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„Wir wollen niemanden ausschließen“

Philipp Reiter im Gespräch über den neuen Trail-Lauf auf den Hochstaufen

Philipp Reiter im Gespräch über den neuen Trail-Lauf auf den Hochstaufen
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Philipp Reiter ist Mit-Ideengeber und -Initiator der „Alpenstadt City & Trail“-Veranstaltung Ende Mai in Bad Reichenhall. Er stand uns über den neuen „Berglauf“ Rede und Antwort.

Bad Reichenhall - Philipp Reiter ist ein erfahrender und erfolgreicher Trail-Läufer. Die Organisatoren des Rupertus Thermenlaufs vom TSV Bad Reichenhall holten den 30-Jährigen nun gern ins Boot, um dem bewährten Format einen neuen, frischen Charakter zu verleihen. Das Ergebnis – wie bereits berichtet – ist ein Lauf-Wochenende unter dem Titel „Alpenstadt City & Trail“ Ende Mai in der Kurstadt. Wir haben uns mit dem Mit-Ideengeber und Initiator unterhalten.

Es gab den Hochstaufenlauf ab 1976 als reinen Berglauf, 2006 jedoch leider zum letzten Mal.

Philipp Reiter: Mein großes Ziel war es immer, wenigstens einmal bei diesem Staufenlauf dabei zu sein – und dann zu gewinnen. Als ich dann in richtig guter Form war, gab‘s den Staufenlauf nicht mehr (er lacht). 2017 gab es dann das „Trail-Raid“ hier in Reichenhall. Dessen Ziel war es, interessierten Trailrunnern die Möglichkeiten zu geben, hier zu laufen und die vielen Wege und die schöne Gegend rund um die Kurstadt kennenzulernen. Es war ein Zwei-Tages-Event, damit es auch für weiter angereiste Läufer interessant und lukrativ war – denn aus Hamburg kommt niemand nur für einen Tag hierher. Das Angebot wurde sehr gut angenommen, hatte großen Gemeinschafts-, aber nur bedingten Wettkampf-Charakter. Wenn jemand seine Zeiten erfasst haben wollte, war das möglich, aber es war nicht das ursprüngliche Ziel. Wir waren mit diesem Community-Lauf einmal hier in Reichenhall, einmal in Maria Alm, dann sollte es wieder hier stattfinden – Corona kam dazwischen.

Wie kam es nun zur neuen Idee des Alpenstadt-Trails auf den Staufen – also innerhalb eines Bewerbs rauf und auch wieder runter zu laufen?

Reiter: Sie geisterte schon lange in mir. Ich wollte einen Wettkampf-Trail auf den Staufen organisieren. Also so, wie ich in meiner Wettkampfzeit selbst gelaufen bin. Wir, das heißt meine Mitstreiter David Wallmann und Steve Auch, wollten hier wieder etwas Cooles auf die Beine stellen. Natürlich kannten wir den Rupertus Thermenlauf, der mittlerweile schon seit 15 Jahren stattgefunden hatte, und seine Organisatoren. Sie suchten gerade in dieser Pandemie-Zeit nach neuen Wegen für ihr Event. Letztlich konnten wir nun die beiden Bewerbe, also den flachen Bewerb auf neuen Wegen durch die Stadt und den Trail-Berglauf am Hochstaufen verbinden und in ein Wochenende integrieren.

Die klassischen Bergläufe in Deutschland werden immer weniger. Ist das ein Ergebnis der immer größeren Auflagen, die vielen Sicherheitsfragen und damit -bedenken?

Reiter: Absolut. Niemand will und kann noch die Verantwortung übernehmen. Denn wenn etwas passiert, wird derjenige, der letztlich unterschrieben hat, zur Rechenschaft gezogen. Wer will sich das noch antun?

Trail-Running boomt jedoch.

Der Hochstaufen ist 1771 Meter hoch – hier der Blick über das Reichenhaller Haus hinweg ins Tal. Die Trail-Läufer am 29. Mai werden den Hausberg der Kurstadt bergauf „bezwingen“ und auch wieder laufend verlassen.

Reiter: Das stimmt. Dabei handelt es sich bei den Rennen fast ausschließlich um lange Distanzen. Kürzere Trail-Run-Events gibt es kaum. Am Hochstaufen haben wir zudem einen technisch anspruchsvollen Teil, das ist das Besondere …

vor allem der „Stoanane Jaga“. Keine einfache Sache und nur für routinierte, trittsichere und schwindelfreie Bergläufer geeignet.

Reiter: Wir haben den Weg bewusst so gewählt: Bergauf über die schwierige Route, bergab über den normalen, einfachen Weg. Natürlich befinden wir uns unter anderem im hochalpinen Gelände, die Läufer müssen an einigen Stellen ihre Hände hernehmen. Aber für uns Trail-Läufer ist gerade das spannend. Gewisse Skills, also Fähigkeiten, sind ja immer Voraussetzung. Wer sich für diesen Bewerb anmeldet, weiß schon, auf was er sich einlässt. Wir werden das mit entsprechenden Bild-Welten vorab steuern, damit jeder sehen kann, ob das etwas für ihn ist oder nicht. Gleichwohl wollen wir niemanden ausschließen, der Trail ist durchaus etwas für Jedermann.

Was ist das Einzigartige am neuen Format?

Reiter: Die Distanz von rund 18 Kilometern und die 1400 Höhenmeter. Für viele nicht viel, aber auch nicht gerade wenig – und deshalb absolut herausfordernd. Die einzigartige Strecke im alpinen Gelände, dazu der Weg durch die Stadt zum Berg hin und wieder zurück zum Rathausplatz, sind außergewöhnlich. Weil es so etwas in Reichenhall, ja im ganzen Kreis noch nicht gab.

An einem schönen Tag werden, wenn die ersten Läufer an den neuralgischen Punkten auftauchen, bereits viele „normale“ Bergsteiger unterwegs sein.

Reiter: Wir sichern die engen Stellen mit Streckenposten ab und sorgen hier für die bestmögliche Sicherheit aller Läuferinnen und Läufer. Die Bergwacht wird natürlich ebenfalls vor Ort sein.

Mit welcher Siegerzeit rechnen Sie?

Reiter: Mal sehen, ob jemand die 1:45 Stunden knacken kann. Eine Stunde rauf, 45 Minuten runter, das wäre schon richtig schnell.

Das klingt für einen „normalen Bergsteiger“ nicht vorstellbar.

Reiter: Stimmt: Es ist schon brutal, was heute möglich ist. Insgesamt haben wir ein Zeitlimit von sechs Stunden für den Lauf. Das ist sogar mit „schnellem Gehen“ schaffbar.

Mit welcher Teilnehmerzahl rechnen Sie?

Reiter: 150 wären schon gut. Wir wollend diesen Lauf in den kommenden Jahren als ganz besonderes Event nachhaltig hier etablieren und vielleicht sogar international einen Namen geben.

Wird es Teilnehmer geben, die sogar beide Bewerbe bestreiten, also am 28. Mai den Zehn-Kilometer City- und tags drauf den Trail-Lauf?

Reiter: Ja, ganz sicher. Die „ganz Wilden“ (er schmunzelt) schaffen das locker.

Als Mit-Organisator werden Sie nicht selbst mitlaufen – wie leicht beziehungsweise schwer fällt Ihnen das – wäre doch genau das Ihr Ding?

Reiter: Ich habe mit der Organisation, Fotos und Videos genug zu tun. Wenn man mal ein gewisses Niveau hatte, möchte man wieder daran anknüpfen, wenn man irgendwo mitläuft. Klar, die Teilnahme reizt mich absolut. Weil ich den Trail sicher in einer sehr guten Zeit schaffen würde, das weiß ich. Es sind jedoch so viele Dinge zu tun, vorher und nachher, dass ich die nötige Konzentration für eine aktive Teilnahme wohl nicht aufbringen könnte. Es ist gut, so wie es ist.

Interview: Hans-Joachim Bittner

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