Aichers Steinbruch einstimmig abgelehnt!

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Für den rot markierten Bereich plant die Firma Aicher die kommenden Abbrucharbeiten. Direkt südwestlich davon wird auch jetzt schon Gestein abgebaut.
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Bad Reichenhall - Der Stadtrat reagierte gerade noch vor Ende der Einspruchsfrist: Die Gründe für die Ablehnung der Steinbruchpläne von Max Aicher könnten vielfältiger nicht sein.

Geht es nach Baumagnaten Max Aicher, könnten bald die Bagger und Lastwagen anrollen: 4,7 Millionen Kubikmeter Gestein sollen aus dem Poschberg über dem Saalachsee geholt werden. Das Abbruchprojekt ist auf 50 Jahre angelegt. Im zweiten Schritt sollte an dieser Stelle zwischen Bad Reichenhall und Schneizlreuth dann ein Pumpspeicherkraftwerk entstehen. Bis zum 17. April ließ die Regierung von Oberbayern im Raumordnungsverfahren noch Einsprüche zu; gerade noch kurz vor knapp reagierte der Bad Reichenhaller Stadtrat - und schmetterte das Vorhaben am Dienstag einstimmig ab.

"Das wäre ein durch nichts zu rechtfertigender Eingriff", so beispielsweise Michael Nürbauer. Der Grünen-Stadtrat schloss sich dabei den Bedenken der Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Herbert Lackner an. Die Gründe für die einhellige Ablehnung hätten vielfältiger nicht sein können:

- Vor allem morgens und abends würden starke winde aus dem Saalachtal herausziehen und die Kurstadt mit mehr Staub belasten;

- Saalachtal und Predigtstuhl müssten als Freizeit- und Naherholungsgebiet weiter geschützt werden;

- der Status als Kur- und Tourismusstandort könnte durch die Steinbrucharbeiten gefährdet werden;

- direkt unter dem geplanten Abbaugebiet verläuft die B21 - bei Starkregen oder Schneeschmelze wären die Gefahren von Erdrutschen oder Steinschlägen zu groß;

- der Schwerlastverkehr von der B21 über die Bad Reichenhaller Umgehung würde um 32 bis 88 Prozent steigen. Nürbauer rechnete mit täglichen 40 Lkw-Fahrten einfach;

- das Abbaugebiet läge in einem "ökologisch sehr heiklen Bereich", vor allem die knapp zehn Hektar "Schneeheide-Kiefernwälder" müssten geschützt werden;

- trotz angedachter Rekultivierungsmaßnahmen wären die Pläne ein "dauerhafter, massiver optischer Eingriff in die Landschaft";

- durch die Genehmigung des Projekts würden die Hemmungen sinken, auch in Zukunft vergleichbare Eingriffe zu erlauben;

- das Gebiet würde sich über vier verschiedene Wasserschutzgebiete erstrecken;

- und zu guter Letzt könnten die denkmalgeschützten Gebäude und die Sperrmauer des Saalachseekraftwerks von dem Projekt berührt werden.

Auch von Bürgern wurden bereits vereinzelt Vorwände bei der Regierung von Oberbayern eingebracht. Unter anderem fürchteten auch Schneizlreuther, auf deren Gemeindegebiet der Steinbruch liegen würde, um ihre Trinkwasserquelle. Einzig Wolf Guglhör von der SPD schränkte seine Kritik etwas ein: "Wirtschaftliche Fragen können nicht ganz weggewischt werden - für die Stahlverhüttung ist dieses Gestein unverzichtbar, irgendwo muss es schließlich abgebaut werden." Trotzdem blieb auch er bei seinem "Nein" zum Vorhaben der Firma Aicher.

Ob die Regierung von Oberbayern als Landesplanungsbehörde die Reichenhaller Bedenken berücksichtigen wird? Sie kamen spät, dafür aber umso heftiger.

xe

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