OB-Wahl: Die Kandidaten positionieren sich

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Mike Rupin, der Vorsitzende des Gewerbevereins, moderierte die Veranstaltung.

Bad Reichenhall - Am Montag fand die erste von zwei Podiumsdiskussionen um das Bürgermeisteramt statt. Die fünf Kandidaten beantworteten Fragen der Zuhörer.

„Nicht, dass hier noch eine Massenpanik ausbricht“, meinte eine Besucherin zu Beginn der ersten von zwei Podiumsdiskussionen aller fünf Kandidaten für das Amt des Bad Reichenhaller Oberbürgermeisters. In der Tat folgten der Einladung des Gewerbevereins zum ersten Aufeinandertreffen der Kandidaten am Montagabend zahlreiche Reichenhaller Bürger. Sogar in den Vorräumen der Europastube des Bürgerbräus verfolgten einige Zuhörer stehend das Geschehen.

Der Vorsitzende des Gewerbevereins, Mike Rupin, stellte den Kandidaten fünf ausgewählte Fragen, welche den Kandidaten vorab bekannt waren. Die Sitzverteilung und die Reihenfolge der Antworten wurden per Los festgelegt, zur Beantwortung der Fragen blieben jedem Kandidaten stets drei Minuten.

Nachdem sich alle fünf Kandidaten persönlich vorgestellt hatten, eröffnete Rupin die Fragerunde. Zu Beginn erkundigte er sich nach den Konzepten zur Verbesserung der Außendarstellung Bad Reichenhalls. Der Amtsinhaber Dr. Herbert Lackner (CSU) nutze an dieser Stelle zunächst die Gelegenheit, um die aus seiner Sicht vielen positiven Beispiele aus der Vergangenheit hervorzuheben. Lackner sieht in Bayern wenige Städte, die „derart viele Veranstaltungen vorweisen können“, wie Bad Reichenhall. Als Beispiel führt er unter anderem den Start der Radtour des Bayerischen Rundfunks an, welche man in die Kurstadt geholt habe. Die Anstellung eines sogenannten Citymanagers, oder auch das Einfordern einer besseren Vermarktung Reichenhalls bei der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, sind ihm wichtige Anliegen für die Zukunft.

Sein Kontrahent aus den Reihen der Freien Wähler, Martin Knabenreich, will sich mit der einfachen Anstellung eines Citymanagers nicht zufrieden geben. Bad Reichenhall benötige anstatt dessen ein professionelles Marketing. Knabenreich fordert die Errichtung einer „Bad Reichenhall GmbH“, welche nicht nur Touristen, sondern vor allem auch Bürger aus der Region nach Reichenhall holen solle. Die SPD-Kandidatin Adelheid Rupp kann mit beiden Vorschlägen nichts anfangen: „Bevor wir über eine GmbH oder einen Citymanager sprechen, brauchen wir ein Gesamtkonzept“, so Rupp. Es sei verfehlt, angesichts der angespannten Haushaltslage über eine kostspielige GmbH zu sprechen. „Reichenhalls Einzigartigkeit“ will der Grünen-Kandidat Manfred Hofmeister besser vermarktet sehen. In Anspielung auf eine Rede des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber stellt Hofmeister eine aus seiner Sicht große Besonderheit der Kurstadt dar: „In nur 10 Minuten sind wir weit hoch über den Dächern unserer Stadt, das gibt es nicht einmal in Dubai!“ – gemeint war freilich die Predigtstuhlbahn. „Der Citymanager wird ja schon lange diskutiert und ist inzwischen im Sand verlaufen“, meinte zuletzt der Piraten-Kandidat Wolfgang Britzl. Er möchte die Thematik lieber mit mehr Bürgerbeteiligung angehen. Er persönlich sieht sich in der Rolle des Oberbürgermeisters bei einem solchen Dialog als Moderator.

Die folgenden beiden Fragen befassten sich mit den Leerständen in der Innenstadt und der Ansiedlung von Gewerbe außerhalb der Innenstadt. Für den FWG-Kandidaten Knabenreich stellen die Leerstände den „schleichenden Tod“ der Innenstadt dar. Ein Citymanager müsse sich auch um dieses Problem kümmern. Auf der grünen Wiese dürfe man zwar Gewerbe ansiedeln, aber keine Konkurrenz zur Innenstadt schaffen. Zustimmung gab es hierzu von nahezu allen Kandidaten. Im Hinblick auf das von vielen Seiten kritisierte geplante Einkaufszentrum am alten Gaswerksgelände betonte Oberbürgermeister Dr. Lackner jedoch, dass es auch positiv sei, nach jahrelangen Verhandlungen und einigen fehlgeschlagenen Versuchen zur Wiederbelebung des Grundstücks einen Investor gefunden zu haben. Eine realistische Sichtweise forderte Pirat Wolfang Britzl: „Wenn wir die Märkte bei uns nicht bauen, werden sie ein paar Kilometer weiter über der Grenze gebaut und dann gehen unsere Familien dort einkaufen.“

Beim nächsten Thema Parkraumbewirtschaftung gab es viele unterschiedliche Ansätze. „Die herrschende Kontrollmentalität schadet dem Image unserer Stadt“, legte Grünen-Kandidat Hofmeister los. Er fordert die Einführung einer „Brötchentaste“, damit der Bürger bei einem nur kurzen Stadtaufenthalt gratis parken könne. Wolfgang Britzl (Piraten-Partei) kann sich tagsüber eine Freigabe der Anwohnerparkplätze vorstellen. Die Anwohner seien zu dieser Zeit größtenteils in der Arbeit und bräuchten die Parkplätze somit nicht. Der Rathauschef stellt eine Beschrankung des Parkplatzes am ehemaligen Stadtwerksgelände in Aussicht. Die bestehenden Parkgebühren hält er im Vergleich zu anderen Städten für günstig. Aus Sicht des FWG-Kandidaten benötige man diese auch dringend, immerhin habe sich der Schuldenstand Reichenhalls in den letzten Jahren verdoppelt. Ein genaues Parkraumbewirtschafungssystem vermisst er in Bad Reichenhall jedoch. Nach dem Willen der SPD-Kandidatin Rupp soll das Parken an Samstagen künftig gebührenfrei werden. Des Weiteren wünscht sie sich die Errichtung von Tiefgaragen, somit könne der entsprechende Platz über der Erde sinnvoller genutzt werden.

Podiumsdiskussion der OB-Kandidaten

Das Thema Christkindlmarkt und Weihnachtsbeleuchtung schloss die Fragerunde ab. Mehr „Charme“ als der jetzige Christkindlmarkt hatte in den Augen von Pirat Wolfang Britzl der Winterzauber im Kurgarten. „Schade, dass es den nicht mehr gibt“, zeigt sich Britzl enttäuscht. Ein wie zu erwartendes positives Resümee zog der Amtsinhaber. Lob an den bestehenden Verhältnissen gab es auch Seitens der FWG. „Für den Christkindlmarkt muss sich Bad Reichenhall nicht schämen“, so Martin Knabenreich. Eine eher geringere Priorität hat das Thema für Adelheid Rupp: „Da gibt es wichtigere Fragen, mit denen wir uns auseinander setzen müssen“, so die SPD-Kandidatin. Hierbei pflichtete ihr der Kontrahent aus den Reihen der Grünen, Manfred Hofmeister, bei. Dennoch müsse das Thema auf die Agenda. Vor allem auch das Engagement der Bürger sei hierbei gefragt.

Abgerundet wurde die Podiumsdiskussion mit Fragen aus dem Auditorium, welche sich aber weitestgehend mit den bereits gestellten Fragen des Gewerbevereins deckten. Großen Applaus bekam dann noch Pirat Wolfang Britzl. Dieser verhaspelte sich bei der Beantwortung einer Frage und gab daraufhin offen zu: „Ich bin total aufgeregt!“ Für Heiterkeit sorgte schließlich noch der Wunsch eines Zuhörers. Der offensichtliche Lackner-Sympathisant favorisiert eine Wiederwahl des Amtsinhabers. Doch dessen Mitbewerber hält er auch für äußerst kompetent. Martin Knabenreich solle daher den Posten des Citymanagers besetzen, Wolfgang Britzl wünscht er sich bei den Stadtwerken, während Adelheid Rupp im Bereich „Soziales“ engagiert werden solle und Manfred Hofmeister in Zukunft für das „Grünflächenmanagement“ zuständig sein könnte.

Aus ersten Reaktionen gegenüber BGLand24 war zu entnehmen, dass ein Großteil der Besucher keinen klassischen Sieger des Duells sieht. Unterstrichen wurden hingegen von vielen Seiten der harmonische, sachliche und faire Verlauf, sowie die konstruktive Art der Diskussion.

stw

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