanken. Dazu kamen drei Lawineneinsätze im Berchtesgadener Talkessel im März, September und Dezember 2017, bei denen die Reichenhaller mit zentral vorgehaltener Ausrüstung der Region und zusätzlichen Einsatzkräften unterstützen. Der Einsatz zur Rettung eines verunfallten Arbeiters im Glockenturm in Freilassing hatte den Bergrettern wieder einmal gezeigt, dass ihre Fähigkeiten nicht nur im unwegsamen Gebirge, sondern auch durchaus in der Stadt gefragt sind.

Die Schwerpunkte waren wieder wie in den Vorjahren der August mit 23 und der September mit 15 Einsätzen. Um das hohe Leistungsniveau der Bergretter zu gewährleisten, finden jährlich rund 100 Ausbildungstermine, darunter auch ganze Ausbildungswochenenden statt. "All dies bedeutet für die aktuell 45 aktiven Einsatzkräfte eine enorme Arbeits- und Zeitbelastung neben Beruf und Familie. Die Freizeit wird da oft hinten angestellt", betont Goebel. Aber auch für den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe haben die Bergretter einige gemeinsame, kameradschaftliche Unternehmungen durchgeführt. Neben dem obligatorischen Skirennen zum Gedächtnis an Ausbildungsleiter Wolfgang Schmid, der 2005 in einer Lawine auf der Hochalm ums Leben kam, wurden auch wieder ein Bergwachtausflug, diesmal nach Bad Goisern, und eine Betriebsbesichtigung beim Förderer der hiesigen Bergwacht, der Firma Rosenberger in Fridolfing durchgeführt.

Am 17. August hatte die Bergwacht Berchtesgaden den bisher bei ihr stationierten und über viele Jahre neben ihrem eigentlichen aufwendigen Dienstbetrieb optimal betreuten Tankanhänger wegen Platz- und Zeitproblemen während eines zeitgleich laufenden, planungsintensiven Erweiterungsbaus an die Region Chiemgau zurückgegeben. Bereitschaftsleiter Stefan Strecker erklärte sich dann kurzfristig auf Nachfrage der Regionalleitung bereit, den Tankanhänger über seine Bergwacht weiterhin einsatzklar zu halten. Innerhalb von zwei Tagen wurden genügend Einsatzkräfte eingewiesen, um die Einsatzfähigkeit des mittlerweile bei Flugeinsätzen oft unverzichtbaren Geräts sicherzustellen. Nach Abschluss der Erweiterungsbauarbeiten am Gebäude der Bergwacht Berchtesgaden wird voraussichtlich bis zum Sommer der Tankanhänger wieder nach Berchtesgaden zurückgegeben. "Der Standort bei der Bergwacht Berchtesgaden ist der einzig sinnvolle, da im Berchtesgadener Talkessel die meisten Hubschraubereinsätze und damit auch Tankanhänger-Anforderungen sind", erklärt Goebel.

Besonders bedankte sich Strecker "bei den vielen, vielen Händen, die absolut selbstständig ihre Arbeiten an der Rettungswache verrichten und damit die Funktionsfähigkeit sicherstellen. Oft erfahre ich erst beim Abzeichnen der Rechnungen, dass die Gastherme kaputt oder andere Reparaturen an der Liegenschaft notwendig waren." Besondere Ereignisse im letzten Jahr waren der 90. Geburtstag von Bergwachtmann Hubert Assmann, der 80. Geburtstag von Bergwachtmann Fritz Eberlein sowie die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Bergwachtarzt Dr. Henner Krauss, bei der Stefan Strecker dabei sein durfte. "Die Gelegenheit, bei so einer Feier anwesend zu sein, ergibt sich nur für einen ganz kleinen Kreis der deutschen Bevölkerung. Den Träger eines Bundesverdienstkreuzes als Mitglied unserer Bergwacht zu nennen, ist auch eine besondere Ehre für uns!", freut sich Strecker.

Werner Thaler, Kassier der Bergwacht Bad Reichenhall, erklärte anschließend seinen Kassenbericht, der wirtschaftlich mit einer schwarzen Null für das vergangene Jahr abschloss.Insgesamt wurden 2017 rund 70.000 Euro bei der Reichenhaller Bergrettern eingenommen und ausgegeben. Die Revisoren Edi Schmid und Marcus Goebel prüften das Rechenwerk von Werner Thaler ausgiebig und stellten keine Beanstandungen fest. Die anschließende Entlastung der Bereitschaftsleitung für 2017 erfolgte somit einstimmig. Der Ausblick für das Jahr 2018 befasste sich mit dem weiterhin notwendigen hohen Ausbildungsniveau der Einsatzkräfte und der nun endlich anstehenden Erweiterung der Bergrettungswache durch einen Carport und drei Garagen. Über den derzeitigen Stand der Planung und Auftragsvergaben sowie die Finanzierung der Garagen referierte Marcus Goebel. Hierzu erfolgt in naher Zukunft ein gesonderter Bericht.

Pressemitteilung BRK BGL

Rubriklistenbild: © BRK BGL

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